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Aufschlussreicher Fund

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 25.09.2009 08:50

Im Niger haben Wissenschaftler des Staatlichen Naturhistorischen Museums Braunschweig zusammen mit Kollegen aus dem afrikanischen Land und aus Spanien eine neue Art eines primitiven pflanzenfressenden Dinosauriers aus dem Jura entdeckt. Im Wissenschaftsjournal „Public Library of Science“ (PLoS) haben sie das Tier eingeordnet und seine Bedeutung für die Entwicklungsgeschichte der Dinosaurier erläutert.

SpinophorosaurusDie Sauropoden, pflanzenfressende Dinosaurier mit tonnenschweren Körpern, langen Hälsen und Schwänzen sowie winzigen Köpfen, zählen zu den Stars unter den Riesenechsen. Die größten Landwirbeltiere, die jemals gelebt haben, gehören in diese Unterordnung der Dinosaurier. Sauropoden gehören zu den erfolgreichsten Landwirbeltieren, denn sie prägten die Ökosysteme für mindestens 120 Millionen Jahren. Um so erstaunlicher ist, dass zwar aus spätem Jura und aus der Kreidezeit, als diese Gruppe ihre Blütezeit hatte, zahlreiche Fossilien existieren, dafür aber Anfänge und frühe Entwicklung kaum bekannt sind.

Ein Fund aus dem Norden des Niger bringt jetzt etwas mehr Licht in das Dunkel. Der Spinophorosaurus nigerensis gehört mit seinen 13 Metern Länge zwar eher zu den kleineren Sauropoden, dafür ist er aber mit geschätzten 165 bis 170 Millionen Jahren einer der ältesten überhaupt. Nur der Tazoudasaurus aus Marokko, der Barapasaurus aus China und der Vulcanodon aus Simbabwe sind älter. Hinzu kommt, dass das Fossil aus dem Niger den frühen Sauropoden sehr ähnelt, die in Europa und Asien gefunden wurden, denjenigen aus Südamerika, Australien und dem südlichen Afrika dagegen weniger.

Spinophorosaurus und MenschZu Beginn der Dinosaurierzeit war nahezu alles Festland noch in einem riesigen Superkontinent vereint, der Pangäa genannt wird und wie ein langgestrecktes Band vom Nord- zum Südpol verlief. Im Lauf des Jura begann sich dieser Kontinent aufzulösen: Nördlich des Äquators riss ein Ozeanbecken, das der Paratethys, immer weiter auf und teilte schließlich den Kontinent in das nördliche Laurasia und das südliche Gondwana. Nordafrika lag damals am nördlichen Rand Gondwanas. Europa, Asien und Nordamerika bildeten Laurasia, Südamerika, Afrika, Indien, Australien und die Antarktis waren Teil Gondwanas.

Die Wissenschaftler, die das Fossil ausgegraben und systematisch eingeordnet haben, schlagen in ihrem PLoS-Artikel vor, dass Spinophorosaurus nahe am Ursprung der Sauropoden von Laurasia steht, die sich über die Verbindung zwischen Laurasia und Gondwana in den Norden ausbreiteten. Nach Süden dagegen habe sich nur eine kleine Gruppe von Sauropoden über den gewaltigen Südkontinent ausbreiten können, die anschließend vom Rest der Unterordnung getrennt worden sei. Deshalb und weil im südlichen Gondwana ein deutlich anderes Klima - warm und trocken statt warm und feucht - herrschte, haben sich diese Sauropoden in eine deutlich andere Richtung entwickelte. Im weiteren Verlauf von Jura und Kreide wurden beide Entwicklungslinien dann von jüngeren Arten verdrängt, die auf beiden Teilkontinenten gleichermaßen vertreten waren.

Kopf von SpinophorosaurusWarum aber haben sich die älteren Sauropoden nur so zögerlich auf dem riesigen Kontinent Gondwana ausgebreitet? Die Forscher vermuten in PLoS, dass ihnen eine ausgedehnte Wüste den Weg versperrte. Diese soll sich ziemlich genau in der Mitte des Kontinents von Küste zu Küste gespannt haben und so den Norden vom Süden isoliert haben. In späterer Zeit sei die Wüste geschrumpft und habe den Weg zwischen Nord und Süd wieder freigegeben. Rolle und Ausdehnung der Wüste ist durch Pflanzenfossilien recht gut belegt, ihre Wirkung auf die Entwicklung der Sauropoden allerdings mangels ausreichender Fossilienbasis bislang nur Hypothese. Erhärtet werden kann sie daher nur durch neue Funde.

Ein Exemplar des neu entdeckten Spinophorosaurus und weitere Entdeckungen aus Niger sind im Staatlichen Naturhistorischen Museum Braunschweig zu sehen. Die Ausstellung „Projekt Dino - neue Saurier aus Afrika“ läuft vom 21. Oktober bis zum 31. Januar 2010.

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