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Mit Hightech zum geothermischen Strom

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

In Offenbach a. d. Queich ist es soweit. Noch in diesem Jahr kann mit dem Bau eines Erdwaermekraftwerks begonnen werden. Seine Energiequelle ist rund 150°C heisses Wasser aus einer Tiefe von etwa 2800 Metern. Der Standort liegt im Oberrheingraben und damit in der geologisch "heissesten Zone" Deutschlands. Hier werden Temperaturgradienten von ueber 50°C pro 1000 Meter erreicht. Die im nahen Karlsruhe ansaessige HotRock GmbH hat hier die Errichtung eines Fuenf-Megawatt-Kraftwerks projektiert. Dies entspricht dem Strombedarf von etwa 20.000 Haushalten. Ein Kohlekraftwerk gleicher Leistung wuerde rund 23.000 Tonnen CO2 im Jahr ausstossen.

Die in geologisch aktiven Regionen der Erde wie Island, Italien oder Mexiko schon heute zur Energieerzeugung genutzte Erdwaerme besitzt auch in Deutschland ein Potenzial. Erdwaerme erlaubt eine emissionsfreie Energiegewinnung und steht unabhaengig von Witterung und Tageszeit zur Verfuegung. Damit koennen geothermische Kraftwerke auch im kontinuierlichen Grundlastbetrieb laufen. Durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), das fuer diese Kraftwerksgroesse eine garantierte Verguetung von bis zu 15 Cent pro Kilowattstunde vorsieht, wird diese Energiequelle auch wirtschaftlich attraktiv.

Parallel zur ersten Foerderbohrung erfolgt die Planung des obertaegigen Kraftwerksteils. Diesen Part uebernimmt der Siemens-Bereich Industrial Solutions and Services (I&S;) im Auftrag der HotRock Erdwaermekraftwerk GmbH & Co. Objekt-KG. Als Herzstueck der Stromerzeugung wird eine Kalina-Turbine zum Einsatz kommen. Mit dem vom russischen Ingenieur Alexander Kalina entwickelten System laesst sich Waerme mit einem gegenueber herkoemmlichen Anlagen hoeheren Wirkungsgrad in elektrische Energie umwandeln. Dabei kommt ein binaeres Arbeitsmedium aus Wasser und Ammoniak zum Einsatz. Gegenueber reinen Medien mit konstantem Siedepunkt wie Wasser oder Pentan siedet dieses Gemisch bei vorgegebenem Druck ueber einen grossen Temperaturbereich. Pentan wird in ORC-Turbinen eingesetzt, die ebenfalls im Bereich von Temperaturen ab etwa 100°C Strom erzeugen koennen.


(c) Siemens AG

"Wir haben uns fuer eine Anlage nach dem Kalina-Prinzip entschieden, weil dieses Verfahren einen hoeheren Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Waerme in elektrischen Strom aufweist. Dies verbessert die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks deutlich", erklaerte Dr. Horst Kreuter, Geschaeftsfuehrer der HotRock GmbH. "Siemens hat uns bereits bei der Projektentwicklung intensiv unterstuetzt. Wir sind zuversichtlich, dass Siemens und HotRock auch die naechsten Phasen des Projekts partnerschaftlich und erfolgreich umsetzen werden. Deshalb haben wir den Planungsauftrag schon vor Beginn der Foerderbohrungen erteilt. Dadurch koennen wir den Zeitraum bis zum Baubeginn so kurz wie moeglich halten". Das parallele Vorgehen von Bohrarbeiten und Kraftwerksplanung ermoeglicht eine zuegigere Fertigung terminfuehrender Komponenten und damit einen frueheren Baubeginn der Anlage. Der Auftrag hat ein Volumen von rund 600.000 EUR.

Siemens uebernimmt die komplette Planung fuer die oberirdischen Anlagenteile des Kraftwerks. Dazu gehoeren der Verdampfer-Kondensator-Kreislauf, die Dampfturbine mit Generator und der Kuehlkreislauf ebenso wie die gesamte Automatisierungs- und Leittechnik. Im Planungsauftrag enthalten ist auch eine Vorbestellung terminkritischer Komponenten des Turbosatzes.

Planung und Foerderbohrung sollen im Dezember 2004 abgeschlossen sein. Das Offenbacher Erdwaermekraftwerk wird mit einer projektierten Leistung von fuenf Megawatt das derzeit groesste in Deutschland sein.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden sie hier und hier.

Pressemitteilung der Geothermischen Vereinigung e.V., 20.08.2004