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Mit Abgas das Klima retten

erstellt von eschick zuletzt verändert: 27.06.2016 11:39

Wie bleibt der Stahlstandort Deutschland wettbewerbsfähig? Das Projekt Carbon2Chem soll darauf eine Antwort geben. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka betont: "Klimaschutz und Standortsicherung gehen Hand in Hand". Acht Industrieunternehmen entwickeln gemeinsam mit der Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft sowie Universitäten eine weltweit einsetzbare Lösung, um die Abgase der Hochöfen in Vorprodukte für Kraftstoffe, Kunststoffe oder Dünger umzuwandeln.

17 Partner aus der Industrie und der Wissenschaft wollen Rohstoffe aus Hüttengasen gewinnen. Der dafür benötigte Wasserstoff wird mit Überschussstrom aus erneuerbaren Energien produziert. Mit dem "Carbon2Chem"-Ansatz sollen 20 Millionen Tonnen des jährlichen deutschen CO2-Ausstoßes der Stahlbranche künftig wirtschaftlich nutzbar gemacht werden. Dies entspricht 10 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen der deutschen Industrieprozesse und des verarbeitenden Gewerbes.

Arbeiter in der Hochofenanlage eines deutschen Stahlwerks. (Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F079044-0020/CC-BY-SA 3.0)

Arbeiter in der Hochofenanlage eines deutschen Stahlwerks. (Bild: Bundesarchiv)

Unser Wohlstand hängt maßgeblich von der hiesigen Stahlindustrie und ihren rund 90.000 Beschäftigten ab. Autos, Häuser und Maschinen entstehen aus den 43 Millionen Tonnen Stahl, die die Branche jährlich produziert. Noch ist Deutschland Europas größter Stahlerzeuger. Die internationale Konkurrenz gefährdet ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Nach dem Pariser Klimaabkommen vom 12. Dezember 2015 soll die globale Erwärmung auf möglichst 1,5 Grad Celsius begrenzt werden. Um das gesteckte Ziel zu erreichen, haben sich die Vertragsparteien der Klimaneutralität verpflichtet. Ab der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts darf nicht mehr Treibhausgas ausgestoßen werden, als durch Senken gebunden werden kann. Demnach muss die Branche ihren Treibhausgasausstoß ganz erheblich reduzieren.

 

Bundesministerin Johanna Wanka, Ministerin Svenja Schulze, Robert Schlögl, MPI CEC-Direktor und Thyssenkrupp-Vorstand Hiesinger. (Bild: Grabowsky)

Pressekonferenz mit Bundesministerin Johanna Wanka, Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, Robert Schlögl, Direktor des MPI CEC und Heinrich Hiesinger, Thyssenkrupp-Vorstand. (Bild: Grabowsky)

"Eine zukunftsfähige Industrieproduktion und engagierter Klimaschutz gehören zusammen. Mit Carbon2Chem zeigen wir dies glaubwürdig. So füllen wir das Abkommen von Paris mit Leben", sagte Bundesforschungsministerin Wanka bei der Pressekonferenz zum Start des Vorhabens in Duisburg. Der Stahlstandort Duisburg ist der größte der Branche. "Carbon2Chem" zielt darauf ab, den CO2-Ausstoß hier und an anderen Stahlstandorten wirtschaftlich nutzbar zu machen. Würde dies gelingen, wird erstmals ein klimarelevanter CO2-Einspareffekt erreicht.

Das Forschungsprojekt "Carbon2Chem" entwickelt in den kommenden zehn Jahren eine nachhaltige Wertschöpfungskette, die verschiedene Sektoren miteinander verbindet – der Klimaschutz treibt die Innovationen branchenübergreifend voran. Denn von "Carbon2Chem" profitiert nicht nur die Stahlindustrie. Chemieunternehmen erschließen eine neue, saubere Rohstoffquelle: "Innovationssprünge entstehen heute an den Grenzen zwischen den Branchen", betonte Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender der Thyssen Krupp AG. "Carbon2Chem bringt Akteure aus allen Bereichen des Innovationsgeschehens zusammen. Grundlagenforschung, Anwendungsforschung und industrielle Praxis – und das aus unterschiedlichen Sektoren."

Gleichzeitig soll "Carbon2Chem" zwei zentrale Fragen der Energiewende beantworten: Wie kann man elektrische Energie speichern und die Stromnetze stabilisieren? Die Partner aus Wissenschaft und Industrie schlagen mit "Carbon2Chem" eine Brücke von der Grundlagenforschung in den Markt.


Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Juni 2016