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Vorgaenge an Kontinentalraendern untersucht

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Zur Erforschung geologischer Prozesse an Kontinentalraendern wurde Kieler Geowissenschaftlern erneut ein vierjaehriges Grossforschungsprogramm bewilligt. Dabei handelt es sich um die zweite Phase des sogenannten Sonderforschungsbereichs (SFB) 574, der vom 1.07.2004 bis zum 30.06.2008 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 5,783 Mio. Euro unterstuetzt wird. Der SFB, ein Forschungsverbund von Wissenschaftlern des Instituts fuer Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universitaet und des Leibniz-Instituts fuer Meereswissenschaften, wurde 2001 von der DFG neu eingerichtet und zunaechst mit 4,9 Mio. Euro ausgestattet. Mit den nun bewilligten Mitteln koennen 25 Wissenschaftler und Techniker weiterbeschaeftigt bzw. neu eingestellt werden. In den beteiligten Instituten sind weitere 30 Wissenschaftlern und 15 Techniker mit den Themen befasst. Durch die in den ersten drei Jahren erzielten Forschungsergebnisse konnte sich der SFB mit seinem Fortsetzungsantrag gegenueber starker Konkurrenz im Auswahlverfahren behaupten. Der Sprecher des Sonderforschungsbereiches ist Professor Timothy J. Reston (stellvertretender Leiter des Lehrstuhls Marine Geodynamik am Leibniz-Institut). Er loest in der Sprecherfunktion Professor Erwin Suess ab, der das Amt bisher innehatte.

Der SFB mit dem Titel "Volatile und Fluide in Subduktionszonen: Klima-Rueckkopplungen und Ausloesemechanismen von Naturkatastrophen" untersucht die geologischen Prozesse an den Nahtstellen der Erde - dort wo sich die ozeanischen unter die kontinentalen Platten schieben (Subduktion). In diesen Subduktionszonen entstehen nicht nur die staerksten Erdbeben und Vulkanausbrueche, sondern dort werden auch chemische Elemente, insbesondere fluechtige Stoffe (Volatile und Fluide), zwischen Erdinnerem, Meeresboden, Meerwasser und Atmosphaere besonders intensiv ausgetauscht. Der Elementaustausch ist ein wichtiger Regelfaktor fuer das globale Klima. Diesen zu quantifizieren und in eine globale Bilanz einfliessen zu lassen, ist das langfristige Ziel des SFB 574. Zugleich haengen Veraenderungen innerhalb dieses Stoffaustausches eng mit der Entstehung von Naturgefahren zusammen. Diese werden deshalb ebenfalls im Sinne der fruehzeitigen Erkennung, Abschaetzung und Vermeidung von Naturkatastrophen betrachtet.

Mit geologischen, geophysikalischen, mineralogischen und geochemischen Methoden bei Arbeiten an Land und Ausfahrten mit Forschungsschiffen auf See wollen die Wissenschaftler des SFB die Aufnahme und Freisetzung fluechtiger Stoffe - wie Kohlendioxid, Methan, Schwefeldioxid und andere - und die damit verbundene Ausloesung von Erdbeben und Vulkaneruptionen untersuchen. Anhand der in den ersten drei Jahren am Fallbeispiel Mittelamerika gewonnenen Ergebnisse konnten bereits erstmals die Fliessraten zahlreicher Stoffe in verschiedenen Bereichen der Subduktionszone bestimmt werden. Kuenftig sollen diese Untersuchungen auch auf Suedamerika ausgedehnt werden, um zuletzt eine solide Grundlage fuer eine globale Bestimmung des Elementaustauschs und seinen Einfluss auf das Klima zu erreichen.

Im Herbst dieses Jahres werden eine Reihe von Gelaendearbeiten in Mittelamerika durchgefuehrt. Im naechsten Jahr ist eine 90-taegige Expedition mit FS METEOR auf die pazifische Seite Mittelamerikas geplant. Weitere Gelaendearbeiten und Fahrten mit Forschungsschiffen sind geplant. Eine nochmalige Verlaengerung der Arbeiten des SFBs fuer die Jahre 2008 bis 2012 ist moeglich, wenn die in den naechsten Jahren erzielten Ergebnisse die Gutachter wiederum ueberzeugen koennen.

Kontakt:
Prof. Dr. Thimothy J. Reston
Telefon: 0431/600-2273, -1413

sschenck@ifm-geomar.de