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Auftritt in Serien

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 19.06.2009 11:24

Das Erdbeben, das am 2. Weihnachtstag 2004 den Sundagraben vor Banda Aceh erschütterte, war mit 9,1 auf der international üblichen Magnituden-Skala das drittstärkste Beben seit 1900. Die fast 230.000 Todesopfer des anschließenden Tsunamis machen es zum zweitschlimmsten. Seitdem ist der Westen und Süden Indonesiens nicht mehr zur Ruhe gekommen. Mit drei schweren und zahlreichen mittleren Beben machte sich der Sundagraben wiederholt bemerkbar. Und, so schreiben Wissenschaftler aus Singapur, den USA und Indonesien jetzt in Artikeln in „Nature“ und „Science“, damit ist es noch lange nicht getan.

KorallenGut möglich, dass das Tsunami-Warnsystem für den Indischen Ozean, das soeben in Betrieb gegangen ist, schon bald seine Bewährungsprobe absolvieren muss. 24 Beben mit Magnituden größer als 6,5 haben sich seit dem 26. Dezember 2004 entlang des Sundagrabens ereignet, doch die Experten um Kerry Sieh von der Nanyang Technischen Universität in Singapur halten die Gefahr damit noch nicht für gebannt. Speziell ein 700 Kilometer langes Teilstück des Grabens vor der Westküste Zentralsumatras bereitet den Geophysikern erhebliche Kopfschmerzen. Dort liegen inmitten eines dicht besiedelten Gebiets die beiden Großstädte Padang und Bengkulu. Insbesondere Padang muss ein Erdbeben fürchten, denn die Stadt liegt in einer Küstenebene, die sich nur knapp über den Meeresspiegel erhebt. Nach einem entsprechenden Beben im Sundagraben dort braucht ein Tsunami kaum eine halbe Stunde, um die Metropole zu erreichen, er könnte ungehindert kilometerweit ins Landesinnere strömen.


Nach dem TsunamiDas nach den Mentawai-Inseln benannte Teilstück der Störung vor Padang rührte sich 9. September 2007 mit zwei Erdbeben der Magnituden 8,5 und 7,9, die glücklicherweise nur wenige Menschenleben forderten. Doch das war offenbar noch nicht alles. „Es wurde nur ein Viertel der Energie freigesetzt, die sich während der vergangenen zwei Jahrhunderte aufgestaut hat“, erklärte Ali Ozgun Konca, Forscher am Seismologie-Labor der kalifornischen Elite-Uni Caltech. 1833 hatte es an den Mentawai-Inseln zum letzten Mal heftig gebebt - die Momentmagnitude dieses Bebens wird auf 8,7 bis 8,8 geschätzt. Der Unterschied zu den Beben von 2007 scheint mit drei Zehntelpunkten auf der Skala gering, aber die Energie, die damals freigesetzt wurde, betrug fast das Dreifache. Die Konsequenz der Ergebnisse scheint klar: Die Energie, die noch in den miteinander verhakten Krustenplatten aufgestaut ist, muss sich in einem Erdbeben entladen. „Wir versuchen jetzt die Frage zu klären, wie nahe wir dieser Entladung sind“, erklärt Kerry Sieh, Professor an der Nanyang Universität und am Caltech.


MikroatollEin Blick in die Vergangenheit zeigte der Arbeitsgruppe zudem, dass die Beben am Mentawai-Stück in Serien zu kommen pflegen. Die Forscher untersuchten dafür die Korallenriffe, die in der Tidenzone der Inseln wachsen. An ihren Wachstumsschüben kann man ablesen, wie sich der Untergrund der Inseln hebt oder senkt - eine Hebung ist dabei Anzeichen für ein Erdbeben. In ihren Untersuchungen konnten die Forscher 700 Jahre zurückblicken und dabei vier Erdbebenserien erkennen. Die erste ereignete sich in der Mitte des 14. Jahrhunderts, als offenbar drei Beben die Gegend innerhalb von 40 Jahren erschütterten. Die nächste Folge kam an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert. Auch hier kam es zu drei Erdbeben, denen rund 50 Jahre zuvor zwei Beben vorausgegangen zu sein scheinen. Die dritte Bebenwelle ereignete sich an der Wende am Ende des 18 und in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts: Es sind die beiden bekannten Beben von 1797 und 1833, die beide fast die Magnitudenmarke von 9 erreicht hätten.


KorallenblockDie vierte Welle hat offenbar am 12. September 2007 begonnen. Die große Frage lautet jetzt, wie sie sich fortsetzt, und vor allem, wann. Die Forscher schätzen in „Science“, dass die noch gespeicherte Energie des Mentawai-Stücks allemal für ein Beben der Magnitude 8,8 ausreicht. Erste Abschätzungen besagen, dass ein solches Beben Tsunamis auslösen könnte, die mit mehreren Metern hohen Wellen über die Küstenstädte hereinbrechen und mindestens einen Kilometer tief ins Landesinnere strömen könnten. Die Opferzahlen und Sachschäden könnten diejenigen des Weihnachts-Tsunamis 2004 erreichen oder sogar übersteigen. Da die bisher untersuchten Erdbebenwellen jedoch in Zeiträumen von wenigen Jahrzehnten bis zu knapp einem Jahrhundert auftraten, lassen sich mit den bisherigen Untersuchungsergebnissen allein keine brauchbaren Vorhersagen treffen. Dennoch meinen die Forscher, dass die Bewohner der Westküste Zentralsumatras gut daran täten, sich der Gefahr stets bewusst zu sein.

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