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Untermeerische Vulkane vor Kamtschatka erfolgreich vermessen

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 02.07.2009 12:09

Unter wissenschaftlicher Leitung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat eine deutsch-russische Schiffsexpedition im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Forschungsprojekts „KALMAR“ die untermeerischen Vulkanberge vor der russischen Halbinsel Kamtschatka erfolgreich vermessen.

Das 25köpfige Team aus Wissenschaftlern und Technikern war drei Wochen lang mit dem deutschen Forschungsschiff „Sonne“ im Nordwestpazifik unterwegs.

„Mit reflexionsseismischen Gerät haben wir mehr als 2700 Kilometer Profile im Gebiet der submarinen Vulkankette „Emperor Seamount Chain“ aufgezeichnet“, so BGR-Expeditionsleiter Dr. Christoph Gaedicke nach der Rückkehr aus der japanischen Hafenstadt Yokohama, Ausgangspunkt und Ziel der Forschungsfahrt. „Die erloschenen Vulkane ragen bis zu 4500 Meter über den Meeresboden aus der Tiefsee heraus. Wegen der Masse der Vulkane verbiegt sich die elastische Kruste“, berichtet der BGR-Meeresgeologe über ein erstes wichtiges Ergebnis.

Die Forscher konnten mit ihren seismischen Geräten bis etwa 10 Kilometer tief unter den Meeresboden blicken. Bei ihren Arbeiten entdeckten die Wissenschaftler auch eine mehr als 700 Kilometer lange Störungszone, die in Richtung Kamtschatka verläuft. „In diesem Gebiet reißt die Erdkruste auf und der Meeresboden macht einen Sprung um etwa 1000 Meter nach oben“, erzählt Gaedicke. Die Forscher vermuten, dass die Spannung in der Erdkruste entlang der Störung abgebaut wird. „Die Störungszone dürfte entscheidenden Einfluss auf die Erdbebentätigkeit in diesem Gebiet haben“, glaubt der BGR-Experte. Konkrete Ergebnisse erhoffen sich die Forscher jetzt von der Auswertung der Daten in Hannover.

Ziel der Expedition war es, die erloschenen Vulkane genau zu vermessen, um weitere Aufschlüsse über die geologische Entwicklung der russischen Halbinsel Kamtschatka zu erhalten. Im Verlauf der vergangenen 85 Millionen Jahre sind die Vulkane, die sich einstmals südöstlich im Bereich des Hawaii-Archipels gebildet haben, mit der pazifischen Platte nach Nordwesten in Richtung Kamtschatka gewandert und tauchen dort langsam unter dem eurasischen Kontinent ab. „Auf diese Weise üben die untermeerischen Vulkane einen entscheidenden Einfluss auf die Verformung der Halbinsel, die Erdbebentätigkeit und den Vulkanismus aus“, erklärt Gaedicke.

Aufgabe der Forscher auf dieser Expedition war es, mit seismischem Gerät den Aufbau der Erdkruste zu bestimmen. Dabei wurden Sonden eingesetzt, um das Alter und die Dichte des Ozeanbodens und der untermeerischen Vulkane zu ermitteln. Mit bordeigenen Instrumenten wurde die Morphologie des Meeresbodens kartiert.

Informationen zu diesem Projekt finden Sie hier.


(Pressemitteilung von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Juni 2009)
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