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POSEIDON-Blog 4. Juni: Poseidon grollt

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Seit dem 3. Mai ist das deutsche Forschungsschiff POSEIDON im Rahmen des Internationalen Graduiertenkollegs EUROPROX auf Forschungsexpedition. Über den dritten und letzten Fahrtabschnitts berichtet von Bord Fahrtleiter Tilo von Dobeneck und sein Team.

Poseidon-Logbuch P363/3

Vigo - Vigo



Thilo von DobeneckFahrtleiter und Geophysiker, Tilo von Dobeneck führt mit seinem Team im POSEIDON-Logbuch durch die Tage im letzten Fahrtabschnitt dieser Forschungsreise. Am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften MARUM koordiniert er den Forschungsbereich „Sedimentationsprozesse“ und bestimmt an der Universität Bremen die Geschicke in der Abteilung Marine Geophysik.




Autor: Tilo von Dobeneck




4. Juni: Poseidon grollt


Heute sollte laut Arbeitsplan der große Tag sein, an dem unser GEM Shark erstmals in seinem jungen Leben in ein Schelfmeer abtaucht: Aber der nachts auffrischende, steife, in Böen sogar stürmische Wind, ignoriert die günstigen Wetterprognosen und beschert uns unruhigen Schlaf. Meeresgott Poseidon hat offensichtlich schlechte Laune, und das ihm geweihte Schiff stampft und rollt durch die aufgewühlte schwarze See. Ein erster frühmorgendlicher Blick durchs Bullauge offenbart, dass an Großgeräteeinsatz heute nicht zu denken ist. Schon der unbedachte Einsatz von Messer und Gabel könnte schwerwiegende Folge haben. Aber einen Fahrtleiter ohne Plan und einen Seetag ohne Forschung darf es auf einem Forschungsschiff nicht geben! Also trotz flauen Magens - raus aus der Koje!

 poseidon 4. Juni: Das Sidescan-Sonar













Das Side-Scan-Sonar


Im Trockenlabor treffe ich auf Arne Schwab, der die Nacht am
'Seitensichtsonar' ausgehalten hat, um Hindernisse wie Schiffswracks und ‚basement outcrops' (aus der Sedimentdecke herausragendes Grundgestein) auf den vorgesehenen Schlittenprofilen zu identifizieren. Eine notwendige, aber eher langweilige Aufgabe, denn der küstenparallele 'mud belt', dem unser Interesse gilt, ist eine strukturlose, ebene Schlammwüste.

Ein 'side scan sonar'  (siehe oberes Bild) ist ein am Kabel
über den Meeresboden geschleppter 'Fisch mit Richtlautsprechern', der Kontraste in der Schallrückstreuung des Meeresbodens registriert und diese als Grauschattierungen auf Thermopapier abbildet. Verschiedene Grautöne weisen auf Rauhigkeits-, Festigkeits- oder Neigungsunterschiede hin. Auf dem Schlammgürtel fehlen solche Kontraste generell und daher produziert Arne an manchen Arbeitstagen nichts als einheitlich mausgraue, viele Zehnermeter lange Thermopapiertapeten (Thermorollen). Dann freuen sich die Elektromagnetiker, denn ihr Schlitten kann sich hier ungefährdet bewegen.


poseidon 4. Juni: ThermorolleDoch heute Nacht war's anders: Am westlichen Rand von Arnes 'Matratze' (so nennt man in der Geophysik ein Netz aus parallelen Messprofilen), nahe der Schelfkante, wirkt der Meeresboden stark zerklüftet. Harte, steil stehende Sedimentschichten aus der Kreidezeit ragen hier als Zacken und Grate aus der Sedimentdecke heraus. Die Bodenströmung muss sich zwischen diesen untermeerischen Klippen hindurchwinden und schafft dabei Bereiche starker und schwacher Strömung. poseidon 4. Juni: Abbildung des SonarDaraus resultieren interessante Verteilungsmuster der Sedimente, die Rückschlüsse auf die Strömungsrichtungen erlauben. Und der seefeste Arne  bekommt an diesem Schaukeltag die Erlaubnis, in einer 16-stündigen Detailvermessung das Potential des 'side scan sonar' mal so richtig auszureizen … während der Rest der Wissenschaft eine ruhige Kugel schiebt.

Beste Grüsse

Tilo von Dobeneck



poseidon 4. Juni: Arne Schwab nach Sonarschichtr














Arne Schwab freut sich sichtlich auf seine 16-Stundenschicht mit dem Side-Scan-Sonar.



Weitere Informationen:


Wo ist POSEIDON jetzt?

Zur aktuellen Position des Forschungsschiffes hier.

Mehr über den offiziellen Träger der Fahrt EUROPROX:der European graduate school - proxies in
earth history
unter www.europrox.de.


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