Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Vermischtes Presse Zwei Jahre nach der Elbe- und der Weisseritzflut - Forschung und Praxis entwickeln neue Konzepte

Zwei Jahre nach der Elbe- und der Weisseritzflut - Forschung und Praxis entwickeln neue Konzepte

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Die Stauflut der Elbe und die Sturzflut der Weisseritz von 2002 zeigten die Dringlichkeit einer umfassenden und differenzierten Analyse und Vorsorge bei verschiedenen Arten von Hochwassern. Eine Vielzahl von Vorhaben muessen mit einem abgestimmten, interkommunalen und sektoruebergreifenden Handeln koordiniert werden. Zwei Vorhaben unter Beteiligung des Leibniz-Instituts fuer oekologische Raumentwicklung verdeutlichen die Herausforderungen eines umfassenden Planungsansatzes fuer die Weisseritz und Dresden: Weisseritz Regio und LUDA.

Der Nebenfluss Weisseritz verursachte mit seiner Flutwelle vom 12. und 13.08.2002 erhebliche Schaeden im Weisseritztal und in Dresden. Erinnert sei an die spektakulaere Ueberflutung des Dresdner Hauptbahnhofs. Die Elbeflut als Stauflut bewegte grosse Wassermassen relativ langsam - das Hochwasser dauerte auf der Alarmstufe 2 (ab 5 m Pegelstand) 10 Tage. Der Hoechstwert lag bei 9,40 m am 17.08.2004. Demgegenueber produzierte der Elbnebenfluss Weisseritz eine riesige Sturzflut. Bei einer Sturzflut gelangen die Wassermassen mit grosser Wucht innerhalb kurzer Zeit talabwaerts ins Flussgebiet. In der Stadt Freital - nahe Dresden - verachtfachten sich die Wassermassen vom 12.08.04 zum 13.08.2002 und nahmen innerhalb eines Tages genauso schnell wieder ab.


(c) Institut für ökologische Raumentwicklung e.V.

Die Dringlichkeit einer umfassenden und differenzierten Analyse und Vorsorge bei verschiedenen Arten von Hochwassern wurde ueberdeutlich. Eine umfassende Analyse erstreckt sich von

  1. der Entstehung des Hochwassers (z. B. Niederschlag) ueber
  2. dessen Abfluss (z. B. Schleppkraft, Ausuferungsbreite) bis hin zu den
  3. Schadenswirkungen - vor allem auf die Bevoelkerung und ihre Siedlungen (z. B. Wohnhaeuser).

Ein modernes Flusseinzugsgebietsmanagement muss deshalb sowohl im Oberlauf als auch im Unterlauf ansetzen und eine Vielzahl von Vorhaben integrieren. Dafuer ist ein abgestimmtes Handeln - interkommunal und sektoruebergreifend notwendig. Zwei Vorhaben unter Beteiligung des Leibniz-Instituts fuer oekologische Raumentwicklung verdeutlichen die Herausforderungen eines umfassenden Planungsansatzes. Die Initiative "Regionale Hochwasservorsorge im Einzugsgebiet der Weisseritz(Weisseritz-Regio) betrachtet das gesamte Flussgebiet mit einer Vielzahl von Akteuren.

Demgegenueber betrachtet das Stadtteilentwicklungsvorhaben "LUDA" am Unterlauf den Hochwasserschutz als einen Bereich innerhalb einem lokalen staedtebaulichen Rahmenplan fuer den Bereich Dresden-Weisseritz.

Das Leibniz-Institut fuer oekologische Raumentwicklung engagiert sich im Dresden Flood Research Center, welches nach der Flut am 19.12.2002 gegruendet wurde.

Das D-FRC hat fuer das gesamte Einzugsgebiet der Elbe wichtige Vorhaben fuer einen verbesserten Umgang mit dem Hochwasserrisiko gestartet, z. B. FLOODsite, das bisher groesste von der EU-Kommission gefoerderte Forschungsvorhaben zu Hochwasser. Die Flutkatastrophe hat somit zu neuen und modellhaften Projekten gefuehrt, die auch fuer andere Regionen in Europa von Bedeutung sind.

"Um zukuenftig dem Hochwasserrisiko besser begegnen zu koennen, sind weiterhin gemeinsame Anstrengungen aus Forschung und Praxis notwendig. Dazu muss das Bewusstsein fuer das Risiko erneuerter Stau- und Sturzfluten wach gehalten und entsprechende Mittel fuer Forschung und Praxis langfristig bereitgestellt werden", so Prof. Bernhard Mueller, Direktor des IOeR und Gruendungsvorsitzender des D-FRC.

Die regionale Initiative "Weisseritz-Regio":

Der Saechsische Landtag und die zustaendigen Ministerien sowie die Landeshauptstadt Dresden haben nach der Flutkatastrophe 2002 die Rahmenbedingungen fuer ein umfassendes Hochwasserrisikomanagement geschaffen und zahlreiche Massnahmen zur Schadensbeseitigung und zum Wiederaufbau realisiert. Aufbauend auf diesen Leistungen wird zukuenftig die Bedeutung der Hochwasservorsorge zunehmen.

Flussgebiete stimmen in der Regel nicht mit raeumlichen Verwaltungseinheiten ueberein. So verfuegen im Flussgebiet der Weisseritz der Landkreis, die Landeshauptstadt Dresden, 14 weitere Kommunen, die Regionalplanung, die drei Forstaemter Altenberg, Baerenfels und Tharandt, die Landestalsperrenverwaltung und viele weitere Akteure ueber Kompetenzen. Um die Zusammenarbeit dieser Institutionen zu verbessern, wurde als Reaktion auf die Sturzflut der Weisseritz die Initiative "Regionale Hochwasservorsorge im Einzugsgebiet der Weisseritz (Weisseritz-Regio)" gegruendet - mit tatkraeftiger Unterstuetzung des Leibniz-Instituts fuer oekologische Raumentwicklung.

