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Spitzentechnologie in der Meeresforschung

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 16.07.2014 14:41

Nach vierjähriger Entwicklungs- und Bauphase wurde das neue Meeresboden-Bohrgerät MARUM-MeBo200 des Bremer Zentrums für Marine Umweltwissenschaften fertig gestellt. Wissenschaftlich erprobt wird das Hightech-Instrument während eine der kommenden Fahrten des neuen Forschungsschiffs SONNE, das erst am vergangenen Freitag von Bundeskanzlerin Merkel getauft wurde. Das gut acht Millionen Euro teure Projekt umfasst neben dem Tiefsee-Bohrgerät unter anderem ein System mit Spezialkabel und Winde, mit dem es von Deck der Forschungsschiffe zu Wasser gelassen wird.

Das Vorgängergerät MeBo70 im Einsatz. (Foto: T. Klein, MARUM)Um Schlüsselfragen der Meeres- und Klimaforschung zu beantworten, benötigen Wissenschaftler Proben aus dem Meeresboden. Nur so lassen sich Klimaentwicklungen rekonstruieren, Rohstoffpotentiale und Risiken der im Meeresboden lagernden Gashydrate ergründen oder die Stabilität von Tiefseehängen untersuchen, an denen durch Rutschungen bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder Tsunamis ausgelöst wurden.

Mit dem rund zehn Tonnen schweren MARUM-MeBo200 steht jetzt ein ferngesteuertes Bohrgerät zur Verfügung, das von größeren Forschungsschiffen eingesetzt werden kann. Das weltweit einzigartige, mobile Bohrgerät ist für den Einsatz in Wassertiefen von bis zu 2.700 Meter ausgelegt. Am Meeresboden abgesetzt kann es bis zu 200 Meter lange Kerne von Lockersedimenten und Festgesteinen erbohren. „Das funktionale Design, die Steuerungstechnik und Energieversorgung sowie die technologischen Anpassungen für das Arbeiten unter den extrem hohen Umgebungsdrücken in der Tiefsee hat die Meerestechnik-Gruppe am MARUM entwickelt und realisiert“, sagt Projektleiter Dr. Tim Freudenthal: „Der Rahmen, die Bohrtechnik sowie die hydraulische Antriebstechnik des sechs Meter hohen Bohrturms stammen von der Firma Bauer Maschinen. Sehr produktiv verlief auch die Kooperation mit einer Reihe mittelständischer Firmen aus dem Bremer Umland.“ Insgesamt sieben Container sind nötig, um das System, das aus Bohrgerät und -gestänge, Winde, Steuerungs- und Aussetzeinheit, Hydraulik und Stromversorgung besteht, zu den Ausgangshäfen zukünftiger Expeditionen zu verschiffen.

Zum Bohrgerät selbst gehört auch ein Aussetzsystem (rechts), das auf dem Arbeitsdeck des Forschungsschiffs installiert ist. (Bild: MARUM)„Wir hatten bereits ab 2005 ein Vorgängermodell entwickelt“, sagt der frühere Direktor des MARUM, Prof. Gerold Wefer. Naturgemäß sind die damit gesammelten Erfahrungen hinsichtlich Betrieb und Wartung in die Konzeption des neuen Bohrgeräts eingeflossen: „Obwohl wir mit dem neuen System fast dreimal so tief bohren können wie mit dem Vorgänger und obwohl wir auf gleichem Raum mehr Gestänge unterbringen mussten, ist das Gerät nicht schwerer geworden oder anspruchsvoller im Handling an Deck“, sagt Gerold Wefer. „Darauf sind wir besonders stolz!“ Möglich wurde dies durch ein intelligentes Design sowie durch den verstärkten Einsatz von Aluminium und Titan bei Rahmen und Gestänge. Die Materialien sparen Gewicht, bieten zugleich aber die für die Bohroperationen in der Tiefsee notwendige Stabilität.

„Mit dem neuen Bohrsystem bauen wir die weltweite Spitzenstellung Bremens, aber auch Deutschlands in der Tiefseetechnologie weiter aus“, betont Prof. Michael Schulz. Der Direktor des MARUM verweist darauf, dass auf internationaler Ebene, etwa im Rahmen des weltweiten International Ocean Discovery Program IODP, bereits intensiv über Einsätze des Bremer Bohrgeräts diskutiert wird. „MARUM-MeBo200 bietet die Möglichkeit, deutlich kostengünstiger als mit Bohrschiffen wertvolle Proben aus der Tiefsee zu gewinnen.“


Quelle: Marum Bremen, Juli 2014