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Ungewöhnlicher Einsatz für ROV KIEL 6000

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 23.07.2012 11:37

Künstliche und natürliche Kohlendioxidspeicher im Meeresboden der Nordsee sind die Ziele einer Expedition des GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, die am Freitag in Bremerhaven startete. Mit dabei ist auch der Tiefseeroboter ROV KIEL 6000.

Für das ROV KIEL 6000 ist die flache Nordsee ein eher ungewöhnliches Arbeitsgebiet (Foto: P. Linke, GEOMAR).Er hat schon Unterwasservulkane im Pazifik gesehen, unbekannte Tiefseeorganismen im Indischen Ozean gefilmt und Proben von Schwarzen Rauchern im Atlantik geborgen – eigentlich ist die Tiefsee der großen Ozeane das Arbeitsgebiet des ferngesteuerten Tauchroboters ROV KIEL 6000 vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Am Freitag brach das High-Tech-Gerät an Bord des irischen Forschungsschiffes „Celtic Explorer“ jedoch zu einem eher ungewöhnlichen Einsatz in die vergleichsweise flache Nordsee auf. „Wir untersuchen während der jetzt beginnenden Fahrt natürliche und künstliche Kohlendioxid-Speicher im Meeresboden. Wegen der starken Strömungen in der Nordsee benötigen wir dabei am Meeresboden ein Arbeitsgerät mit starkem Antrieb – da hat sich das ROV KIEL 6000 bereits bewährt“, erklärt Fahrtleiter Dr. Peter Linke vom GEOMAR.

Die Expedition mit dem offiziellen Titel CE12010 wird im Rahmen zweier EU-Projekte durchgeführt. Während die Schiffszeit, Reise- und Transportmittel durch das Projekt EUROFLEETS zur Verfügung gestellt werden, sollen während dieser Expedition die wissenschaftlichen Fragestellungen des ECO₂-Projektes bearbeitet werden. Es untersucht in internationaler Zusammenarbeit die Umweltauswirkungen der Speicherung von Kohlendioxid (CO₂) im Meeresboden. Als Untersuchungsobjekte dienen dabei zwei bereits in der Nordsee beziehungsweise in der Barentssee existierende CO₂-Speicher. Zum Vergleich untersuchen die an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler natürliche Gas-Quellen am Meeresboden, die auch in der Nordsee zahlreich vorkommen.

Das irische Forschungsschiff CELTIC EXPLORER (Foto: M. Nicolai, GEOMAR).Erstes Ziel während der aktuellen Expedition mit der CELTIC EXPLORER ist das seit über zehn Jahren auch für die CO₂-Speicherung genutzte norwegische Feld „Sleipner“ in der nördlichen Nordsee, wo bereits im vergangenen Jahr erste Untersuchungen mit dem Kieler Forschungsschiff ALKOR zu möglichen Gasaustritten am Meeresboden durchgeführt wurden. In diesem Jahr finden allein vier Expeditionen im Rahmen von ECO₂ in diesem Gebiet statt. Im Frühjahr hatten Forscher des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie Bremen mit dem Forschungsschiff HEINCKE Untersuchungen in der Nähe von „Sleipner“ durchgeführt, Anfang Juli ging eine Expedition mit dem norwegischen Forschungsschiff G.O. SARS zu Ende. Im September folgt eine weitere Expedition mit dem britischen Forschungsschiff JAMES COOK. „Die Expeditionen sind so geplant, dass sie aufeinander aufbauen. So können wir die kostbare Schiffszeit am effizientesten nutzen“, erklärt Dr. Linke.

Bei der aktuellen Fahrt mit der CELTIC EXPLORER befinden sich neben dem ROV KIEL 6000 auch zwei autonome Meeresbodenobservatorien (Lander) und weitere Spezialgeräte zur Beprobung des Meerwassers und des Meeresbodens an Bord. „Wir haben sieben Container mit unserer Ausrüstung nach Bremerhaven geschickt, wo das gesamte Instrumentarium an Bord der CELTIC EXPLORER verladen und installiert wird“, berichtet Dr. Linke von den Vorbereitungen für die Fahrt.

Eine Besonderheit dieser Reise ist, dass in der Nähe von Sleipner ein CO₂-Freisetzungsexperiment am Meeresboden durchgeführt wird, um die Ausbreitung einer begrenzten Menge von CO₂ im Meerwasser zu verfolgen. „Gleichzeitig können wir damit die Empfindlichkeit unserer Sensoren testen“, so Dr. Linke. Neben Sleipner wird aber auch der sogenannte Blowout-Krater im britischen Sektor der Nordsee untersucht, wo seit mehr als 20 Jahren nach einem missglückten Bohrversuch größere Mengen Methan austreten.

„Das ist wie ein, allerdings unfreiwilliges, Langzeit-Freisetzungsexperiment. Es gibt uns die Möglichkeit abzuschätzen, wie viel Methan am Boden austritt und sich in der Wassersäule verteilt“, erklärt der Kieler Meeresbiologe Linke. Von besonderem Interesse ist dabei, ab wann sich dort Mikroorganismen ansiedeln, die in der Lage sind, das austretende Methan abzubauen und damit verhindern können, dass dieses Klimagas letztendlich in die Atmosphäre gelangt. „Jetzt wünschen wir uns nur noch ruhiges Wetter, damit wir alle Arbeiten, die wir uns vorgenommen haben, auch durchführen können“, sagt Dr. Linke.


Quelle: GEOMAR Kiel, Juli 2012