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Fahrtleiter-Logbuch: 14. April 2008

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Meeresforschung hautnah: vom 11. bis zum 24. Mai im Fahrtleiter-Logbuch, geführt von PD Dr. Matthias Zabel und Dr. Tim Ferdelman. planeterde präsentiert das Fahrtleiter-Logbuch von der 76. METEOR-Expedition in Kooperation mit dem MARUM an der Universität Bremen.

Logbuch METEOR-Expedition M76/1  -  14. April 2008


14. April 2008
Position: 28°13’Süd, 14°26’Ost
5:25 Uhr; leicht bewölkt; Lufttemp. 18.8°C; Wassertemp. 15,8°C;
Mittlerer Wind aus Südsüdost; Seegang 4 m

Die letzten Tage haben wir damit verbracht, das Meersbodenbohrgerät MeBo aufzubauen. So konnten wir - wie geplant - die technischen Funktionen des Geräts am 12. April noch im Hafen testen. Vor allem wollten wir wissen, ob sich alle Motoren des Gerätes vom Kontrollcontainer aus steuern lassen. Bei Problemen hätten wir hier im Hafen noch die landseitige Unterstützung durch Kräne gehabt, um das Gerät zu bewegen oder aber auch benötigte Ersatzteile noch schnell organisieren können. Auf See geht dies alles nicht mehr. Zu unser aller Zufriedenheit und Erleichterung funktionierte jedoch alles einwandfrei.

Am Nachmittag des 12. war dann auch der letzte Wissenschaftler verspätet eingetroffen. Eine Firma hatte das Schiff komplett mit Hunden abgesucht. Dem Auslaufen zum 1. Fahrtabschnitt der 76. Meteor-Expedition stand nichts mehr im Wege. Um 17 Uhr war es dann endlich soweit. Mit herrlichem Blick auf den Tafelberg verließen wir den Hafen von Kapstadt.


Meteor-Log 15. April: Auslaufen in Kapstadt








Tschüss, Kapstadt: METEOR beim Auslaufen. Foto: Volker Diekamp, MARUM, Universität Bremen


Sicher zur See

Wie an den meisten Arbeitsplätzen, so hat auch an Bord eines Forschungsschiffes das Thema Sicherheit oberste Priorität. Egal wie wertvoll Geräte und Proben sein mögen, die Sicherheit aller Fahrtteilnehmer geht immer und in jedem Fall vor. Um alle Wissenschaftler mit den besonderen Regeln des Schiffslebens in diesem Punkt vertraut zu machen und auf mögliche Gefahren hinzuweisen, findet zu Beginn einer jeden Reise eine Sicherheitseinweisung statt. Ein Offizier erklärt dabei neben den allgemeinen Bestimmungen für Arbeiten an Deck und in den Laboren auch die Sicherheitseinrichtungen des Schiffs. Die Meteor verfügt z. B. über zwei Rettungsboote und diverse Rettungsinseln. Einen Fakt lernt jeder schnell: Welchem Rettungsboot er oder sie im Ernstfall zugewiesen ist. Dabei lernt jeder Neuling auch gleich, welche Seite an Bord „steuerbord“ und welche „backbord“ heißt. Steuerbord ist mit Blick in Fahrtrichtung rechts und backbord entsprechend links. Außerdem lernt man die Alarmsignale und Antworten auf Fragen wie: Was tut man im Fall „Feuer an Bord“ oder „Person über Bord“? Welches sind die Notrufnummern? Wo befinden sich die im Notfall automatisch schließende Türen und wasserdichten Schotts?

Mindestens alle zwei Wochen finden zusätzliche Sicherheitsübungen statt, die etwas so ablaufen: Das Generalalarmsignal ertönt. Daraufhin haben sich alle mit Schwimmwesten, langer Kleidung, festem Schuhwerk und Kopfbedeckung an den speziellen Treffpunkten zu sammeln. Ein Mitglied der Besatzung überprüft ob alle vollzählig sind und sich am richtigen Treffpunkt eingefunden haben. Danach üben alle bestimmte Sicherheitsmanöver: Wie zieht man einen Überlebensanzug an oder wie feuere ich eine Signalraketen ab?

Forschung rund um die Uhr

Insgesamt 64 Menschen befinden sich für mehrere Wochen auf einem ca. 97 m langen und 16,6 m breiten Forschungsschiff. Verglichen mit modernen Kreuzfahrtschiffen ist die Meteor ein Zwerg. Trotz der vermeintlichen Enge kommt es aber immer wieder vor, dass man einzelnen Personen erst nach zwei oder drei Wochen das erste Mal über den Weg läuft. Dies ist für Außenstehende kaum vorstellbar. Doch die Arbeitsplätze sind räumlich getrennt – z. B. Brücke und Achterdeck oder Labor und zudem arbeitet insbesondere die Besatzung im Schichtbetrieb. Denn ein Schiff, besonders ein Forschungsschiff muss 24 Stunden am Tag einsatzbereit sein.

Der Tages- und Nachtablauf an Bord wird im Wesentlichen durch zwei Faktoren bestimmt: durch die festen Essenszeiten – hierzu später mehr – und die Arbeit. Die Wissenschaftler legen fest, wo sie untersuchen wollen. Kommt das Schiff an einer so genannten Station an, nehmen sie Proben vom Meerwasser und oder des Meeresbodens und seiner Ablagerungen. Egal ob es gerade 12 Uhr mittags oder kurz nach Mitternacht ist. Für den reibungslosen Ablauf all dieser Vorgänge ist der enge Kontakt und Austausch zwischen Besatzung und Wissenschaftlern notwendig. Diesen  sicherzustellen ist eine Kernaufgabe der wissenschaftlichen Leitung einer Expedition.

Sind die Außenbordarbeiten an einer Station beendet, ist meistens schon die nächste Lokation bestimmt. Nicht selten kommt es vor, dass zwischen den einzelnen Stops nur wenige Stunden vergehen. Dann wird für manchen Wissenschaftler mitunter die Nacht zu einem 24-Stunden Tag. Dies geht natürlich auf Dauer nicht gut. Damit Wissenschaftler und Besatzung die notwendigen Ruhepausen bekommen, wechseln intensive Phasen der Probennahme mit Vermessungsfahrten oder geänderten Arbeitsabläufen.

Auf zur ersten Station

Zurzeit fahren wir zur ersten Beprobungsstation bei 28°Süd und 14,3°Ost. Wie die ersten Einsätze gelaufen sind, erfahren Sie im nächsten Logbucheintrag. In den kommenden Wochen werden auch immer mal wieder verschiedene Wissenschaftler ihre ganz persönlichen Eindrücke dieser Expedition schildern. Seien Sie gespannt. Ich bin es auch. Wie immer im Namen aller Teilnehmer grüßt,

 
Matthias ZAbel






Matthias Zabel



ARCHIV: Archiv METEOR: Fahrtleiter-Logbuch

Hier finden Sie alle Einträge
in das Fahrtleiter-Logbuch
ab dem 11. April 2008.
Autoren:
PD Dr. Matthias Zabel und Dr. Tim Ferdelman




Das Logbuch ist eine Kooperation mit dem Zentrum für marine Umweltwissenschaften MARUM an der Universität Bremen. Zum Fahrtleiter-Logbuch auf den Seiten des MARUM geht es hier.