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Meteoriten-Crash ging für Europa glimpflich aus

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 29.10.2009 11:50

Vor 65 Millionen Jahren starben die Dinosaurier aus. Ihr plötzliches Verschwinden ruft bis heute Bilder von schwarzem Ascheregen und riesigen Skeletten in dürren Wüsten hervor. Fingerabdrücke von Insekten liefern nun Aufschluß darüber, dass die Auswirkungen auf das Ökosystem in Europa weniger gravierend waren.

Wissenschaftler der Universität Bonn konnten nun erstmals das Ausmaß der Verwüstung in Europa rekonstruieren.

Die Auswirkungen des Meteoriteneinschlags vor der Küste des heutigen Mittelamerika, der zahlreiche Arten auf der Erde auslöschte, waren demnach in Europa insbesonderer für die weniger "prominenten" Tieren und Pflanzenerstaunlich gering.

Die Studie ist nun in der Zeitschrift Proceedings of the Royal Society B erschienen (doi:10.1098/rspb.2009.1255).

Vor etwa 65 Millionen Jahren prallte ein mehrere Kilometer großer Meteorit nahe der heutigen mexikanischen Halbinsel Yucatan auf die Erde. Der Crash schleuderte riesige Mengen Staub in die Erdatmosphäre. Über Jahre hinweg verdunkelte sich die Sonne, die Temperaturen sanken deutlich ab. Weltweit kam es zu einem dramatischen Artenrückgang.

"Hinweise auf die Langzeitfolgen des Einschlages waren für Europa jedoch bislang widersprüchlich oder sehr vage", erklärt Dr. Torsten Wappler, Paläontologe am Steinmann-Institut der Universität Bonn. "Wir haben nun fundierte Belege dafür gefunden, dass die Auswirkungen auf die Ökosysteme der Erde überraschend stark mit der Entfernung vom Einschlagsort abnahmen."

Wappler hat erstmals an fossilen Blättern mit Insektenfraßspuren Hinweise auf eine plötzliche Störung des festländischen Ökosystems in Europa entdeckt. Ein Vergleich mit einer ähnlichen Studie amerikanischer Kollegen brachte überraschende Ergebnisse. "Die Ökosysteme in Europa waren wesentlich geringer durch die Katastrophe betroffen", sagt der Wissenschaftler.

Wappler hat 61 Millionen Jahre alte Baumblätter mit Fraßspuren von Insekten von einer französischen Fundstelle untersucht. "Diese Spuren sind wie Fingerabdrücke", erklärt Professor Dr. Jes Rust vom Steinmann-Institut, der mit Wappler und Paläontologen aus den USA an diesem Projekt arbeitet. "Wir können damit das pflanzenfressende Insekt identifizieren." Oft beschränkten sich Insekten auf ausgesuchte Pflanzen, bildeten sozusagen einzelne kleine Ökosysteme. "Die hohe Diversität dieser Insekten-Pflanzen-Gemeinschaften nahm vor 65 Millionen Jahren plötzlich rapide ab", sagt Rust. Die Erklärung: Auf bestimmte Pflanzen spezialisierte Insekten sind extrem empfindlich gegenüber Umweltänderungen.

Allerdings war der Rückgang der Insektenfauna längst nicht so dramatisch wie in Nordamerika. Auch überwand Europa die Folgen des Einschlages viel schneller: Fünf Millionen Jahre nach dem Crash gab es auf dem alten Kontinent wieder genauso viele Arten wie vor dem Einschlag - jenseits des großen Teichs dauerte es doppelt so lange.


(Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Oktober 2009)
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