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Mit dem Forschungseisbrecher in den "Hausgarten"

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Der deutsche Forschungseisbrecher "Polarstern" startet am 16. Juni 2004 von Bremerhaven aus zu seiner 20. Arktisexpedition.

Im Mittelpunkt des ersten Fahrtabschnittes stehen Messungen ausgewaehlter Schadstoffe in Luft, Wasser und Schnee sowie die hydrografischen Verhaeltnisse der Groenlandsee. Von grossem Interesse sind auch die Entwicklungen im AWI-Hausgarten, einer Langzeit-Forschungsstation in der arktischen Tiefsee.

Die Tiefsee ist der groesste, gleichzeitig aber am wenigsten bekannte Lebensraum der Erde. Bis heute sind viele Prozesse in der Tiefsee und deren Auswirkungen auf das globale Klima- und Oekosystem nicht ausreichend geklaert. Dies ist durch Momentaufnahmen, wie sie bis vor wenigen Jahren Standard waren, auch nicht zu leisten. Einmalige Probennahmen oder Messungen lassen eine Einschaetzung zeitlicher Variabilitaeten nicht zu. Erst Langzeituntersuchungen an ausgewaehlten Standorten eroeffnen die Moeglichkeit aufzuklaeren, welche Umweltbedingungen die Lebensgemeinschaften der Tiefsee in ihrer Entwicklung, Struktur und Komplexitaet beeinflussen. Es besteht dringender Bedarf an solchen Basisdaten, um die Auswirkungen menschlicher Eingriffe auf das Oekosystem der Tiefsee abschaetzen zu koennen. Erst die Moeglichkeit, zeitliche Variabilitaeten ueber ausreichend lange Zeitraeume erfassen zu koennen, erlaubt es, unterschiedliche Werte zwischen den Jahren bzw. Jahreszeiten von (natuerlichen) Langzeittrends zu trennen.

Forschen im "Hausgarten" Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts fuer Polar- und Meeresforschung haben im Sommer 1999 in der Framstrasse westlich von Spitzbergen (79?N, 4?E) die erste Langzeitstation in einer polaren Tiefseeregion eingerichtet. Neben einem zentralen Experimentierfeld in 2500 Metern Wassertiefe (dem AWI-Hausgarten) wurden insgesamt neun Stationen in 1000 - 5500 Metern Tiefe bestimmt, an denen in den naechsten Jahren wiederholt biologische, geochemische und sedimentologische Untersuchungen durchgefuehrt werden sollen. Forschungsschwerpunkte waehrend der aktuellen Expedition sind die Erfassung des Bestandes an Bodenlebewesen und des Sauerstoffverbrauches am Meeresboden, die Untersuchung des Partikelflusses in die Tiefsee und die Sedimentation am Kontinentalrand westlich von Spitzbergen. Hinzu kommen Untersuchungen zu bakteriellen Tiefseegemeinschaften, zu kleineren das Sediment bewohnenden Organismen sowie zu Tiefseefischen. Komplettiert wird das Forschungsprogramm durch Studien zum Einfluss von Methan auf benthische Foraminiferen, die als sehr sensible Anzeiger fuer Umweltbedingungen gelten.

Forschungsplattform auf gutem Wege Bereits auf dem Weg zum AWI-Hausgarten nutzen Wissenschaftler des GKSS-Forschungszentrums - wie das AWI ein Institut der Helmholtz-Gemeinschaft - die Forschungsplattform "Polarstern" fuer eine Vielzahl luftchemischer Untersuchungen. Die Wissenschaftler wollen dabei vor allem die Verbreitung von Quecksilber und langlebigen (persistenten) organischen Schadstoffen analysieren. Die Fahrtroute der "Polarstern" von Bremerhaven aus in die arktischen Gewaesser bietet ihnen dabei eine seltene Gelegenheit Messreihen zu erheben, die raeumlich sowohl die Quellengebiete als auch industrieferne arktische Regionen umfassen. Eine spezifisch polare Erscheinung ist der Atmosphaerische Quecksilberrueckgang, waehrend dessen die Konzentrationen in der Atmosphaere sehr kurzfristig deutlich unter die Hintergrundswerte sinken. Hier wollen die Wissenschaftler ermitteln, inwieweit die Polarregionen der Erde als endgueltige Ablagerungsgebiete angesehen werden muessen.

Zwischen Groenland und Spitzbergen wird "Polarstern" anschliessend entlang des 75. noerdlichen Breitengrades hydrografische Daten erheben. Dieses Messprogramm wird seit einigen Jahren regelmaessig wiederholt, denn "erst lange Zeitreihen mit qualitativ guten Messwerten ermoeglichen es, die komplexen Veraenderungen in den arktischen Gewaessern richtig zu erkennen und zu erklaeren" so Fahrtleiter Dr. Gereon Budeus. Eine grosse Rolle spielt dabei vor allem die Tiefenkonvektion. In juengster Zeit wurden kleinskalige Wirbel entdeckt, in denen die Konvektion etwa 1000 Meter tiefer als in der Umgebung reicht. Um die Bedeutung solcher Wirbel abschaetzen zu koennen, werden die Wissenschaftler versuchen, ueber mehrere Jahre die Entwicklung eines relativ stationaeren Wirbels zu verfolgen.

Nach dem Ende der Arbeiten im "Hausgarten" ist das Einlaufen von "Polarstern" fuer den 16. Juli in Longyearbyen, Spitzbergen vorgesehen. Von dort aus fuehrt der zweite Fahrtabschnitt "Polarstern" unter anderem in die Framstrasse, zum Yermak Plateau, in das Muendungsgebiet der sibirischen Lena und in die Karasee. Dann stehen umfangreiche Forschungsarbeiten zu geologischen, ozeanographischen, biologischen und luftchemischen Fragestellungen auf dem Programm. Mit reicher wissenschaftlicher Ausbeute wird "Polarstern" von ihrer 20. Expedition am 3. Oktober in Bremerhaven zurueck erwartet.

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Das Alfred-Wegener-Institut fuer Polar- und Meeresforschung (AWI) forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemaessigten sowie hohen Breiten. Das AWI koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher "Polarstern" fuer die internationale Wissenschaft zur Verfuegung. Das AWI ist eines der fuenfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der groessten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

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(Tel. 0471-4831-1376).

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