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Nationaler Geopark "Muskauer Faltenbogen" - Gletscherabdruck hinter Cottbus-Nord

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:34 — abgelaufen

Eis im deutschen Hochsommer gibt es heute eher am Stiel oder im Becher. Vor 450.000 Jahren war gefrorenes Wasser noch ganzjähriger Teil unserer Landschaft und lag in Form gewaltiger Gletscherzungen über Mitteleuropa. Wie viel Kraft in diesen Eismassen steckte, das lässt die Landschaft des Nationalen Geoparks "Muskauer Faltenbogen" erahnen.

Kurz hinter den Braunkohletagebauen Jänschwalde und Cottbus-Nord liegen die Abdrücke des Muskauer Gletschers - einer Eiszunge, die während der Elstereiszeit aus einer noch größeren Inlandseismasse hervorbrach. Fast eine halbe Millionen Jahre ist es her, seit der Gletscher am heutigen Dreiländereck von Sachsen, Brandenburg und Polen großflächig den Untergrund zerdrückte und ganze Gesteinsschichten zur halbkreisförmigen "Stauchendmoräne" empor schob. Das Eis stauchte die vor und unter ihm liegenden Sand- und Braunkohleschichten auf einer Länge von mehr als 40 Kilometern zu einem Faltenbogen auf, der noch als flacher Hügelzug beiderseits der Neisse erhalten und weltweit nahezu einmalig ist.

Aus geringer Höhe bietet die Landschaft Wälder und schmale, parallel zueinander verlaufende Seen, aus Satellitenperspektive jedoch formieren sich die Gewässerstreifen zu einer gewaltigen Hufeisenform. Sie lässt die Umrisse der Gletschermasse auch heute noch erahnen. Dabei sind die stehenden Gewässer lediglich indirektes Zeichen der besonderen Geologie durch die eiszeitlichen Bedingungen. Die durch den Gletscher nach oben aufgeschobenen Lockergesteinsschichten wurden in der Vergangenheit wirtschaftlich genutzt. Die Hinterlassenschaften ehemaliger Braunkohlentagebaue oder Bruchfelder über früheren Tiefbaugruben bilden die Grundlage der Seen und zeichnen damit automatisch die geologische Struktur der Moräne nach.

Heute sind es weniger Bergleute, die in die Region um Bad Muskau pilgern, als vielmehr Touristen und Geologen. Der Muskauer Faltenbogen ist nämlich nicht nur ehemaliges Tagebaugebiet und eine einmalig schöne Seenlandschaft, sondern auch bezüglich seines Aufbaus sowie seiner Entstehung die am besten untersuchte Stauchendmoräne weltweit. Der Muskauer Faltenbogen ist wahrhaftig ein Erbe der Erdgeschichte - auch ganz offiziell seit September 2006 durch die Ernennung zum Nationalen Geopark.