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Polarstern kehrt nach fünf Monaten aus Arktis zurück

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 16.10.2015 11:33

Am 14. Oktober 2015 kehrte der Forschungseisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in seinen Heimathafen Bremerhaven zurück. Seit Mitte Mai nahmen über 200 Biologen, Physiker, Chemiker, Eisphysiker, Ozeanographen und Geowissenschaftler an insgesamt vier Expeditionen teil. Personalwechsel zwischen den Expeditionen fanden in Longyearbyen (Spitzbergen) und Tromsø (Norwegen) statt. Die Polarstern legte in diesen fünf Monaten über 16.000 Seemeilen zurück, das entspricht mehr als 30.000 Kilometern.

Polarlichter an Deck der Polarstern. (Foto: AWI / Stefan Hendricks)In der Arktis wirkt sich der Klimawandel besonders stark und rasch aus. Die Durchschnittstemperatur ist im hohen Norden in den letzten Dekaden doppelt so schnell gestiegen wie im globalen Durchschnitt. Um die Reaktionen der Umwelt auf diesen Wandel zu untersuchen, sind Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts regelmäßig in den hohen Breiten unterwegs. Dort betreiben sie unter anderem ein Tiefsee-Observatorium – den sogenannten AWI-Hausgarten - und eine Langzeit-Messreihe aus ozeanographischen Verankerungen. In den letzten Monaten haben Wissenschaftler dort Messgeräte ausgetauscht und Daten erhoben.

In diesem Sommer führten die drei- bis achtwöchigen Expeditionen die Wissenschaftler in die Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland sowie in die Zentrale Arktis; am 7. September 2015 erreichte das Schiff den Nordpol. Polarstern war das erste Mal im Jahr 1991 in Begleitung des schwedischen Eisbrechers Oden am Pol, dann im Jahr 2001 zusammen mit dem amerikanischen Eisbrecher Healy und 2011 und 2014 alleine. Dieses Jahr trafen die Forscher dort zufällig auf die Healy – und die Forscher nutzten die Begegnung für chemische Vergleichsmessungen und gegenseitige Besuche zum wissenschaftlichen Austausch.

Die Polarstern in der Arktis. (Archivbild; Foto: AWI / Stefanie Arndt)Im den Wandel in der Arktis zu ergründen, waren nationale und internationale Experten-Teams aller Disziplinen der Meeresforschung auf den vier Expeditionen vertreten. Sie untersuchten die Wärme- und Süßwasseränderung, sowie Änderungen in der Zirkulation von Eis und Ozean. Sie maßen die Dicke des Meereises und analysierten Spurenstoffe, untersuchten frei im Wasser schwebende Kleinstalgen (Phytoplankton) und Tiere (Zooplankton) sowie im und auf dem Meeresboden und im Meereis lebende Pflanzen, Tiere und Bakterien.

Neben etablierten Messinstrumenten wie Netze, Wasserschöpfer, Sonden und Verankerungen kamen ferngesteuerte und autonome Unterwasser-Roboter zum Einsatz. Messsysteme zur Bestimmung der Meereisdicke und der Schneeauflage, meteorologischer Größen, sowie Temperatur, Salzgehalt und biooptischer Parameter des Ozeans  wurden auf Eisschollen installiert, auf denen sie durch die Arktis driften und dabei das ganze Jahr über ihre Daten via Satellit an die Forscher senden. Arktis-Premiere feierte ein Multikopter, der erstmalig im hohen Norden auf einem vorprogrammierten Kurs zurück zu seinen Entwicklern flog. Er soll zukünftig dafür sorgen, die Drift des Meereises besser beobachten zu können.


Quelle: Alfred-Wegener-Institut, Bremerhaven, Oktober 2015