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TERRAMARE-Wissenschaftler suchen Spuren auf Sumatra

erstellt von Riexinger zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Ende des Monats brechen zwei Wissenschaftler des Wilhelmshavener Forschungszentrums TERRAMARE nach Sumatra auf. Prof. Dr. Gerd Liebezeit und sein Mitarbeiter Ralf Wöstmann arbeiten mit ihrem Teilprojekt im Rahmen eines indonesisch-deutschen Kooperationsprojektes, das sich mit den wissenschaftlichen, sozialen und ökonomischen Problemen indonesischer Küstengewässer befaßt.

Das in mehrere Ebenen untergliederte Gesamtvorhaben wird von deutscher Seite vom Bundesforschungsministerium (bmb+f), dem Projektträger Jülich (PTJ) und dem DAAD gefördert. Indonesische Unterstützung erhält das Projekt vom Ministerium für Marine Angelegenheiten und Fischerei (DKP), dem Ministerium für Forschung und Technologie (RISTEK) sowie dem Generaldirektorat für Hochschulbildung (DIKTI).


(c) Forschungszentrum TERRAMARE

Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Gesamtprojektes werden unter anderem Entscheidungshilfen bieten für einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen im indonesischen Küstengebiet. Die Küstenzone steht unter dem enormen Druck eines rapiden sozialen und wirtschaftlichen Wandels.

Liebezeit und Wöstmann werden für ihr Teilprojekt mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums am und um den Siak-Fluß in der Provinz Riau auf Sumatra arbeiten. Ihr Augenmerk wird Kohlenstoffverbindungen - sogenannten organischen Verbindungen - natürlichen Ursprungs gelten. Die speziellen organischen Stoffe, denen sich die beiden TERRAMARE-Forscher widmen werden, sollen in den Küstengewässern um die Mündung des Siak Rückschlüsse auf ihre ursprüngliche Herkunft erlauben. Ähnlich Kriminalisten, die etwa anhand von Fingerabdrücken, Haaren oder Hautschuppen am Tatort den Urheber eines Verbrechens überführen wollen, suchen die Wilhelmshavener Wissenschaftler nach typischen organischen Substanzen, die es den Forschern aufgrund besonderer Stabilität oder einer speziellen Abbaucharakteristik erlauben, Aussagen über deren Herkunft von Land oder aus dem Wasser, im Einzelfall sogar von einem exakten Standort, zu treffen.

Aus Erfahrung wissen die Forscher, daß für derartige Untersuchungen besondere Verbindungsklassen in Frage kommen. Dies sind etwa verschieden lange unverzweigte Ketten von Kohlenstoffatomen, die - mit Wasserstoff abgesättigt - als n-Alkane bezeichnet werden. Darüber hinaus werden aber auch etwa Fettsäuren, Terpenoide und Steroide untersucht. Letztere sind spezielle Kohlenwasserstoffmehrfachringe, die in Pflanze und Tier auch als Hormongrundgerüste vorkommen. Aus Verbindungsklassen wie diesen gilt es nun, spezielle Vertreter ausfindig zu machen, die gleichsam als Fingerabdruck etwa für ein bestimmte Pflanze gelten können. Dieser Aufgabe widmen sich die TERRAMARE-Wissenschaftler vorerst bis zum 10. Oktober.

Professor Liebezeit war bereits Anfang des Jahres auf Sumatra, um mit deutschen und indonesi-schen Kollegen und Studenten die logistischen und wissenschaftlichen Voraussetzungen für die jetzt stattfindende Feldkampagne zu schaffen. Inzwischen hat er den jungen Marinen Umweltwissenschaftler Ralf Wöstmann buchstäblich ins Boot geholt. Der hat als Doktorand im Institut für Biologie und Chemie des Meeres (ICBM) neue Methoden entwickelt, Pflanzen auf der Basis ihrer molekularen Spuren im Watt zu identifizieren. Dabei interessierte er sich zunächst vor allem für fossiles Pflanzenmaterial der letzten 2000 bis 8000 Jahre. Am ICBM, Mitglied im TERRAMARE-Kooperationsverbund über die Universität Oldenburg, lernten sich Liebezeit und Wöstmann kennen und es zeigte sich, daß Wöstmann aufgrund seiner methodischen Kenntnisse eine ideale Ergänzung für das Projekt ist. Auch in anderer Hinsicht komplettiert er Arbeiten am Forschungszentrum TERRAMARE: Seine wissenschaftliche Ausrichtung kann sich als hilfreich auch für Forschungsarbeiten von PD Dr.Holger Freund erweisen. Freund, der sich wissenschaftlich überwiegend mit der Veränderung natürlicher Ökosysteme während der jüngeren Erdgeschichte auseinandersetzt, ist seit März neuer Leiter der ICBM-Meeresstation. Die Station ist auf der Basis einer Kooperation mit der Universität Oldenburg im Forschungszentrum TERRAMARE angesiedelt. Diese organisatorischen Zusammenhänge unterstreichen einmal mehr die wichtige Funktion, die das Forschungszentrum als Dachinstitution zur weiteren Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten in der Küsten- und Meeresumweltforschung im Land Niedersachsen hat.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Pressemitteilung des Forschungszentrums TERRAMARE, 20.09.2004