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Archaisches Strandleben

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2011 17:31

Für Paläontologen ist die Suche nach den ältesten Lebensspuren eine wahre Odyssee. Unumstrittene Fossilien sind erst rund zwei Milliarden Jahre alt, dabei ist klar, dass das Leben wesentlich älter ist, sonst gäbe es zum Beispiel keine Sauerstoffatmosphäre. Doch die Überreste dieser Einzeller sind notorisch schwer zu entdecken, und immer besteht dabei die Gefahr, die Spuren chemischer Prozesse für Fossilien zu halten. Jetzt stellen australische und britische Paläontologen in "Nature Geoscience" 3,4 Milliarden Jahre alte Kandidaten vor und erhärten ihren Anspruch mit zahlreichen Belegen.

Mikrofossilien und PyritFeiner Sand, aber auch drückende Luft, Wassertemperaturen von über 40 Grad, gewaltige Gezeiten und nahezu kein Sauerstoff: Der älteste bekannte Strand wäre keineswegs nach dem Geschmack menschlicher Urlauber gewesen. Trotzdem hat sich dort jemand ziemlich wohl gefühlt, zumindest wenn die Geologen Martin Brasier von der Universität Oxford und David Wacey von der Universität von Westaustralien recht behalten. Sie stellen in der aktuellen "Nature Geoscience" 3,4 Milliarden Jahre alte Mikrobenfossilien vor, die, falls sich der Anspruch halten lässt, zu den ältesten bekannten Lebensspuren avancieren könnten.

MikrofossilienDer Fundort liegt im Norden Westaustraliens, wo mit dem Pilbara-Kraton einer der ältesten Kontinentalkeime der Erde zu Tage tritt. Heutzutage herrschen am Strelley Pool, so der Name der Formation, auch gut und gern 40 oder 50 Grad, doch vor 3,4 Milliarden Jahren war es der Strand einer der wenigen Inseln, die sich aus dem Ozean erhoben. "Wir sind in der Datierung der Schicht sehr sicher", berichtet Brasier, "denn sie liegt zwischen zwei Vulkanascheschichten, die wir sehr genau datieren können." Der dazwischen liegende schwarze Sandstein ist so erhalten geblieben, wie der archaische Sand zu Boden rieselte. In diesem Sandstein fanden Wacey und Brasier die verdächtigen Strukturen.

Es waren runde oder elliptische Hohlräume, die in Gruppen zusammenlagen und an die Sandkörnchen angeheftet schienen. Sogar Spuren ihrer Zellmembranen scheinen sich erhalten zu haben. In unmittelbarer Nähe dieser Strukturen fanden die Forscher Pyritkristalle, woraus sie schließen, dass die 3,4 Milliarden Jahre alten Bakterien Sulfat als Energielieferant benutzten. Am Ende verbanden sich die ausgeschiedenen Schwefelverbindungen mit den reichlich im Ozeanwasser vorhandenen Eisen-Ionen zu Pyrit. "Bakterien wie diese kommen noch heutzutage überall dort vor, wo es wenig freien Sauerstoff gibt", erklärt Brasier, "an heißen Quellen oder in einer hydrothermalen Umgebung."

Strelley Pool"Der Fund zählt zu den besten Indizien für das frühe Leben auf der Erde", erklärt Bruce Runnegar, Archaikums-Spezialist an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Und sein Kollege Malcolm Walter, Professor für Astrobiologie an der Universität von New South Wales in Sydney ergänzt: "Die verschiedenen Indizienketten sind ziemlich überzeugend." Archaische Mikrofossilien, speziell wenn sie aus den früheren Perioden des Erdzeitalters stammen, sind eine notorisch heikle Angelegenheit. In dieser frühen Entwicklungsphase brachte das Leben nur einzellige Organismen, Bakterien und Archäen, hervor, die selbst unter dem Mikroskop nur schwer zu identifizieren sind. Und selbst dann gibt es eine Reihe von rein chemischen Prozessen, die ähnliche Strukturen wie Bakterienfossilien hervorbringen können.

Mikrofossil in 3DMartin Brasier weiß das nur zu gut. 2002 unterzog er die bis dato ältesten Mikrofossilien einer eingehenden Nachprüfung und zeigte, dass sie allesamt durch rein chemische Reaktionen entstanden waren. Die Strukturen stammten aus dem Apex Chert, keine 50 Kilometer von Strelley Pool entfernt, und wurden auf ein Alter von 3,465 Milliarden Jahre datiert. Sie waren 1993 vom kalifornischen Paläontologen Bill Schopf gefunden worden. Seitdem haben sich die Kriterien, die an die frühesten Lebensspuren angelegt werden, drastisch verschärft.

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