Damit knuepft das IOeR an sein 7-Punkte-Programm zur Verbesserung der Hochwasservorsorge vom August 2002 an, in dem sieben grundlegende Forderungen zur Verbesserung der Hochwasservorsorge formuliert wurden.

Die regionale Initiative beschaeftigt sich mit den Moeglichkeiten einer vorsorgenden Reduzierung der Risiken durch Sturzfluten im Weisseritzgebiet. Vorsorge wird dabei als langfristiger gemeinsamer Lernprozess aller Akteure im Flussgebiet verstanden. Ein kooperatives Hochwasserrisikomanagement bezieht deshalb Kommunen, Regionalplanung sowie das Land und seine Fachbehoerden und natuerlich auch die Buergerinnen und Buerger in die Betrachtung ein. Insbesondere Sturzfluten erfordern ein schnelles und harmonisches Ineinandergreifen der Aktivitaeten dieser Akteure. Gegenwaertig werden die konkreten Handlungsziele formuliert, die durch die Zusammenarbeit realisiert werden sollen.

Zurzeit wird eine Broschuere fuer die Buerger im Weisseritzgebiet erstellt, die grundlegend u. a. ueber Moeglichkeiten der Vorsorge beim Bau von Wohnhaeusern und ueber das Verhalten im Hochwasserfall informiert. Ein Umweltinformationssystem wird zukuenftig z. B. die Schadenspotenziale in den Ueberschwemmungsgebieten abbilden.

Stadtteilentwicklungsprojekt Weisseritz und "LUDA":

Kurz vor der Muendung fliesst die Weisseritz durch die Stadt Dresden und quert das 300 ha grosse Gebiet des Stadtteilentwicklungsprojektes Weisseritz. Auf begrenztem Raum muessen hier Loesungen fuer ein Nebeneinander von Verkehrs- und Erholungs-, Gewerbe- und Wohnfunktionen gefunden werden. Dabei gilt das Gebiet bei Bewohnern und unter Stadtplanern als weitraeumig in der technischen, sozialen und kulturellen Infrastruktur benachteiligt, gepaart mit funktionalen und baulichen Maengeln und einer tw. schwierigen sozialen Lage. Der staedtebauliche Rahmenplan fuer Dresden-Weisseritz dient als Grundlage fuer das Stadtteilentwicklungsprojekt, welches mit insgesamt 22,4 Mio. Euro aus dem Europaeischen Fonds fuer Regionale Entwicklung gefoerdert wird. Im Zentrum des Rahmenplans steht der "Gruenzug Weisseritz", der in enger Verbindung mit der Hochwasservorsorge steht und in den allein 2 Mio. Euro der Foerdermittel investiert werden sollen.

Dabei ist es notwendig, fuer den Hochwasserschutz klare Ziele zu formulieren, damit die Stadtplanung daraus Massnahmen ableiten kann. Schwierigkeiten bereiten auch konkurrierende Ansprueche und Unklarheiten, wie mit der Hochwasservorsorge umgegangen werden sollte, bspw. bei der Planung des Gruenzugs und der Auswirkung von Sperrwerken.

Seit Februar 2003 laeuft unter Federfuehrung des IOeR ein neues internationales Forschungsprojekt zum Thema Stadtentwicklung, welches auch das Dresdner Weisseritzgebiet betrifft. Es traegt den Titel LUDA - Improving the Quality of Life in Large Urban Distressed Areas (Verbesserung der Lebensqualitaet in grossen staedtischen Problemgebieten). Das Projekt LUDA hat zum Ziel, Methoden und Instrumente zu entwickeln, die die Stadtverwaltungen als Entscheidungshilfen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung nutzen koennen.

Das Zusammentreffen von Arealgroesse, Problemkomplexitaet und Entwicklungsunsicherheiten steht - so die Erfahrungen aus anderen europaeischen Staedten - einer vorausschauenden, strategisch orientierten Stadtplanung entgegen. Gleichzeitig besteht politischer Druck, die Lebensbedingungen zu verbessern. Die zentrale Frage dabei ist, wie ein Prozess der Sanierung bzw. der qualitativen und quantitativen Aufwertung solcher grossen Problemgebiete eingeleitet werden kann, der bereits fruehzeitig sowohl oekologische als auch soziale und wirtschaftliche Aspekte beruecksichtigt. In Dresden spielt zusaetzlich die Frage der Verminderung des Hochwasserrisikos eine wichtige Rolle. Der Planung faellt in diesem Stadtentwicklungsprozess dabei verstaerkt eine moderierende Rolle bei der Abwaegung von verschiedenen Interessen zu.

Das Forschungsprojekt LUDA wird von der Europaeischen Kommission innerhalb des 5. Rahmen-programms unter der Leitaktion "Stadt von morgen und kulturelles Erbe" gefoerdert. Es hat eine Laufzeit von drei Jahren und ein Gesamtvolumen von knapp 2,5 Mio. Euro.

Weitere Informationen zu der Initiative "Weisseritz-Regio" finden Sie hier.

Naehere Informationen zu dem Projekt "LUDA" erhalten Sie hier.

Pressemitteilung des Leibniz-Instituts fuer oekologische Raumentwicklung e. V., 12.08.2004