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In den Tiefen des Mare Balticum

erstellt von smaier zuletzt verändert: 11.09.2013 12:03

Das Europäische Konsortium für Wissenschaftliches Ozeanbohren (ECORD) startete Anfang September eine zweimonatige Ostsee-Expedition. Ein internationales Forscherteam an Bord des Bohrschiffs Greatship Manisha plant, an sieben Lokationen Proben vom Meeresboden zu gewinnen - vom Kattegat im Süden bis Härnösand an der schwedischen Küste im Norden.

Das Bohrschiff "Greatship Manisha". (Bild: Geoquip Marine, courtesy of Island Drilling Singapore Pte Ltd)Das 94 Meter lange Bohrschiff Greatship Manisha in Falmouth (Südwest-England) wurde mit Labor-Containern, Proviant und einem Bohrturm ausgestattet. Seit Anfang September ist das Schiff auf dem Weg zur ersten Bohrlokation im Gebiet des Kleinen Belts. Während der kommenden zwei Monate plant das Team aus Wissenschaftlern und Technikern mehrere Kilometer Sedimentkerne zu gewinnen. Die Bohrkerne aus bis zu 450 Meter Wassertiefe sollen Informationen zur Umweltentwicklung des Ostseeraums während der letzten 140.000 Jahre liefern. Es ist das erste Mal, dass eine solch aufwändige wissenschaftliche Bohrexpedition in der Ostsee stattfindet.

Mikrobiologischen Untersuchungen, die nur mit frischem Kernmaterial durchgeführt werden können, finden unmittelbar an Bord statt. Andere Proben werden an Land gebracht und dort unter die Lupe genommen. Umfassende Analysen des gewonnenen Probenmaterials sind für Anfang kommenden Jahres im Bremer Bohrkernlager des Integrierten Ozeanbohr-Programms (IODP) geplant. Es ist am MARUM auf dem Campus der Universität beheimatet.

Mit der Ostsee-Expedition verfolgen die Wissenschaftler mehrere Ziele:

  • Die Entwicklung des Ostseebeckens während der letzten Warmzeit vor 130.000 Jahren besser zu verstehen – insbesondere den Übergang dieser Warmzeit zur letzten Eiszeit.
  • Das Anwachsen und Abschmelzen des skandinavischen Inlandeises während der letzten Eiszeit zwischen 100.000 und 20.000 Jahren vor heute genauer zu erfassen; insbesondere interessiert hier die Frage, ob der Eispanzer sich infolge der globalen Abkühlung entwickelte oder ob er seinerseits Klimaschwankungen auslöste.

Zudem stehen mikrobiologische Fragestellungen auf dem Expeditionsplan: „Wir haben erst in denBohrlokationen der Ostsee-Expedition. (Bild: ECORD) letzten Jahren erkannt, wie stark Mikroorganismen den chemischen Fingerabdruck der Meere bestimmen“, sagt der ehemalige Direktor des Bremer Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie, Prof. Bo Barker Jørgensen, der jetzt das Zentrum für Geomikrobiologie der Universität Aarhus in Dänemark leitet. „Daher wollen wir auch erkunden, wie Mikroben in der Ostsee auf die klimatischen Veränderungen zwischen Kalt- und Warmzeiten reagierten. Insbesondere interessiert uns, wie diese Lebensgemeinschaften reagierten, als sich die Ostsee im Lauf der Zeit von einem Süßwasser- zum Brackwassermeer entwickelte und schließlich weiter versalzte.“ Nicht zuletzt geht es bei der Expedition darum, zu belegen, wie Ökosysteme auf Klimaänderungen reagierten, als der Mensch dabei noch keine Rolle spielte.


Quelle: MARUM Bremen, September 2013