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Mit der Sonne in den Pazifik

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 24.06.2013 19:59

Auf Deutschlands zweitgrößtem Forschungsschiff, der FS Sonne, untersucht eine internationale Forschergruppe von Ende Juni bis Ende Juli 2013 Metallvorkommen und untermeerische Vulkanaktivitäten um die Inselgruppe Vanuatu bei Australien. Unter den insgesamt 25 Wissenschaftlern sind auch Charlotte Kleint und Benjamin Bühring, Jungwissenschaftler aus der Arbeitsgruppe Geochemie der Jacobs University.

Das Forschungsschiff SONNE. (Foto: B. Grundmann)Das Gebiet um Vanuatu ist für die Wissenschaftler mehrfach interessant: Die über 80 kleinen Inseln, fast alle Ursprungs vulkanischer Aktivität, gehören zu dem sogenannten Ring of Fire. Häufige Vulkanausbrüche und Erdbeben der Stärke 7 oder höher sind hier keine Seltenheit. Auf der anderen Seite gleicht die Lebenswelt an den untermeerischen Vulkanen im Südpazifik einer wahren Oase mit einer außergewöhnlichen Tierwelt. Für das Forscherteam ist vor allem die geologische Aktivität am Meeresboden von Interesse. Sie wollen die chemischen Flüsse aus dem Erdinneren in die Meere, die Ausbildung von Metallvorkommen sowie die Lebensbedingungen der Meeresbewohner unter diesen Extrembedingungen erforschen. Beteiligt sind Experten des GeoZentrum Nordbayern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Jacobs University, der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover sowie Wissenschaftler aus Kanada und Australien.

Das internationale Team ist für die Forschungsreise bestens gerüstet: "Die Vorbereitungen für diese Expedition laufen bereits seit Anfang des Jahres. Angefangen bei Bestellungen, Reinigung der Probengefäße, bis hin zu konkreten Beprobungsplänen, hat das Team alles gut im Voraus geplant", so Doktorandin Charlotte Kleint.

Benjamin Bühring freut sich bereits auf das Leinen losmachen: "Von der Fahrt erhoffen wir uns in erster Linie viele aussagekräftige Proben, mit denen wir verwertbare Daten produzieren können. Da es unsere erste Forschungsfahrt ist, hoffen wir auf eine tolle, einzigartige Erfahrung. Alles ist neu, vom ‘Alltag‘ an Bord, über das Zusammenleben mit anderen Wissenschaftlern bis hin zur eigentlichen Probennahme, die immer wieder zur Herausforderung werden wird."

Benjamin Bühring und Charlotte Kleint im Hafen von Townsville, Australien vor ihrer Forschungsreise in den Südpazifik. (Foto: Jacobs University)An den untermeerischen Vulkanen von Vanuatu dringt Meerwasser in den Meeresboden ein, wo es geothermisch auf Temperaturen bis über 400°C erhitzt wird. Dort reagiert das aufgeheizte Meerwasser mit dem Gestein der unmittelbaren Umgebung und wird dadurch mit vielen Substanzen angereichert, darunter auch Edelmetalle, wie Gold, Silber oder Kupfer. Sobald diese mineralreichen Lösungen zurück ins Meer fließen, fallen einige der Substanzen aufgrund wechselnder Temperatur- und Druckverhältnisse aus und werden zum Beispiel durch dunkle Rauchfahnen der sogenannten Schwarzen Raucher sichtbar. Einige Substanzen verbleiben in gelöster Form im Wasser und verändern so die chemische Zusammensetzung des Meeres.

Die heißen Quellen fördern dadurch auch ein exotisches und biologisch diverses Ökosystem. Besonders macht sie vor allem eines: Anders als fast alle Ökosysteme an Land wird die einzigartige Lebenswelt allein durch das chemische Potential der heißen Quellen und nicht durch die Sonnenenergie gespeist.

Im Rahmen des Projektes werden die Jacobs Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Geochemie unter der Leitung von Andrea Koschinsky, Professor of Geosciences, die chemische Zusammensetzung dieser heißen Quellen auswerten. Einzelne Proben entnehmen sie mit einem Unterwasser-Roboter – Remotely Operated Vehicle (ROV) – des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, der direkt bis an die Schwarzen Raucher herankommt, sogar in über 1.000 Metern Tiefe. Insgesamt 22 Arbeitstage haben sie dazu Zeit. Erste Daten werten Charlotte Kleint und Benjamin Bühring an Bord der FS Sonne aus. In Bremen analysieren sie dann die genaue Konzentration der verschiedenen Substanzen, die für die Erzbildung, die Organismen und die Chemie des Ozeans von Bedeutung sind. 

Von unterwegs werden Charlotte Kleint und Benjamin Bühring von ihren aktuellen Studien und Erfahrungen berichten. Zu finden sind die Einträge ab Juli auf Jacobs Facebook-Seite.


Quelle: Jacobs University Bremen, Juni 2013