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Der Vulkan im Vorgarten

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Vor 300.000 Jahren kam es am Rodderberg im Bonner Stadtteil Mehlem zu einer ganzen Serie von Vulkanausbruechen - nach 250.000 Jahre Ruhe. Geowissenschaftler der Universitaet Bonn erforschen momentan die Eruptionsgeschichte des noerdlichsten bekannten Eifelvulkans. Ihr Fazit: Der Rodderberg ist ein ganz ungewoehnlicher Fall.

Vor etwa 550.000 Jahren traf dicht unter dem Rodderberg eine mehr als 1.000 Grad heisse Gesteinsschmelze mit Grundwasser zusammen - eine explosive Mischung: Durch die Hitze verdampfte das Wasser und dehnte sich schlagartig auf das mehr als tausendfache Volumen aus. Die Explosion schleuderte Magmafetzen und Gesteinstruemmer Hunderte von Metern in die Luft und liess einen ueber 50 Meter tiefen kreisrunden Sprengtrichter zurueck, der noch heute als Bodensenke sichtbar ist: Das Rodderberg-Maar. Durch Niederschlaege fuellte es sich bald mit Wasser, verlandete dann jedoch mit der Zeit.

"Der Rodderberg war nie ein besonders gefaehrlicher Vulkan", sagt Dr. Holger Paulick vom Mineralogisch-petrologischen Institut der Universitaet Bonn. Ganz anders als ein naher Verwandter, dessen Ausbruch vor 12.900 Jahren den Laacher See schuf: "Diese Eruption war so gewaltig, dass eine kilometerhohe Saeule aus Asche und Bimsen in den Himmel stieg. Aschen vom Laacher See sind heute noch in Schweden nachweisbar." Dennoch sei der Rodderberg spannend, so der Vulkanforscher: "Die meisten Eifelvulkane stehen ueber 40 Kilometer weiter suedlich; wie kommt es, dass sich einer von ihnen in den Vorgarten von Bonn verirren konnte?"

"Heisser Finger" verirrte sich nach Mehlem

Normalerweise entstehen Vulkane an den Grenzen der Erdplatten. Hier wird der Erdmantel teilweise aufgeschmolzen, und Magma steigt an die Erdoberflaeche. Die Vulkane der Eifel sind dagegen - wie auch die in Hawaii - so genannte "Intraplattenvulkane", die an lokale Hitzeanomalien im Erdinneren gebunden sind. An diesen "hot-spots" steigt heisses Mantelgestein unabhaengig von den Bewegungen der Erdplatten pilzfoermig aus grossen Tiefen auf und "brennt" sich durch die ueberlagernde Erdkruste.

Irgendwie scheint sich ein "heisser Finger" (O-Ton Paulick) vom Eifel-Hot-Spot nach Norden verirrt zu haben - und das gleich zweimal: Etwa 250.000 Jahre nach der Maareruption erwachte der Rodderberg erneut zum Leben, diesmal mit einer Serie von Schlackeneruptionen. Durch detaillierte Gelaende- und Laboruntersuchungen konnten Dr. Paulick und seine Diplomandin Christine Ewen nachweisen, dass waehrend dieser juengeren Phase mehrere Krater entlang einer Nord-Sued orientierten Spalte taetig waren. Davon zeugt beispielsweise ein etwa sechs Meter hoher Basaltzipfel im Norden des Rodderberg-Maars - die verwitterungsresistente Fuellung eines inzwischen erodierten Vulkanschlots.

Das Alter der Eruptionen laesst sich mittels "Thermolumineszenz-Messungen" bestimmen, die am Geographischen Institut in der Arbeitsgruppe Professor Dr. Ludwig Zoeller durchgefuehrt wurden. "Das Verfahren gibt darueber Aufschluss, wann das Material zum letzten Mal stark erhitzt wurde", erklaert Henrik Blanchard, der diese Datierungen im Rahmen seiner Diplomarbeit anfertigte. Ergebnis der Untersuchung: Vor etwa 300.000 Jahre war der Rodderberg-Vulkan zum letzten Mal aktiv.

Dr. Paulick schliesst nicht aus, dass es in der Bonner Gegend vor einigen hunderttausend Jahren noch weitere Vulkane gegeben hat. "Moeglicherweise hat sich ein solcher heisser Finger noch mehrmals in unsere Gegend verirrt." Dass das Rodderberg-Maar nach so langer Zeit noch sichtbar ist, haelt er ohnehin fuer einen besonderen Gluecksfall: "Normalerweise sedimentieren die Bodensenken mit den Jahren komplett zu. Wenn es also in Wachtberg oder Meckenheim noch weitere alte Maare gaebe, wuerden wir sie wahrscheinlich gar nicht bemerken."

Das Rodderberg-Maar ist auch ein Anlaufpunkt der diesjaehrigen Georallye, die am 27. Juni stattfinden wird. Die weiteren Ziele werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Ansprechpartner:
Dr. Holger Paulick
Mineralogisch-petrologisches Institut der Universitaet Bonn
Telefon: 0228/73-6818

Verweise
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