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Jubiläums-Expedition ins arktische Eis

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 21.03.2012 17:39

Runder Geburtstag für die russisch-deutsche Arktisforschung: Die 20. binationale TRANSDRIFT Expedition startet diese Woche in die sibirische Laptev-See. Auf dem Programm stehen Untersuchungen des Meereises, des Klimas und der Biologie in dem arktischen Randmeer.

Wie schon bei früheren Winter-Expeditionen in die Laptev-See gelangen die Wissenschaftler mit Hilfe von Hubschraubern auf das Festeis (Foto: H. Kassens, GEOMAR).Experten betrachten das Ausmaß und die Geschwindigkeit des Klimawandels in der Arktis mit Besorgnis. Die Eisfläche des Nordpolarmeers ist in den Sommermonaten drastisch geschrumpft und das Eisvolumen hat in den vergangenen 30 Jahren sogar um 75 Prozent abgenommen. Das Meereis ist brüchig und es gibt viele offene Wasserflächen. Besonders einschneidend sind die Veränderungen in der sibirischen Arktis, wo ein Großteil des Meereises für die Arktis produziert wird. Es gibt immer weniger Packeis, das die Sommer übersteht und so über die Jahre wachsen kann. Die mittlere Geschwindigkeit mit der das Eis driftet, hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt.

„Die Klimaänderung in diesen Regionen ist mittlerweile mit bloßen Augen zu beobachten“, sagt Dr. Heidemarie Kassens vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Sie beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Klimaschwankungen der Polarregion und hat seitdem zahlreiche Expeditionen in den hohen Norden durchgeführt. Jetzt reist sie erneut als Expeditionsleiterin in die sibirische Hafenstadt Tiksi, Ausgangspunkt für die 20. deutsch-russische TRANSDRIFT-Expedition in die Laptev-See.

Mit einem von Hubschraubern geschleppten Messgerät kann großflächig die Eisdicke der Arktis ermittelt werden (Foto: H. Kassens, GEOMAR).Während der kommenden vier Wochen werden die Wissenschaftler östlich und nördlich des Lena-Deltas auf dem Festeis der Laptev-See Camps einrichten, von denen aus sie mit verschiedenen Methoden die Dicke, die Struktur und die Stabilität des Eises untersuchen. „Noch herrscht in der Arktis Winter, die Laptev-See ist also fest zugefroren. Um aufs Eis zu gelangen, nutzen wir Hubschrauber, die uns jeweils von Tiksi zu unseren Forschungscamps bringen“, erklärt Dr. Kassens. Außerdem nutzen die Wissenschaftler die Hubschrauber als Forschungsplattform: Mit speziellen am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven (AWI) entwickelten elektromagnetischen Messgeräten, die über das Eis geflogen werden, kann großflächig die Eisdicke bestimmt werden. Biologen werden studieren in wie weit das Ökosystem bereits von den veränderten Umweltbedingungen betroffen ist.

Außerdem bauen Wissenschaftler der Universität Trier automatische Wetterstationen auf, die kontinuierlich atmosphärische Parameter messen. Echte Handarbeit ist auch gefragt, wenn die Forscher und Techniker das bis zu zwei  Meter dicke Eis durchbohren, um Verankerungen auf den Meeresboden der Laptev-See herabzulassen. An den Verankerungen sind Geräte befestigt, die Daten wie Wassertemperaturen, Strömungsgeschwindigkeiten und andere Eigenschaften des Meerwassers unter dem Eis messen.

Das Arbeitsgebiet der Expedition Transdrift XX (Grafik: GEOMAR).Das Untersuchungsgebiet ist für das Verständnis der gesamten Arktis von Bedeutung, weil am nördlichen Rand der Laptev-See zwischen Festeis und Packeis sogenannte Polynjas verlaufen. Das sind auch im Winter offene Wasserflächen, in denen große Teile des Meereises für den arktischen Ozean gebildet werden. „Polynjas reagieren sehr sensibel und schnell auf Veränderungen in der ozeanischen und atmosphärischen Zirkulation und können somit als Modell dafür herangezogen werden, wie sich letztere auf die Arktis auswirken werden“, erklärt Dr. Kassens. Schon in den vergangenen Jahren konnten die Wissenschaftler bei ihren Untersuchungen deutliche Änderungen der Wassereigenschaften, der Eisbildung, aber auch der Artenzusammensetzung unter dem Eis feststellen. „Umso wichtiger ist, dass wir die Beobachtungen in Zukunft fortsetzen, um langfristige Aussagen treffen zu können“ betont Dr. Kassens.


Quelle: GEOMAR Kiel, März 2012