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Biene mit Stehvermögen

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 11.09.2007 20:02

Cretotrigona prisca ist eine kleine, tropische Honigbiene, die - vor 65 Millionen Jahren - vom Ende der Kreidezeit bis ins Tertiär hinein gelebt hat. Sie erzählt uns eine großartige Geschichte, denn sie hat den Einschlag und das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit überlebt. Mit ihr überlebten auch die Blütenpflanzen, die ihre Nahrungsgrundlage sind. Gleichzeitig jedoch wurden die Herrscher der Welt, die Dinosaurier, dahingerafft.

Diese tropischen Honigbienen betreiben keine Vorratswirtschaft, sondern fliegen jeden Tag von Blüte zu Blüte und sammeln Pollen. Sie halten es also nicht lange aus, ohne ihre Ressourcen aufzufüllen", Jacqueline Kosicek von der Universität New Orleans. Auf die Lebensweise schließt die Paläontologin, weil die kleine Biene aus dem Bernstein heute noch Verwandte hat, von der man sie praktisch nicht unterscheiden kann. Sie sind sich so ähnlich, dass man mit gutem Gewissen von den Lebensbedingungen des modernen Tiers auf die des ausgestorbenen schließen kann. Das heißt, wird es für die moderne Biene zu kalt, wären die Temperaturen wohl auch für die fossile unverträglich gewesen.

"Ich habe mir also die Bedingungen für das Überleben dieser tropischen Biene angesehen, um damit den Temperaturabfall eingrenzen. Zuvor herrschten in den Tropen Temperaturen von 31 bis 34 Grad Celsius. Durch die Dunkelheit und die Kälte des durch den Einschlag verursachten "nuklearen Winters" soll es dort um sieben bis zwölf Grad kühler geworden sein. Einen solchen Klimawandel hätten weder tropische Pflanzen noch Tiere überlebt", so Jacqueline Kosicek. Denn die Blütenpflanzen halten nicht monatelang ohne Sonnenlicht und damit Photosynthese durch - und erst recht nicht die Biene, die täglich Nahrung braucht: "Das bedeutet, dass der Effekt des "nuklearen Winters" nicht so groß gewesen sein kann wie angenommen. Die Temperaturen sind um nicht mehr als 2 bis 7 Grad Celsius gefallen, und nicht die vorgeschlagenen 7 bis 12 Grad. Die Staubwolke, die durch den Asteroiden aufgewirbelt worden ist, war also nicht annähernd so dicht wie gedacht, das Sonnenlicht war nicht lange blockiert." Vielleicht ein paar Tage, vielleicht wenige Wochen. Dass es im Chicxulub vor 65 Millionen Jahren einen Einschlag gegeben hat, steht fest - aber die Folgen sind bislang eher unbekannt: "Derzeit hängt alles in der Luft, wir erwarten immer das Schlimmste. Die Leute schauen sich die Fossilien an und sagen: Oh mein Gott, alle diese Saurier starben, wie schrecklich muss das gewesen sein! Aber sie schauen nur auf das, was tot ist. Um die Geschichte wirklich zu verstehen, muss man auch die Überlebenden untersuchen, und zwar vor allem die Tiere, deren Überleben nur innerhalb von engen Grenzen möglich ist. Nur dann kann man die Effekte des Einschlags eingrenzen."

Die Geschichte, die die kleine Biene erzählt, passt sehr gut zu anderen Ergebnissen. So findet sich in den Sedimenten, die direkt nach der Katastrophe abgelagert worden sind, kaum etwas von dem beim Einschlag entstandenen Staub: Mit einer so geringen Menge lässt sich keine globale Katastrophe erklären. Inzwischen ist auch klar, dass die Menge der beim Einschlag freigesetzten Treibhausgase nicht für einen starken, weltweiten Klimawandel gereicht hat. Auch das hat die Saurier wohl nicht dahingerafft. Selbst Befürworter der Einschlagstheorie rätseln darüber, was denn nun eigentlich so tödlich daran war. Die einfache Lösung ist also nicht so einfach, wie sie erscheint. Leben in der Krise - Wie Phoenix aus der Asche?