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Klimaveränderungen besser verstehen

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 03.01.2017 15:24

Warme Winter, nasse Sommer und ständig Unwetter – wer hat nicht das Gefühl, dass das Klima verrücktspielt? Im wissenschaftlichen Fokus stehen Klimaveränderungen beim Forschungsprojekt ISOBAR, das von der norwegischen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Das Fachgebiet Informatik und Datenverarbeitung der Hochschule OWL ist mit Drohnenmessungen beteiligt – im Dezember 2016 im Norden Norwegens und in den kommenden Jahren in Nordfinnland sowie auf Spitzbergen.

Es ist ein außergewöhnlicher Arbeitsort, an dem Professor Burkhard Wrenger und sein Mitarbeiter Carsten Langohr im Dezember 2016 tätig waren: Das Team vom Fachgebiet Informatik und Datenverarbeitung der Hochschule Ostwestfalen-Lippe tauschte die Büros auf dem Höxteraner Campus mit der nördlichsten Raketenabschussstation der Welt – dem Andoya Space Center. Auf der norwegischen Insel Andoya, 400 Kilometer nördlich des Polarkreises, führten die Wissenschaftler Messungen für das Projekt ISOBAR durch, das unter Federführung der Universität Bergen von April 2016 bis Juni 2019 von der norwegischen Forschungsgemeinschaft mit rund einer Million Euro gefördert wird. Ziel des Projektes ist es, Klimaveränderungen besser zu verstehen und somit das Klima, das die Welt in Zukunft erwartet, einzuschätzen. Hiervon profitieren soll auch die Qualität der Wettervorhersagen.

Prof. Burkhard Wrenger (l.) und Carsten Langohr führten auf der norwegischen Insel Andoya Flugtests durch. (Foto: Henrik Rieth)

Prof. Burkhard Wrenger (l.) und Carsten Langohr führten auf der norwegischen Insel Andoya Flugtests mit ihrer in Höxter entwickelten Technik durch. (Foto: Henrik Rieth)


Im Gepäck hatten die Forscher aus Höxter ihre selbst entwickelten Drohnen. „Unsere Drohnen sind dafür ausgelegt, bei schwierigen Wetterbedingungen zu fliegen, also bei bis zu minus 40 Grad Celsius und Windgeschwindigkeiten bis 70 Kilometer pro Stunde“, sagt Wrenger und betont: „Außerdem sind sie mit besonderen von uns selbst entwickelten Sensoren ausgestattet, die zum Beispiel eine sehr schnelle Datenverarbeitung ermöglichen.“ Mit den Drohnen messen die Wissenschaftler meteorologische Parameter wie die Temperatur und die Windgeschwindigkeit, aber beispielsweise auch die Zusammensetzung des See-Eises. „Wir möchten die Entstehung und das Aufbrechen des See-Eises besser verstehen, da dies ein wichtiger Prozess für das Klima ist. Das Eis reflektiert viel Wärme, sodass das Klima kälter ist. Wenn das Eis schmilzt wird es deshalb wärmer, wodurch dann noch mehr Eis aufbricht“, erklärt Wrenger.

Der Aufenthalt auf der Insel Andoya war ein erster Testlauf für das Projekt ISOBAR: Zum einen wollten die Wissenschaftler testen, ob sie mit den Drohnen in der Lage sind, bei den extremen Wetterbedingungen – also niedrigen Temperaturen, starkem Wind und Niederschlägen – exakte Messungen durchzuführen. Zum anderen haben sie getestet, ob die gemessenen Daten zuverlässig sind, ob also mehrere gleichzeitig betriebene Drohnen die gleichen Ergebnisse liefern. Hierzu laufen derzeit noch die Auswertungen. Zur Frage der extremen Bedingungen lässt sich aber bereits ein positives Fazit ziehen: „Wir konnten die Drohnen sehr sicher betreiben. Es gab keine Ausfälle oder Abstürze“, sagt Wrenger und resümiert: „Manchmal sind wir an die Grenzen dessen gelangt, was wir als Menschen aushalten konnten. Aber technisch gab es keine Probleme.“

Dem weiteren Projektverlauf steht also nichts mehr im Wege: Im Februar und März 2017 ist eine Messperiode im Norden Finnlands geplant; für 2018 sind Messungen auf Spitzbergen vorgesehen. Projektpartner bei ISOBAR sind die Universität Bergen, das Finnische Meteorologische Institut, die Universitäten Tübingen und Hannover sowie die Hochschule Ostwestfalen-Lippe.


Quelle: Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Januar 2017