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Trinkwasser für 400 Jahre

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 25.07.2012 12:37

Hydrogeologen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) haben gemeinsam mit Experten des namibischen Ministeriums für Landwirtschaft, Wasser und Forstwirtschaft ein bis zu 5 Kubikkilometer (5 Milliarden Kubikmeter) großes Grundwasservorkommen zur Nutzung vorbereitet.

Der Ohangwena II Grundwasserleiter befindet sich in ca. 250-350 Meter Tiefe (Bild: BGR).Das Vorkommen befindet sich im Norden Namibias, an der Grenze zu Angola, in einer Tiefe von mehr als 200 Meter. „Allein die gespeicherte Menge reicht nach sehr vorsichtigen Berechnungen aus, um die Bevölkerung im dicht besiedelten Norden Namibias ca. 400 Jahre mit Trinkwasser zu versorgen“, so BGR-Projektleiter Martin Quinger. Weitergehende Untersuchungen seien aber notwendig, um die Neubildungsrate zu bestimmen.

Das namibisch-deutsche Projektteam hat das Vorkommen im Rahmen eines Untersuchungsprogramms mit geophysikalischen Messungen und Probebohrungen erkundet. Das Programm ist Teil des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierten Projektes „Grundwasser für den Norden Namibias“. Hauptziel dieses Projektes im Cuvelai-Etosha-Becken ist es, Namibia den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu sichern und das Grundwassermanagementsystem des südwestafrikanischen Landes zu verbessern.

Bohrgestänge wird bei einer Erkundungsbohrung in der Mopane Savanne von Nord-Namibia verlängert (Bild: BGR).Das Grundwasser in der Ohangwena- und Oshikoto-Region im Cuvelai-Etosha Becken ist vermutlich über 10.000 Jahre alt und stammt ursprünglich aus höher gelegenen Bereichen des südlichen Angola. Es handelt sich um einen gespannten Grundwasserleiter, der nach oben durch eine rund 100 Meter mächtige Sperrschicht abgedichtet wird. „Diese Schicht muss durchbohrt werden, um das Grundwasser zu fördern“, so BGR-Hydrogeologe Prof. Dr. Thomas Himmelsbach. Das unter Druck stehende Wasser steige dann bis etwa 20 Meter unter die Oberfläche auf, was die Förderkosten sehr niedrig halte.

Der Grundwasserleiter befindet sich in einem ehemaligen großen Deltasystem des Okavango-Flusses, dem Cubango Megafan, und ist von mächtigen sandigen und tonigen Schichten bedeckt. In diesen befinden sich stauende Schichten sowie weitere sowohl salzige als auch süße Grundwasserleiter. Aufgrund seiner geologischen Entwicklung und insbesondere grenzüberschreitenden Lage bedeutet die Erkundung eine logistische und technische Herausforderung für die beteiligten Institutionen. Das ehemalige Deltasystem umfasst ein Gebiet von ca. 55.000 km² in Namibia und Angola. Die Ausdehnung des Grundwasserleiters von etwa 3.000 km² ist durch geophysikalische Messungen, Erkundungsbohrungen sowie Grundwassermessstellen bekannt.

Brunnen und Wassertank in Nord-Namibia zur Wasserversorgung von Bevölkerung und Rindern (Bild: BGR).Die Trockenheit Namibias bewirkt, dass der Grundwasserleiter in Richtung des Beckeninneren zunehmend salzig wird. Das bedeutet, dass bei der zukünftigen Nutzung die im Rahmen des Projektes entwickelten technischen Standards eingesetzt werden müssen, um die Ressource nachhaltig nutzen zu können. Umso wichtiger ist die enge Zusammenarbeit mit dem vom BMZ- und EU finanzierten Vorhaben „Integriertes Wasserressourcen Management im Cuvelai-Etosha-Becken“, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt wird, um die entsprechenden Strukturen auf Einzugsgebietsebene zu entwickeln.

Vor allem unter dem Gesichtspunkt der Anpassung an die negativen Folgen des Klimawandels kommt der neu entdeckten Ressource eine strategische Bedeutung zu. „Diese alten, tief zirkulierenden Grundwassersysteme haben eine große Pufferwirkung gegenüber Klimaereignissen. Selbst mehrere extreme Trockenjahre in Folge würden keinen Einfluss auf die Versorgung aus diesem System haben“, so Himmelsbach.

Das BGR-Projekt der Entwicklungszusammenarbeit läuft noch bis 2013. Neben einer Verbesserung des Grundwassermanagements steht auch die Ausbildung von Hydrogeologen in den Partnereinrichtungen im Vordergrund des Vorhabens.


Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Juli 2012