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Geheimnisvolle Felsgrotten - Forscher sind dem Raetsel der "Externsteine" auf der Spur

erstellt von Leonards zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Heidelberger Wissenschaftler wenden hochmodernes Verfahren zur Altersbestimmung an - Ist das Ende eines jahrzehntelangen Streites in Sicht?

Bereits seit Goethes Zeiten erhitzt die Frage nach dem Alter der Felsgrotten in den Externsteinen nahe Detmold die Gemueter immer wieder aufs neue. Denn bis heute ist das archaeologische Raetsel ungeloest, ob sie aus vorchristlicher Zeit stammen oder erst im Mittelalter angelegt wurden. Nachweislich haben sich waehrend der spaeteren Altsteinzeit und der Mittelsteinzeit, also um 10.000 bis 4.000 v.Chr. unsere Vorfahren bereits an den Felsen aufgehalten. Danach lassen sich eindeutige Rueckschluesse auf menschliche Taetigkeiten erst wieder ab dem 11. Jahrhundert n.Chr. finden. Die Entstehungsgeschichte und Funktion der kuenstlich geschaffenen Grotten, der Hoehenkammer und des Felsengrabes blieben bis heute ungeklaert. "Theorien dazu gibt es viele. Unser Vorhaben ist es, durch neue Forschungsansaetze zu eindeutigen und unstrittigen zeitlichen Fixpunkten zu gelangen", so Dr. Clemens Woda von der Forschungsstelle Archaeometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Die Moeglichkeit einer zuverlaessigen Datierung ist nun in greifbare Naehe gerueckt. Brandspuren an den Felswaenden der Grotten weisen auf Feuereinwirkung in frueherer Zeit hin - und erhitztes Gestein laesst sich sehr gut mit der sogenannten Lumineszenzmethode datieren. Mit dieser Methode bestimmt man den Zeitpunkt der letzten Erhitzung der im Sandstein enthaltenen Quarz- und Feldspatkoerner, mithin das Mindestalter der Anlage der Grotten. Das Verfahren beruht darauf, dass natuerliche Gesteine geringe Mengen an radioaktiven Elementen besitzen, welche die Mineralkoerner einer fortdauernden Strahlung aussetzen und ein Lumineszenz-Signal aufbauen. Damit ist die gemessene Intensitaet des Signals ein Mass fuer das Alter der Probe. Voruntersuchungen aus dem Jahr 1990 erwiesen die prinzipielle Eignung der Methode. Doch erst die technologische Weiterentwicklung durch das Heidelberger Forscherteam unter der Leitung von Professor Guenther Wagner hat die Voraussetzung geschaffen, eine genaue Altersbestimmung durchzufuehren. Im Laufe des Sommers werden Bohrkerne aus den erhitzen Felspartien entnommen und anschliessend von den Wissenschaftlern in ihrem Labor untersucht. Durch die erwarteten Ergebnisse koennte ein ueber Jahrzehnte gefuehrter Streit endgueltig beendet werden.

Das wissenschaftliche Projekt wird am Donnerstag, 27. Mai, um 15 Uhr der Oeffentlichkeit auf einer Pressekonferenz im Schloss Brake, Lemgo, vorgestellt. Neben Wissenschaftlern der Forschungsstelle Archaeometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften nehmen auch der Vorstand der Schutzgemeinschaft Externsteine e.V. sowie Vertreter des Landesverbandes Lippe und des Lippischen Landesmuseums Detmold teil. Die Finanzierung des Forschungsprojektes wurde durch die Schutzgemeinschaft Externsteine e.V. ermoeglicht.

Rueckfragen bitte an:

Dr. Johannes Schnurr Heidelberger Akademie der Wissenschaften Referent fuer Presse- und Oeffentlichkeitsarbeit Tel.: 06221 / 54 34 00 Fax: 06221 / 54 33 55 E-Mail: johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de

sowie:

Dr. Clemens Woda Forschungsstelle Archaeometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften am Max-Planck-Institut fuer Kernphysik Tel.: 06221 / 51 66 35 Fax: 06221/ 51 66 33 E-Mail: clemens.woda@mpi-hd.mpg.de