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Eine Frage der letzten Meile: Wie die Tsunami-Warnung ihre Adressaten erreicht

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 17.11.2016 13:34 — abgelaufen

Der verheerende Tsunami von Weihnachten 2004 hat es der Welt erneut drastisch vor Augen geführt, wie gefährdet die moderne Zivilisation gegenüber solchen Flutwellen ist. Schließlich entwickeln sich immer mehr Küstenregionen zu Ballungszentren und sind entsprechend diesen Flutrisiken ausgesetzt. Nachdem es im Pazifischen Ozean schon lange ein Frühwarnsystem existiert, wird es jetzt für den Indischen Ozean eingerichtet. Neben der technischen Infrastruktur steht die so genannte letzte Meile im Fokus: Wie gelangt die Warnung schnell und zuverlässig an die Menschen vor Ort.

Das Frühwarnsystem für Indonesien ist mit deutscher Unterstützung im Aufbau, ab Ende 2008 soll es die gefährdeten Küstenregionen der tektonisch aktiven Gegend vor herannahenden Wellen warnen. Der Aufbau der seismischen Stationen an Land geht voran, ebenso wie der der GPS- und Küstenpegelstationen. Die Tests der Ozeanbodensensoren und der GPS-Bojen im Indischen Ozean ist i m Gange. Parallel dazu laufen die Bemühungen um das andere Ende der Warnkette auf Hochtouren: Die Informationen müssen schnell und zuverlässig zu den Menschen vor Ort transportiert werden. In drei Modellregionen ist die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im so genannten Capacity Building aktiv.

Eine dieser Regionen ist Padang in Zentralsumatra, die zuletzt im März 2005 von einem Erdbeben heimgesucht wurde. Damals blieb der befürchtete Tsunami aus. Doch die Gefahr ist nicht zu unterschätzen. "Padang ist eine Millionenstadt und liegt gerade einmal auf Meeresniveau", erklärt Dr. Alexander Rudloff vom Projektmanagement des Frühwarnsystems am GeoForschungsZentrum (GFZ) Potsdam. Die zweite Region ist der Touristenort Sanur im Süden der Insel Bali, in dem die GTZ seit Oktober aktiv ist. Die dritte wird ein noch zu bestimmendes ländliches Gebiet auf der indonesischen Hauptinsel Java, wo die GTZ zu Beginn des kommenden Jahres mit der Arbeit beginnen will.

Bojen sind Bestandteil des Tsunami-Frühwarnsystems. Foto: GFZ Potsdam

Zusammen mit einheimischen Partnern wollen die Deutschen beispielhaft dafür sorgen, dass die Warnmeldungen die Adressaten vor Ort auch erreichen und man dort entsprechend vorbereitet ist. "Es werden demnächst in einigen Regionen Sirenen installiert. Warnungen sollen zudem über Fernsehen und Radio verbreitet werden", erklärt Harald Spahn, der GTZ-Mitarbeiter vor Ort. Kernstücke des Projektes sind daneben die Aufstellung von Notfallplänen, Verhaltenstraining für Multiplikatoren wie etwa Lehrer oder Schüler und Evakuierungsübungen. "Wir können allerdings in den Pilotregionen schon auf bereits bestehende Initiativen aufbauen", erklärt Spahn. Diese lokalen Initiativen müssen zuverlässig in das entstehende Frühwarnsystem eingebunden werden. Das gleiche gilt für die anderen Akteure vor Ort, wie Hilfsorganisationen oder Ordnungskräfte.

Ein weiteres Projekt mit deutscher Unterstützung kümmert sich um die reibungslose Übermittlung der Warnungen von den Meldezentralen in die betroffenen Ortschaften. Das RDS (Radio Data System) benutzt die Ultrakurzwelle des Radios als Träger, um Daten an entsprechend ausgerüstete Empfängergeräte zu versenden. Hierzulande wird RDS genutzt, um zum Beispiel die Senderkennung des Lieblingssenders zu transportieren, damit das Autoradio während der Fahrt durchgehend die Station empfängt, obwohl die Sendefrequenzen sich ändern. Eine andere Nutzungsmöglichkeit ist die codierte Übertragung von Staumeldungen an das Navigationssystem, die dieses dann automatisch in seine Empfehlungen einarbeitet.

Analog soll auch die RDS-gestützte Tsunamiwarnung arbeiten. Die Flensburger Firma 2WCom hat die Empfangsgeräte entwickelt und kooperiert für den Pilotversuch in Indonesien mit dem dortigen Forschungsministerium. "Mit dieser Technologie schließen wir eine Lücke und können sicherstellen, dass die Warnung unmittelbar an die betroffenen Menschen weitergeleitet werden kann", sagte der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung Professor Frieder Meyer-Krahmer anlässlich der Vorstellung des Projektes auf Bali. Die RDS-Empfänger sind dabei nur ein Kanal, über den die Meldungen vor Ort gelangen, alternative Wege und Technologien sollen ebenfalls erprobt werden. Die letztendliche Entscheidung, so heißt es im deutschen Forschungsministerium, liege ohnehin bei den zuständigen indonesischen Behörden, da Katastrophenwarnung eine hoheitliche Aufgabe sei. Bei den anwesenden Hoteliers auf Bali stießen die RDS-Empfänger jedoch schon auf große Zustimmung.