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Nationaler Geopark "Ries" - Spuren eines kosmischen Erstschlags

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:34 — abgelaufen

Heute eine Touristenattraktion, an einem Tag vor 14,3 Millionen Jahren die reinste Hölle - der Einschlag eines Doppelasteroiden verwüstete in grauer Vorzeit den Süden Deutschlands. Heute sind Nördlinger Ries und Steinheimer Becken die am besten erhaltenen Großkrater der Erde, zusammengefasst zum Nationalen Geopark "Ries".

So gutes Anschauungsmaterial in Sachen Asteroideneinschlag gibt es nur an wenigen Stellen der Erde. Gleich zwei Impaktkrater kennzeichnen den Geopark "Ries", der neben Nördlinger Ries und Steinheimer Becken auch die sie umgebenden Bereiche der fränkischen bzw. schwäbischen Alb umfasst, auf denen sich die Auswurfmassen der Einschläge abgelagert haben. Neueste Untersuchungen zeigen, wer die beiden Krater vor etwas mehr als 14 Millionen Jahren mitten im erdgeschichtlichen Miozän geschlagen hat: Zwei um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisende Asteroiden mit 1500 und 150 Metern Durchmesser, 80.000 Stundenkilometer schnell, schräg einfallend etwa aus nordöstlicher Richtung. Der kleinere von beiden schuf das Steinheimer Becken, der größere Felsbrocken riss das Nördlinger Ries und vernichtete dabei alles Leben im Umkreis von 100 Kilometern.

Das Nördlinger Ries, eine flache, kreisrunde Einsenkung von etwa 24 Kilometer Durchmesser - der so genannte Rieskessel - bildet die Grenze zwischen Fränkischer Alb im Osten und Schwäbischer Alb im Westen. Der Hauptteil des Rieses liegt in Bayern, ein kleinerer Teil im Westen gehört zu Baden-Württemberg. Die Trümmer des kosmischen Volltreffers flogen jedoch noch viel weiter. Unmittelbar nach dem Einschlag des Ries-Asteroiden wurden durch Verdampfung und Aufschmelzung der obersten Erdschichten kleine Schmelzfetzen in einem Hochgeschwindigkeits¬strahl bis zu 450 Kilometer weit nach Böhmen, Mähren und in die Lausitz geschleudert.

Das Steinheimer Becken ist mit einem ursprünglichen Kraterdurchmesser von 4,2 Kilometern rund achtmal kleiner als sein großer Bruder im Nordosten. Das Becken ist deutlich als kreisrunde Kraterhohlform von jetzt "nur" noch 3,5 Kilometern Durchmesser sichtbar und liegt vollständig im Bereich der Schwäbischen Alb und damit in Baden-Württemberg, ganze 42 Kilometer vom Zentrum des Nördlinger Ries entfernt. In der Mitte des Beckens thront ein über 60 Meter hoher Zentralberg als typisches Merkmal dieser Kraterart.

Die äußere Begrenzung des Geoparks wird durch die maximale Ausdehnung der Auswurfmassen des Ries-Kraters bestimmt. Sie reicht vom Zentrum des Rieses bis zu einer radialen Entfernung von nahezu 50 Kilometern. Ursprünglich überlappten sich die Auswurfmassen beider Krater, sie sind jedoch im Bereich des Steinheimer Beckens nicht mehr erhalten. Dadurch ist der westliche Teil des Geoparks, der durch den Kraterrand des Steinheimer Beckens begrenzt wird, vom östlichen Teil "Nördlinger Ries" getrennt.

Der Nationale Geopark Ries in Zahlen: Er umfasst Teilgebiete von fünf Landkreisen mit insgesamt 53 Städten und Gemeinden. Davon liegen 46 Gemeinden im Freistaat Bayern und 7 im Bundesland Baden-Württemberg. Damit erstreckt sich der Geopark Ries auf eine Fläche von insgesamt etwa 1955 Quadratkilometern.

In der Wissenschaftsgeschichte der Geologie galten die geologischen Phänomene Nördlinger Ries und Steinheimer Becken lange Zeit als "Sphinx der europäischen Geologie". Ihre Erforschung ist ein Lehrbeispiel für die Theorienentwicklung und den Theorienwandel in den Geowissenschaften im Allgemeinen und für die Entwicklung von Theorien aus empirischen Beobachtungen im Besonderen. Ries und Steinheimer Becken stellen daher ein einmaliges geologisches Erbe in Deutschland und Europa dar. Sie sind darüber hinaus von globaler Bedeutung für die Entwicklung der "neuen" Katastrophenlehre in den Geowissenschaften und für die Entwicklung der Planetologie im Zuge der Erforschung des Planetensystems durch Raumsonden.

Zu den Stammgästen der Krater zählen nicht nur Geowissenschaftler und Wochenendtouristen, sondern auch waschechte NASA-Astronauten. So war das Ries von ausschlaggebender Bedeutung für die Exploration des Mondes durch das Apollo-Programm der NASA und für die Interpretation der Mondgesteine als Impaktite. Im Jahr 1970 führte die amerikanische Raumfahrtbehörde ein geologisches Geländetraining für die Astronauten-Mannschaften der Apollo-14- und Apollo-17-Missionen im Nördlinger Ries und Steinheimer Becken durch. Sozusagen Trockenübungen für die späteren Mondflüge der beiden Teams, die sich hier schon einmal mit den typischen Merkmalen und Gesteinen eines Meteoritenkraters vertraut machen konnten. Kein Wunder also, dass die NASA auch die Bewerbung um das Prädikat "GeoPark Deutschland" unterstützte, welches schließlich im Mai 2006 erteilt wurde.

Mehr Informationen zum Geopark Ries finden Sie hier.