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Klimabohrung am Nordpol auf Rekordkurs

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Seit gut einer Woche operieren drei starke Eisbrecher etwa 225 Kilometer vom Nordpol entfernt. Das Ziel: die 500 Meter maechtigen Ablagerungen am Grund des Arktischen Ozeans zu durchbohren, um so erstmals das Auf und Ab der Klimageschichte im Hohen Norden nachzuzeichnen. Inzwischen ist eine Bohrtiefe von mehr als 250 Metern erreicht. Das Alter der Sedimente in dieser Rekordtiefe wird auf etwa 40 Millionen Jahre geschaetzt. Grosse Treibeisschollen, z.T. besetzt mit meterdicken Packeisruecken, bereiten der internationalen Bohrmannschaft immer wieder Probleme.

Gestern Abend liefen die ersten Erfolgsmeldungen vom Nordpol ein: Seit Beginn der Bohrungen am Freitag vergangener Woche ist das Bohrgeraet in mehr als 250 Meter Tiefe vorgedrungen. Expeditionsleiter Prof. Jan Backman schaetzt das Alter dieser aeltesten jemals in der Arktis erbohrten Sedimente auf etwa 40 Millionen Jahre. "Bislang standen uns nur wenige Meter Meeresablagerungen aus der Nordpolarregion zur Verfuegung", sagt der an der Universitaet Stockholm taetige Geowissenschaftler. "Das Material, das wir jetzt erbohrt haben, erzaehlt uns die Geschichte eines eisfreien, im Vergleich zu heute deutlich waermeren Arktischen Ozeans." Backman, der das Projekt ueber lange Jahre vorantrieb, zeigt sich begeistert: "Als Klima- und Umweltarchiv sind die Ablagerungen einzigartig! Die Sedimente werden uns helfen, die Klimageschichte unseres Planeten besser zu verstehen, denn im globalen Klimapuzzle spielt die Arktis eine wichtige Rolle."

Dabei sah es zunaechst gar nicht gut fuer die Expedition aus: An der Bohrstelle ist das Meer zu 90 bis 100 Prozent mit z.T. maechtigen, driftenden Eisschollen bedeckt. Sie verhinderten zunaechst, dass das Bohrschiff "Vidar Viking" sich ueber der ins Auge gefassten Bohrstelle festsetzen konnte. Eine feste Bohrposition ist aber notwendig, damit das Bohrgestaenge nicht abbricht. Fuer den Schutz des Bohrschiffs sorgen zwei weitere PS-starke Eisbrecher, die schwedische "Oden" und die russiche "Sowetskiy Sojus". Auch in der aktuellen Expeditionsphase muss die Bohrung treibeisbedingt immer wieder fuer Stunden unterbrochen werden.


(c) Forschungszentrum Ozeanraender

Hinzu kamen in der vorigen Woche technische Probleme am Bohrgeraet, die zunaechst mit Bordmitteln behoben werden konnten. Gestern wurde indes zur Sicherheit ein Herkules-Transportflugzeug der schwedischen Armee in Marsch gesetzt. Bei marginalen Sichtbedingungen gelang den Piloten das Kunststueck, aus nur 130 Metern Hoehe drei Packete von insgesamt 750 Kilogramm Gewicht abzuwerfen (siehe Fotos). Sie enthielten die angeforderten Ersatzteile fuer das Bohrgeraet, aber - zur Freude der Koeche auf den Eisbrechern - auch etliche Kilo frischer Tomaten, Salat und Vollmilch, die fuer die Kuechenbesatzung am Nordpol sicher fast so wertvoll sind wie die bislang erbohrten Sedimente fuer die Wissenschaftler.

Fuer das Expeditionsteam um Backman & Co. wird der Besuch der Herkules vorerst das einzige Lebenszeichen aus der Zivilisation bleiben. Geplant ist, die Bohrungen am Pol bis in den September hinein fortzusetzen. Die Expedition, die im Rahmen des Integrated Ocean Drilling Program (IODP) vom British Geological Survey, der Universitaet Bremen sowie dem Schwedischen Polarforschungssekretariat durchgefuehrt wird, soll am 15. September in nordnorwegischen Tromsooe zu Ende gehen. Intensiv untersucht und ausgewertet werden die Sedimentkerne ab Anfang November durch ein internationales Wissenschaftlerteam an der Universitaet Bremen.

Pressemitteilung des Forschungszentrums Ozeanraender, 24.08.2004