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Das Meer wird sauer - Treibhausgase gefährden Ökosysteme in den Ozeanen

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:46

Durch Verbrauch fossiler Brennstoffe produziert jede Person auf unserem Planeten täglich im Durchschnitt elf Kilogramm Kohlendioxid, die in die Atmosphäre gelangen. Vier Kilogramm davon werden von den Weltmeeren aufgenommen, was den Treibhauseffekt mildert. Unglücklicherweise reagiert das Kohlendioxid mit dem Meerwasser zu Säure, welche die Kalkschalen vieler Meeresbewohner auflösen kann.


(c) Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven
In den polaren Meeren wird die durch Kohlendioxid verursachte Versauerung der Meere zuerst Folgen zeigen

Die jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature unter Mitwirkung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung veröffentlichte Studie einer Gruppe von 27 Meeresforschern aus Europa, Japan, Australien und den USA zeigt, dass die Versauerung der Meere in den Polargebieten bereits in fünfzig bis hundert Jahren zu einem Verschwinden wichtiger Meeresorganismen führen könnte, viel früher als bisher angenommen. Bedroht sind vor allem Seegurken, Kaltwasserkorallen und im Wasser schwebende Flügelschnecken. Da diese Tiere eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere von Krebsen über Lachse bis zu Walen darstellen, sind schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte polare Ökosystem zu befürchten. Ursachen der Versauerung der Meere sind eindeutig menschliche Einflüsse, die Forderung der Forscher ist eine drastische Einschränkung der Treibgasemissionen.


(c) Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven
Das Gehäuse der Flügelschnecke Limacina würde sich bei Versauerung der Meere auflösen.

Die Studie beruht auf weltweiten Messungen des Kohlenstoffgehalts der Meere. "Um die Vorhersagen abzusichern, haben wir 13 alternative Berechnungsmodelle mit den Daten gefüttert", erklärt Reiner Schlitzer vom Alfred-Wegener-Institut. "Beim Vergleich der Ergebnisse gab es kleine Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Modellen, aber die grundsätzliche Aussage war immer die gleiche: Die Meere versauern viel schneller als bisher angenommen." Nach Ansicht der Wissenschaftler ist die Vorhersage deutlich sicherer als derzeitige Klimaprognosen, da die Aufnahme von Kohlendioxid durch die Meere einfachen Gesetzmäßigkeiten folgt und vergleichsweise wenig Störfaktoren berücksichtigt werden müssen.

Die Computerberechnungen zeigen, dass bei dem derzeitigen Anstieg der Kohlendioxid - Konzentration in der Atmosphäre bereits in fünfzig Jahren in den Polarmeeren die Schalen der dort massenhaft vorkommenden Flügelschnecken (Pteropoda) einfach aufgelöst werden würden. Die wärmeren Meere folgen mit Zeitverzögerung. Der Leiter der Studie, James Orr vom Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement in Frankreich, meint: "Viele der jetzt lebenden Menschen werden erleben, wie die polaren Meere für einige der heutigen Schlüsselorganismen unbewohnbar werden."


(c) Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven
Nicht nur Flügelschnecken, sondern auch andere Tiere wie die Kaltwasserkorallen, sind als erste von sinkenden pH Werten betroffen.

Die Schale der Flügelschnecken besteht aus Aragonit, einer verbreiteten Form des Kalziumkarbonats. Nur wenn das Meerwasser ausreichend mit Aragonit gesättigt ist, können die Schalen der Flügelschnecken wachsen. In den Berechnungen der Forscher und Forscherinnen werden bereits im 21. Jahrhundert die Aragonit - Konzentrationen in allen Weltmeeren stark absinken. Betroffen sind nicht nur die Flügelschnecken, sondern auch Seegurken und die besonders im Nordatlantik verbreiteten Kaltwasserkorallen. Anders als ihre bekannteren tropischen Verwandten wachsen Kaltwasserkorallen sehr langsam und sind schon heute durch die Bodenschleppnetze der Fischerei stark bedroht. Ein Verschwinden der Korallen würde auch zum Verschwinden der gesamten Riffgemeinschaft aus Tiefseefischen, Aalen, Krabben und anderen Organismen führen. Andere schalentragende Meeresbewohner, wie die ökologisch wichtigen Kalkalgen, die für ihre Schutzgehäuse Kalzit anstatt Aragonit nutzen, wären zu diesem Zeitpunkt nicht betroffen. Sie hätten noch weitere fünfzig bis hundert Jahre Zeit, bis sie bei weiter steigenden Kohlendioxidemissionen das gleiche Schicksal ereilen würde.

Pressemitteilung des Alfred Wefgener Instituts