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Risikomanagement - Umdenken im Hochwasserschutz

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Hochwasser wird es immer geben. Dass daraus Katastrophen werden, soll ein verstaerktes Risikomanagement verhindern. Prof. Dr. Andreas Schumann (RUB) hat vor allem den Technischen Hochwasserschutz im Blick, etwa wie sich bei extremen Niederschlaegen das Hochwasser zurueckhalten laesst. Technische Anlagen bemessen die Forscher nach einer statistischen Risikoabschaetzung - die sie durch Datenanalyse des Elbehochwassers 2002 jetzt verbessern konnten. Die Ingenieure warnen: Groesser als an der Elbe sei das Gefaehrdungspotenzial in den Ueberflutungsgebieten des Niederrheins.


Quelle: "Historische Krisen des Hochwasserschutzes in Deutschland"
von Martin Schmidt

Das "heimliche" Regime

Sind Hochwasser in den deutschen Flussgebieten im Winterhalbjahr nichts Ungewoehnliches, so treten sie in manchen Regionen selten auf und wenn, dann im Sommer mit gravierenden Folgen. Ein solches Regime extremer Sommerhochwasser kann in das "normale" Hochwassergeschehen (Winterhalbjahr) "heimlich" eingebettet sein und schlaegt sich etwa bei Beobachtungszeitraeumen von etwa 50 Jahren kaum in der statistischen Analyse nieder. Die Risikoabschaetzung erschweren weitere Hochwassertypen wie Sturzflut und Flussueberschwemmung, die ebenfalls in der Haeufigkeit ihres Auftretens variieren.

Vom Nutzen einer Katastrophe

Da ein Hochwasser vom Ausmass des Jahres 2002 an der Elbe bis dato nicht erfasst wurde, konnte es auch nicht in die statistische Verteilungsfunktion einfliessen. Jetzt haben die Bochumer Ingenieure die Daten des Augusthochwassers 2002 einbezogen und fuer den Freistaat Sachsen neue statistische Analysen durchgefuehrt, das Hochwasser hinsichtlich seiner Ursachen und Ablaeufe ausgewertet, die Belastung und Steuerung der Talsperren und Hochwasserrueckhaltebecken analysiert und somit die Voraussetzungen fuer ein Risikomanagement extremer Hochwasser geschaffen. Ziel ist es, den Scheitel einer Hochwasserwelle zu kappen und damit den Abfluss auf ein Mass zu beschraenken, das zu keiner Katastrophe fuehrt.

Niederrhein: Ueberflutungshoehen bis zu zwoelf Metern moeglich

Groesser als an der Elbe sei das Gefaehrdungspotenzial im deichgeschuetzten Ueberflutungsgebiet des Niederrheins, warnen die Experten. Im Falle eines Deichversagens wuerde der Lebensraum von 560 000 Menschen (400 000 bei Elbehochwasser) bis zu einer Wassertiefe von etwa zwei Metern ueberflutet. Allein die baulichen Schaeden einer solchen Katastrophe laegen bei 20 Milliarden EURO (Augusthochwasser 2002: insgesamt 9 Milliarden EURO). Hinzu kommt, dass durch den Bergbau ein Teil des Ueberflutungsgebietes abgesenkt wurde: Das Umland liegt bis zu 12 Meter tiefer als die Rheindeiche. Wenn diese auch weitaus staerker ausgebaut sind als die Deiche an der Elbe, liegt das Risiko der einmaligen Ueberschwemmung innerhalb von hundert Jahren immer noch bei 18 Prozent.


(c)Presse- und Kommunikationsamt der Stadt Duisburg

Weitere Informationen...

Prof. Dr. Andreas Schumann
Lehrstuhl fuer Hydrologie,
Wasserwirtschaft und Umwelttechnik
Fakultaet fuer Bauingenieurwesen der RUB
44780 Bochum
Tel: 0234/ 32-24693