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POSEIDON-Blog 14. Juni: POSEIDON-Nächte

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

POSEIDON-Nächte können lang werden-ob Abendseminare oder Nachtschichten im Labor. Es berichtet Daniel Rey von der Universität Vigo.

Poseidon-Logbuch P363/3

Vigo - Vigo



Thilo von DobeneckFahrtleiter und Geophysiker, Tilo von Dobeneck führt mit seinem Team im POSEIDON-Logbuch durch die Tage im letzten Fahrtabschnitt dieser Forschungsreise. Am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften MARUM koordiniert er den Forschungsbereich „Sedimentationsprozesse“ und bestimmt an der Universität Bremen die Geschicke in der Abteilung Marine Geophysik.






Autor: Daniel Rey



14. Juni: POSEIDON-Nächte


Forschung: Exklusiverlebnis für Hartgesottene
Die Tatsache, dass jeder Forschungstag mit einem mittelgroßen Forschungsschiff Kosten in Höhe von über 10.000 € pro Tag entstehen lässt, verpflichtet uns dazu, alle verfügbare Zeit zu nutzen und daher auch "nachtaktiv" zu sein. Die Fächersonare laufen rund um die Uhr und produzieren dabei gewaltige Datenmengen, die zeitnah nach der Registrierung korrigiert und montiert werden müssen, damit wir daraus sichere Schlittenprofile entwickeln können. Da fügt es sich gut, dass unsere Studenten Bastian Wichand und Arne Schwab schon an Land den Schlafentzug trainiert haben und selbst nach einer langen Akustiknacht (siehe Bild unten) noch in der Lage sind, ihre Beobachtungen an die Tagesmannschaft weiterzugeben.

poseidon 14. Juni: Studenten Bastian Wichand und Arne Schwab











Haben gut trainiert: Bastian Wiechand und Arne Schwab topfit nach einer langen Nacht im Akustiklabor.


Jede Minute wird genutzt!

Einige nächtliche Arbeiten dienen auch dem Zweck, die verfügbaren Tagesstunden optimal nutzen zu können. Dazu zählen Reparatur- und Wartungsarbeiten und die Erstellung von Einsatzplänen für den Folgetag. Am härtesten hat es Arnes Side Scan Sonar getroffen: Eine Kollision mit dem starken Drahtseil eines Grundnetzes hat das armierte Zugkabel direkt vor der Nase des Sonarfischs beschädigt. Die Fortsetzung des Kabels ins Druckgehäuse hinein ist massiv mit Epoxydharz vergossen und die Reparatur ist daher eigentlich nur vom Hersteller zu bewerkstelligen. Aber Arne präpariert in hartnäckiger tagelanger Arbeit das Gießharz aus dem Gehäuse und bringt den Fisch wieder zum Laufen - Respekt, Respekt.

poseidon 14. juni: Hartnäckige Präparation des Fisches

















Mühsame Kleinstarbeit, die sich lohnt: Dank Arnes hartnäckiger Arbeit, ist das Side Scan Sonar wieder einsatzbereit!


Nächtliche Leidenschaften

Tilo's nächtliche Leidenschaft (und manchmal auch sein Albtraum) ist Planen und Bloggen. Und natürlich auch, über die tagsüber gemessenen Daten nachzudenken. Denn oft entwickeln sich aus überraschenden Beobachtungen neue Ideen, die bereits am nächsten Arbeitstag in die Planung eingehen können (siehe unteres Bild). Denn noch einmal später in dasselbe Arbeitsgebiet zurückkommen zu können, ist eher ungewiss. Also die bestehenden Navigationspläne über den Haufen werfen und neue Varianten durchrechnen … dasselbe übrigens nach jeder Schlechtwetterphase, da Windstärken ab 6-8 den Einsatz von Großgeräten ausschließen.

poseidon 14. Juni: tilo beim Bloggen und Planen des Arbeitstages













Der Chef am Labor-PC: Kreative Ideen nächtlicher Überlegungen gehen sofort in die neue Tagesplanung ein.Denn wer weiß schon, wann man wieder in diese Region zurückkehren wird?


Des Forschers Vortrag

Abends finden auch viele informelle wissenschaftliche Gespräche zwischen den Mitgliedern der von Tag enger zusammenwachsenden "Science Party" statt. Und heute machen wir's mal ganz offiziell und laden in der Messe die Wissenschaft und interessierte Crewmitglieder zu einer Seminarveranstaltung. Die vier umfangreichen Vorträge ranken sich um bisherige Umweltmagnetische Untersuchungen am Galizischen Schelf (Daniel Rey), um die Entstehung, Struktur und Verbreitung von Glaukonit (Belén Rubio), um einen globalen Vergleich verschiedener Schelftypen (Till Hanebuth) und um die Funktion und erste Ergebnisse des GEM Shark (Hendrik Müller). Ein anregender und lehrreicher Abend für die Fahrtteilnehmer; die Crew ist etwas konsterniert angesichts mancher sehr spezieller und zunächst zweckfreier Fragen, mit denen sich Forscher gerne herumschlagen.

Backengreifereinsatz

Ein nicht allseits beliebtes, aber zu Kalibrierungszwecken wichtiges Nachtprogramm sind "Backengreiferprofile". Das vergleichsweise kleine und fixe Beprobungsgerät mit der Optik einer doppelten Baggerschaufel kann auch von der nur 1-2 Matrosen starken Nachtschicht "gefahren" werden. Im 20-Minuten Takt bei verdriftendem Schiff kommt der volle Greifer an Bord und spuckt uns eine Schubkarre voll Sand, Schlamm oder Kies aufs Deck, manchmal auch nur kleine Stein- oder Korallensplitter. Dann weiß man, dass da unten blanker Felsen ansteht.

Und es gibt ein Leben nach der Forschung 

Also nachts wirklich nur Wissenschaft oder Tiefschlaf? Zugegeben, es gibt auch ein Leben neben der Forschung. Hendrik Lantzsch und Angél Mena spielen nach dem täglichen Putzen des Nasslabors gerne mal auf dem abgeräumten Mitteltisch eine Runde Tischtennis (siehe Foto unten). Im Geophysiklabor wird eine Runde Estrella Galicia Bier ausgegeben und ein Seemannsschinken per DVD und Beamer projiziert. Und dann gibt es Berg- und Geburtstagsfeste, die auf See oft lange dauern, weil man danach so praktisch in die Koje fallen kann. Nicht zu vergessen, seine Majestät König Fußball! Die Solidarität aller an Bord vertretenen Nationen - Deutschland, Spanien, Portugal, Belgien und Polen - ist groß; jeder fiebert mit und teilt die Freuden und Sorgen der anderen Landsmannschaften mit ihren Teams.

Viele Grüße von POSEIDON,

Daniel Rey


poseidon 14. Juni: Tischtennis im Nasslabor













Nach dem Kern ist vor dem Kern: Auch an Bord gibt es ein Leben nach der Forschung! Ángel Mena beim Tischtennis-Spiel mit Hendrik Lantzsch.



Weitere Informationen:


Wo ist POSEIDON jetzt?

Zur aktuellen Position des Forschungsschiffes hier.

Mehr über den offiziellen Träger der Fahrt EUROPROX:der European graduate school - proxies in
earth history
unter www.europrox.de.


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