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Wandel im Tal des Toten Meeres

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 22.12.2014 18:37

Die Wasserverdunstung im Tal des Toten Meeres, die wesentlich zum Sinken des Seespiegels beiträgt, variiert je nach Jahreszeit und meteorologischen Bedingungen. In der Messkampagne HEADS untersuchen Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zurzeit Verdunstung, Dunstschicht und lokale Windsysteme. Die Messungen sind eingebettet in das Helmholtz Virtuelle Institut „DESERVE – Dead Sea Research Venue“, in dem Wissenschaftler aus Deutschland, Jordanien, Israel und Palästina zusammenarbeiten.

Direkt am Toten Meer steht ein sechs Meter hoher Messmast. Die Instrumente messen Strahlung, Verdunstung und Wärme. (Bild: Dr. Ulrich Corsmeier)Das Tote Meer ist ein abflussloser See, der 428 Meter unter dem Meeresspiegel liegt und einen Salzgehalt von durchschnittlich 28 Prozent aufweist. In dem weltweit einzigartigen Natur- und Kulturraum mit Salzsee, Steinwüste, Halbwüste und mediterranen Landschaften vollziehen sich Umweltveränderungen besonders schnell. Die Region fasziniert Klima- und Umweltforscher, denn die Erkenntnisse, die sie dort gewinnen, lassen sich auch auf andere Regionen übertragen, in denen der Wandel langsamer abläuft. In dem Helmholtz Virtuellen Institut DESERVE arbeiten Wissenschaftler aus Deutschland, Jordanien, Israel und Palästina unter Federführung des KIT zusammen. „Das Verhältnis zwischen den Forschern zeichnet sich durch einen fruchtbaren wissenschaftlichen Austausch und gegenseitigen Respekt aus“, berichtet Dr. Ulrich Corsmeier, Gruppenleiter am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Forschungsbereich Troposphäre (IMK-TRO) und Mitinitiator von DESERVE. Das interdisziplinäre Projekt verbindet Meteorologie, Hydrologie, Geophysik und Erdsystemwissenschaften und befasst sich mit drei großen Themen: Wasserverfügbarkeit, Klimawandel und Umweltrisiken.

Derzeit führen Wissenschaftler des KIT im Rahmen von DESERVE die Messkampagne HEADS (Heat and Evaporation at the Dead Sea) durch. Um Daten zu den sommerlichen und winterlichen Dunst- und Verdunstungsverhältnissen im Tal des Toten Meers zu sammeln, nutzen sie den KITcube, ein Beobachtungssystem des IMK-TRO, das einen „Würfel“, also einen Ausschnitt der Atmosphäre mit einer Kantenlänge von rund zehn Kilometern vermessen kann. In den KITcube sind verschiedene Messgeräte für alle relevanten meteorologischen Parameter integriert. Eine erste Übersicht über die Daten bestätigt, dass die Verdunstung wesentlich dazu beiträgt, dass der Wasserspiegel des Toten Meeres um mehr als einen Meter im Jahr sinkt. „Dies ist ein Durchschnittswert; die Verdunstung variiert je nach Jahreszeit und meteorologischen Bedingungen“, erklärt Ulrich Corsmeier. Wenn der Wind stark genug ist, um im Tal rund 400 Meter unter dem Meeresspiegel Einfluss zu nehmen, können Luftfeuchten unter zehn Prozent auftreten, was auf der Erde sonst kaum vorkommt.

Mit dem Wasserspiegel des Sees sinken auch die Grundwasserpegel, da Süßwasser ins Tote Meer strömt. Dies gefährdet nicht nur die Versorgung der Region mit Trinkwasser – mehr als vier Millionen Menschen sind auf die unterirdischen Ressourcen angewiesen. Vielmehr löst das strömende Süßwasser auch unterirdische Salzschichten, wodurch Hohlräume entstehen, die schließlich einbrechen. Solche Einsturzlöcher (sinkholes) gefährden Gebäude und führen zur Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen. Daneben sind mächtige Flutwellen (flashfloods) ein Problem: Sie treten nach lokal begrenzten starken Regenfällen auf, die zu schnellen Abflussprozessen führen.

Insgesamt aber gehen die Niederschläge in der Region seit einigen Jahren zurück. Im Rahmen von Messungen mit dem KITcube sowie einem Netz von meteorologischen Messstationen bestimmen Wissenschaftler des IMK-TRO die Verdunstung über dem Wasser, dem Wüstenboden und einem Schilfgürtel. Ziel ist, zusammen mit Messungen anderer Größen eine Gesamtwasserbilanz aufzustellen. Dabei arbeiten die KIT-Forscher mit Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig zusammen.

Neben Wasserhaushalt und Wasserverfügbarkeit sowie geophysikalischen Phänomenen wie Einsturzlöchern und Flutwellen gehören wechselwirkende Prozesse in Atmosphäre (Luft), Hydrosphäre (Wasser) und Lithosphäre (Boden) sowie geophysikalische Risiken wie Erdbeben zu den Themen von DESERVE. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. So hielt DESERVE Ende November/Anfang Dezember eine zwölftägige interdisziplinäre Winter School in Masada/Israel ab, an der 25 Studierende, Doktoranden und Postdoktoranden aus Deutschland, Jordanien und Israel teilnahmen.


Quelle: Karlsruher Institut für Technologie, Dezember 2014