Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite News Neue Erkenntnisse über unberührte Polargebiete

Neue Erkenntnisse über unberührte Polargebiete

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 01.03.2012 10:17

Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) haben eine teilweise unberührte Region im Dronning Maud Land der Antarktis erkundet. Gemeinsam mit Experten des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) Bremerhaven sowie der Universitäten Bremen, Bergen (Norwegen) und Gent (Belgien) haben sie dadurch neue Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte und geologischen Struktur der Antarktis gewonnen.

Utsteinen im nordwestlichen Sør Rondane, Hausberg der belgischen Station Princess Elisabeth (Bild: BGR).Hauptziel der achtwöchigen Expedition GEA II (Geodynamic Evolution of East Antarctica) war der Gebirgszug Sør Rondane im östlichen Dronning Maud Land. Neben dem Hauptgebirgszug haben die Wissenschaftler die südöstlichen „Nunataks“ Sør Rondanes, mehrere „Nunataks“ westlich davon sowie die südöstlichsten „Nunataks“ und Moränen im zentralen Dronning Maud Land beprobt. Manche dieser aus dem Eis herausragenden Bergspitzen („Nunataks“) hatten zuvor noch keinen menschlichen Kontakt. 

Geowissenschaftler bei der Beprobung von Gletschereis (Bild: BGR).Mit der Expedition wollte das GEA-II-Team die bisher unbekannte Nahtstelle finden, an der vor 600 bis 500 Millionen Jahren zwei kontinentale Blöcke kollidiert sind und den Superkontinent Gondwana gebildet haben. Dieser Nahtstelle sind die Wissenschaftler vermutlich ein Stück näher gekommen. Eine exakte Aussage ist jedoch erst nach Laboranalysen der Gesteinsproben und einer Auswertung der aerogeophysikalischen Messungen möglich. „Mit Sicherheit werden die Ergebnisse jedoch dazu beitragen, das panafrikanische Gebirge und damit die Antarktis besser zu charakterisieren“, sagt BGR-Polargeologe Dr. Andreas Läufer.

Im Rahmen der Expedition hat das Team zahlreiche Gesteinsaufschlüsse strukturgeologisch untersucht, insgesamt 1,5 Tonnen Gesteinsproben genommen und aerogeophysikalische Messungen mit dem neuen Forschungsflugzeug „Polar 6“ des AWI durchgeführt. Damit können Gesteinskörper und Strukturen auch unter eisbedeckten Gebieten verfolgt werden.

Geowissenschaftler während der Expedition GEA II (Bild: BGR).Ein unerwarteter Fund ist den Wissenschaftlern bei der südlichsten Gletschermoräne vor dem Eisplateau Sør Rondanes gelungen. Dort haben sie an der Grenze zwischen Schnee und Eis relativ junge und große Gipskristalle entdeckt. Diese Kristalle hatte das Team in der kalten Eiswüste der Antarktis nicht erwartet. Wie diese Gipse an den Fundstellen unter diesen speziellen Bedingungen wachsen konnten und welche Bedeutung sie haben, werden weitere Untersuchungen zeigen.

Bereits in der vorausgegangenen Antarktissaison 2010/11 haben Experten der BGR mit Fachleuten der Pojektpartner im Rahmen der Expedition GEA I konzentrierte geologische und geophysikalische Untersuchungen in Sør Rondane, von der belgischen Antarktisstation „Princess Elisabeth“ aus, vorgenommen.


Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Februar 2012