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25 Jahre Eismeerforschung mit dem Deutschen Forschungsschiff RV Polarstern

erstellt von aahke zuletzt verändert: 02.12.2007 16:05

Polarstern, das leistungsfähigste Polarforschungsschiff der Welt, feiert am 9. Dezember 2007 Geburtstag. Bereits seit 25 Jahren steht sie für Polar-und damit vor allem für Klimaforschung in Arktis und Antarktis. Zurzeit nimmt Polarstern für das Internationale Polarjahr 2007/08 Kurs auf die Antarktis. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel eröffnet die Geburtstagsfeier am 28. November in Berlin mit einer Festrede zu Ehren von Polarstern.

25 Jahre Forschung in den Eismeeren mit dem Forschungsschiff Polarstern

Bremerhaven, 22. November 2007.

Eine Fülle von Erkenntnissen, beispielsweise über das vergangene Klima oder die weitgehend unerforschte Tiefsee, verdankt die internationale Forschung dem Einsatz von Polarstern. Das größte deutsche Forschungsschiff wurde vom damaligen Bundesministerium für Forschung und Technologie finanziert und wird vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung betrieben. “Expeditionen an Bord von Polarstern liefern seit 25 Jahren wissenschaftliche Ergebnisse, die unser Verständnis für wichtige Teilbereiche des Systems Erde vorangebracht haben³, so Prof. Dr. Karin Lochte, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts. Polarstern-Expeditionen sind international und interdisziplinär angelegt, um durch einen optimalen Wissensaustausch und Datengewinn das Verständnis für die Polargebiete voranzutreiben. Polarstern bietet Platz für bis zu 55 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die außer einer Koje moderne Labors, Aquarien und Messgeräte vorfinden aber auch eigene Geräte mitbringen und rund um die Uhr arbeiten können. Auf den langen Forschungsreisen muss Polarstern völlig autark sein und die Besatzung muss aufwändigere Reparaturarbeiten durchführen können. Polarstern versorgt auch die ganzjährig betriebene Neumayer-Station in der Antarktis mit Lebensmitteln, Material und Treibstoff.

Polarforschung ist Klimaforschung
Trotz der immensen Bedeutung der Polargebiete für das Klima und umfassender Forschungsaktivitäten in der Vergangenheit sind in den polaren Ozeanen noch viele Fragen unbeantwortet. Nur mit einer zuverlässigen Logistik ist es möglich, diese lebensfeindlichen Gegenden zu bereisen und zu untersuchen. Polarstern ist weltweit das einzige Schiff, das ganzjährig gezielte Forschung in den Polarmeeren ermöglicht. “Nur wenn wir Langzeitdaten aus diesen schwer zugänglichen Regionen haben, können wir Veränderungen erkennen und Prognosen erstellen. Die Daten aus den Ozeanen, aus dem Meereis und der darüber liegenden Atmosphäre erlauben internationalen Wissenschaftlerteams Modelle zu erstellen, die wir benötigen, um uns auf die zukünftige Lebenssituation auf der Erde einzustellen³, sagt Dr. Eberhard Fahrbach, wissenschaftlicher Koordinator der Polarstern-Expeditionen. Studenten und Doktoranden sind regelmäßig auf Polarstern im Einsatz, um Polarforschung in der Praxis zu erlernen und Daten für Diplom- und Doktorarbeiten zu erheben. Um auch die Öffentlichkeit an der Polarforschung teilhaben zu lassen, begleiten hin und wieder Medienvertreter, Lehrer und Künstler einzelne Polarstern-Fahrten.

