Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite News Neuer Flieger für die Forschung

Neuer Flieger für die Forschung

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 02.11.2011 11:48

Vergangenen Freitag wurde das neue Polarforschungsflugzeug Polar 6 in Bremerhaven vorgestellt, Anfang dieser Woche startete die Maschine vom Typ Basler BT-67 in Richtung Antarktis. Die erste Aufgabe dort: Messungen des bis zu mehrere Kilometer dicken Eispanzers.

TestflugDamit tragen die Messflüge zu einer der großen offenen Fragen der Klimaforschung bei: Wie stark steigt der Meeresspiegel durch Veränderungen der Eisbedeckung in der Antarktis an? „Die Polargebiete spielen eine entscheidende Rolle für die weltweite Klimaentwicklung. Ihre Erforschung hat für uns daher eine hohe Priorität. Wir stellen moderne und zuverlässige Forschungsgeräte zur Verfügung, die die Wissenschaftler für ihre wichtige Arbeit brauchen", so Prof. Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Das Bundesforschungsministerium finanziert Anschaffung und Ausrüstung der Polar 6 mit insgesamt 9,78 Millionen Euro.

„Maschinen vom Typ Basler BT-67 haben sich hervorragend für Einsätze in den Polarregionen bewährt“, sagt Prof. Dr. Heinrich Miller, stellvertretender Direktor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft, der schon häufig mit Polarflugzeugen in der Antarktis unterwegs war. „Wir freuen uns sehr, dass uns mit der Polar 6 jetzt ein zweites Flugzeug dieses Typs zur Verfügung steht und wir mehr Kapazitäten haben, um dem riesigen Bedarf an Forschungsflügen in den Polarregionen zu begegnen.“ Es sei jetzt möglich, im Frühjahr wichtige Untersuchungen in der Arktis durchzuführen, ohne dass die Antarktissaison dafür verkürzt werden müsse.

Flughafen LuneortDie Schwestermaschine Polar 5 ist seit 2007 für das Alfred-Wegener-Institut im Einsatz und hat seitdem viele wertvolle Daten geliefert. Beispielsweise haben Forscher ein System entwickelt, mit dessen Hilfe man eine elektromagnetische Sonde (EM-Bird) zur Messung der Meereisdicke unter dem Flugzeug schleppen kann. Dies war früher nur mit Helikoptern möglich und der Einsatz mit dem Flugzeug erhöht die Reichweite um ein Vielfaches. So lässt sich die Dicke des Meereises in Regionen ermitteln, die vorher nicht erreicht werden konnten. Diese Daten fließen in gekoppelte Klimamodelle ein und verbessern so das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Ozean, Eis und Atmosphäre.

In der Antarktis setzen unter anderem Geophysiker des Alfred-Wegener-Instituts die Polarflugzeuge ein, um die Struktur des Eises und der darunter liegenden Erdkruste zu bestimmen. So haben sie zuvor unbekannte Seen unter dem teilweise kilometerdicken Eis entdeckt. Die Forscher interessiert aber vor allem, wie sich das Eis im Verlauf der Erdgeschichte gebildet, umgelagert und bewegt hat. Dazu werden an ausgewählten Stellen tiefe Eisbohrkerne gewonnen, die Rückschlüsse auf die Klimageschichte im Wechsel von Warm- und Kaltzeiten erlauben. Die besten Orte für solche Bohrungen werden vorher u.a. mithilfe von Flugzeugmessungen festgelegt. Und um das Bild weiter zu vervollständigen, werden die Eisstrukturen zwischen den punktuellen Bohrungen durch geowissenschaftliche Messflüge bestimmt.

Das neue Forschungsflugzeug Polar 6 ist in USA und Kanada für den Einsatz in Polarregionen umgebaut und zugelassen worden. Jetzt rüsteten Techniker und Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts gemeinsam mit Technikern und Piloten des Betreibers Kenn Borek Air Ltd. (Calgary, Kanada), FIELAX (Bremerhaven), OPTIMARE (Bremerhaven), Werum (Lüneburg) und S. E. A. Datentechnik GmbH (Köln) die Maschine in Bremerhaven mit modernen Messinstrumenten aus. Öffnungen im Dach und am Boden des Flugzeugs ermöglichen es, je nach wissenschaftlicher Fragestellung verschiedene Sensoren anzubringen. Neben einer Konfiguration für geophysikalische Messungen kann man die Maschine so zum Beispiel auch speziell für Atmosphärenmessungen ausstatten.

Im HangarAnfang dieser Woche startete Polar 6 Richtung Antarktis, wo mehrere geophysikalische Messprogramme geplant sind. Forscher bestimmen mit einem Radaraltimeter die Topographie des antarktischen Eisschildes in Gebieten, wo auch der Satellit CryoSat-2 der Europäischen Weltraumbehörde ESA und Forschergruppen der Universität Tasmanien und des australischen antarktischen Dienstes (AAD) am Boden Daten über die Topographie des Eisschilds erheben. CryoSat-2 soll mittels Wiederholungsmessungen unter anderem die Veränderungen der Oberflächenhöhen der Antarktis zentimetergenau bestimmen.

Die Messungen mit Polar 6 dienen dabei der Überprüfung der CryoSat-2 Datenprodukte hinsichtlich deren Genauigkeit und sind ein wichtiger Bestandteil des CryoSat Validierungsprogrammes der ESA. Anschließend kombinieren die Wissenschaftler mehrere geophysikalische Messinstrumente, um den Aufbau des mehrere Kilometer mächtigen antarktischen Eisschildes zu kartieren und geologische Strukturen des darunterliegenden Kontinentes sowie die Topographie des Untergrundes zu erfassen. Nach weiteren Messflügen und Logistikeinsätzen zum Beispiel zur deutschen Antarktisstation Neumayer-Station III wird Polar 6 am Frühjahr in Kanada gewartet und auf den Einsatz für die erste Arktiskampagne 2012 vorbereitet.


Die technischen Daten:


Polar 6 (Rufzeichen C-G HGF); Typ: Basler BT-67

  • Länge über alles: 20 m
  • Gesamthöhe: 5,2 m
  • Spannweite: 29 m
  • Leergewicht: 7680 kg (mit Skifahrwerk 8340 kg)
  • max. Reisegeschwindigkeit: 400 km/h
  • min. Reisegeschwindigkeit: 156 km/h
  • Reichweite (ohne Nutzlast): 3900 km
  • Reichweite (1000 kg Nutzlast): 3530 km

 


Quelle: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Oktober 2011

Verweise
Bild(er)