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Renaturierung im Nationalpark Eifel auf dem Prüfstand

erstellt von smaier zuletzt verändert: 17.07.2013 17:42

Ab August 2013 wandelt der Nationalpark Eifel den Fichtenwald am Wüstebach in einen Laubmischwald um. Dazu entnahmen Wissenschaftler unter Führung des Forschungszentrums Jülich Ende Juni umfassend Bodenproben. Die Forscher begleiten die Umwandlung in den kommenden Jahren im Rahmen des Vorhabens TERENO (Terrestrial Environmental Observatories). Gemeinsam mit dem Nationalpark und den regionalen Wasserverbänden wollen sie erstmals langfristig und kontinuierlich untersuchen, welche Auswirkungen ein solcher Prozess auf einen Standort hat.

An rund 175 Stellen wurden im Gebiet Wüstebach Proben aus verschiedenen Tiefen entnommen. (Bild: Forschungszentrum Jülich)Fichten finden sich an vielen Stellen im Nationalpark Eifel. Doch eigentlich sind es gar keine einheimischen Bäume. Diese Nadelbäume wurden im 19. und 20. Jahrhundert dort gepflanzt, um die vom Menschen reduzierten Laubwaldbestände aufzuforsten. Heute setzt der Nationalpark auf Renaturierung: Veränderungen durch den Menschen, die natürliche Prozesse auf Dauer stören, werden wieder rückgängig gemacht. Das verbessert zum Beispiel den Lebensraum heimischer und teilweise selten gewordener Tiere.

Für die Bodenwissenschaft ist die Umwandlung ein spannender Vorgang. Wie reagiert die Umwelt auf die Entfernung von rund acht Hektar Fichtenwald? Wie ändern sich langfristig Wasser-, Kohlenstoff- und Stickstoffhaushalt? Bislang gibt es keine Untersuchungen, die auf mehrere Jahre angelegt sind. Der Wüstebach ist hierfür ideal. Das Gebiet ist ein mit zahlreichen Messgeräten ausgestatteter Standort von TERENO, einem auf mindestens 15 Jahre angelegten Forschungsvorhaben der Helmholtz-Gemeinschaft zur Untersuchung der regionalen Folgen des Klimawandels. Dort arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Helmholtz-Zentren, Universitäten und anderer Forschungseinrichtungen eng zusammen, um unter anderem Veränderungen der Flora und Fauna, Bodenfeuchte sowie bodenphysikalische und bodenchemische Eigenschaften zeitlich hoch aufgelöst zu erfassen. Das gilt ebenso für den Austausch von Treibhausgasen zwischen Boden und Atmosphäre. Die Maßnahmen sind auch Teil des laufenden LIFE+-Projektes zur naturschutzfachlichen Verbesserung der europäischen NATURA2000-Schutzgebiete im Nationalpark.

"Ein großer Vorteil ist, dass die Versuchsfläche ein in sich geschlossenes Wassereinzugsgebiet ist. Fichtenwald (Bild: Crusier, Wikimedia Commons)Wir können also tatsächlich Stoff- und Wasserflüsse bilanzieren", erläutert Dr. Thomas Pütz vom Institut für Bio- und Geowissenschaften (IBG-3) des Forschungszentrums Jülich.
Die Jülicher Forscher und ihre Kollegen von den Universitäten Bonn, Köln und Trier nahmen an rund 175 Stellen Proben aus verschiedenen Tiefen bis maximal einen Meter. Sie erfassten auch die sogenannte organische Auflage, also die noch weitestgehend unzersetzte Biomasse, die auf dem Waldboden liegt. Die Proben, die jetzt entnommen wurden, sind die Ausgangsbasis, mit denen künftige Proben verglichen werden. Zusätzlich werden die Wissenschaftler eine weitere Eddy-Kovarianz-Messstation auf der entwaldeten Fläche installieren, um die dort vom Boden ausgehenden Kohlendioxid-Emissionen und die Energiebilanz zu erfassen.

Die Ergebnisse sind auch für den Natur- und Klimaschutz in anderen Ländern von Interesse. Beispielsweise kommt es in Skandinavien und Russland immer wieder zur Abholzung von Nadelwäldern, ohne dass die Folgen untersucht werden. Dabei sind die Wälder ein bedeutender erdgebundener Kohlenstoffspeicher und somit ein wichtiger Faktor für das globale Klima.


Quelle: Forschungszentrum Jülich, Juli 2013
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