Ergebnisse aus 25 Jahren Polarstern-Expeditionen

Die bislang 45 Polarexpeditionen haben einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der Umwelt geliefert. Die faszinierenden Lebensgemeinschaften in der Tiefsee wurden mit Hilfe von Robotern untersucht, die auf Polarstern zum Einsatz kamen. Nachdem in der Antarktis ein 10.000 Quadratkilometer großes Stück des Larsen-Schelfeises abgebrochen war, konnten Meeresbiologen im Winter 2006/2007 erstmals einen Blick in den bis dahin völlig unbekannten Lebensraum unter dem Eis werfen.
Verankerte und driftende Messplattformen, die auf Expeditionen im Arktischen und Südlichen Ozean ausgesetzt wurden, liefern über mehrere Jahre Daten über Salzgehalt, Temperatur und Strömung, auch im Winter und unter dem Meereis. Ozeanographen am Alfred-Wegener-Institut untersuchen an Hand dieser Daten, welche Auswirkungen die momentanen Klimaänderungen auf die polaren Ozeane und auf die weitere globale Klimaentwicklung haben werden. Der Betrieb dieser Beobachtungssysteme setzt eine kontinuierliche Wartung und ein zuverlässiges Polarforschungsprogramm voraus.
Großes Aufsehen haben die Winterexpeditionen erregt. Normalerweise ist Polarstern im europäischen Sommer in der Arktis (arktischer Sommer) und im Winter in der Antarktis (antarktischer Sommer) unterwegs, jedoch wurden auch mehrere Forschungsfahrten im Winter der jeweiligen Polarregion durchgeführt. Diese Untersuchungen sind technisch sehr aufwändig, aber von essentieller Bedeutung, da nur so ein ganzer Jahreszyklus in den polaren Lebensräumen beobachtet werden kann. Zuletzt hat Polarstern 2005/2006 ein ganzes Jahr in der Antarktis verbracht, um die Entwicklung des Meereises und der damit verbundenen Lebensgemeinschaften zu erforschen. Ein wichtiger Teil der polaren Tierwelt ist der Antarktische Krill. Diese Krebstierart ist nicht nur die wichtigste Nahrungsgrundlage vieler Meeressäuger, sondern birgt auch kommerzielle Nutzungsmöglichkeiten.
Die Geowissenschaftler verdanken ihre heutigen Erkenntnisse über die Entstehung der polaren Ozeane den seismischen Untersuchungen mit der Polarstern. Die Öffnung und Schließung von Meeresbecken hatte einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Lebens und des Klimas in den jeweiligen Erdzeitaltern. Sedimentkerne, die an Bord von Polarstern gewonnen wurden, eröffnen einen Blick in die Klimageschichte der Erde.

Polarstern im Internationalen Polarjahr 2007/08

Gegenwärtig ist Polarstern im Rahmen des Internationalen Polarjahres 2007/08 im Einsatz. Im Polarjahr beschäftigen sich über 50.000 Wissenschaftler und Techniker in mehr als 230 internationalen Forschungsprojekten mit drängenden Fragen der Polar- und Klimaforschung. Viele dieser Forschungsvorhaben sind auf Polarstern als Arbeitsplattform angewiesen.
Am 26. Oktober 2007 hat Polarstern Bremerhaven in Richtung Kapstadt verlassen. Auf dieser Überfahrt untersuchen Meeresbiologen die Artenzusammensetzung und Verteilung von kleinen, im Wasser schwebenden Tieren, dem so genannten Zooplankton. Diese mikroskopisch kleinen Organismen sind die Nahrungsgrundlage vieler Fische und damit ein essentieller Bestandteil des Nahrungsnetzes im Meer. Die Meeresbiologen erwarten, dass sie im Rahmen des Projekts “Census of Marine Zooplankton³ zahlreiche neue Planktonarten entdecken werden. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Kapstadt wird Polarstern am 28. November 2007 in Richtung Antarktis aufbrechen.

Polarstern ­ 25 Jahre Forschung in Arktis und Antarktis

Anlässlich des Jubiläums erscheint Ende November das Buch “Polarstern ­ 25 Jahre Forschung in Arktis und Antarktis³ im Delius Klasing Verlag (ISBN Nummer 978-3-7688-2433-0). Herausgeber sind mit Dieter Karl Fütterer und Eberhard Fahrbach zwei Wissenschaftler, die zahlreiche Expeditionen in die Arktis und Antarktis geleitet haben. Sie haben über 50 Polarsternreisende aus Crew und Wissenschaft zusammen gebracht, um vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Ergebnisse die schönsten, aufregendsten und auch schwersten Momente an Bord von Polarstern festzuhalten.


Hinweise für Redaktionen:

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Technische Daten Polarstern
Bau: Howaldtswerke/ Deutsche Werft, Kiel
Werft: Nobiskrug, Rendsburg
Eisbrechkonzept: Hamburgische Schiffbau-Versuchsanstalt Länge über alles: 118 Meter Breite auf Spanten: maximal 25 Meter Seitenhöhe bis Hauptdeck: 13,6 Meter
Tiefgang: maximal 11,2 Meter
Verdrängung bei maximalem Tiefgang: 17.300 Tonnen
Leergewicht: 11.820 Tonnen
Motorleistung (4 Maschinen): circa 14.000 Kilowatt (20.000 PS)
Reisegeschwindigkeit: 12 Knoten

Mit dem Schiffsbetrieb beauftragt
Reederei F. Laeisz

Expeditionsdaten Polarstern
Kosten der Herstellung (1982): 100 Millionen Euro Betriebskosten pro Tag: 54.000 Euro
Besatzung: maximal 44 Personen
Wissenschaft: maximal 55 Personen
Arktisreisen: 22
Antarktisreisen: 24 (am 26. Oktober 2007 hat die 24. Antarktisreise begonnen) Zurückgelegte Seemeilen: 1.252.330 beim Einlaufen in Kapstadt am 26. November
Expeditionsteilnehmer: 7600 Personen aus 36 Ländern


Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.