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Das Ende des komplexen Lebens

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 11.09.2007 19:53

500 Millionen Jahre sind vergangen, seit der Mensch auf der Erde gelebt hat. Über Hunderte von Millionen Jahren war das Leben auf der Erde im steten Wandel begriffen: Neue Arten entstanden, verschwanden wieder. Auch der Mensch machte da keine Ausnahme. Er starb aus, wie Millionen Arten vor und nach ihm. Es war ein schier endloser Reigen. Doch jetzt scheint das vorbei.

Als die Zeit des Menschen zu Ende ging, hatten die Gletscher noch einmal die Erde für eine letzte Eiszeit erobert. Jetzt gibt es noch nicht einmal mehr Schnee auf der Welt. Wüste und Steppen haben gesiegt. Die Jahreszeiten haben keine Bedeutung mehr, Sommer und Winter unterscheiden sich nur durch die Länge der Tage. Das Ende spürt man zuerst in den Wäldern. Die Blütenpflanzen verschwinden, ebenso die Nadelbäume, deren Zeit nach 700 Millionen Jahren zu Ende geht. Palmen und Bambus übernehmen zunächst, Farne und Schachtelhalme erobern lange verlorenes Terrain zurück - doch auch sie kämpfen.

Unter einer erbarmungslosen Sonne wird die Pflanzendecke schütter, die seit Urzeiten die Kontinente wie ein grüner Pelz überzogen hatte. An Land ist es still. Ein paar Kakerlaken huschen durchs Gras. Springspinnen warten auf den Farnen darauf, dass ihnen eines der letzten Insekten zu nahe kommt. Die großen Raubtiere von einst sind nicht mehr, die letzten Ratten haben es schwer.

Nur die Meere sehen noch aus wie seit eh und je. Die Brandung schlägt gegen die Felsen, auf dem Wasser tanzen weiße Schaumkronen. In sie flüchtet sich das Leben vor der gleißenden Sonne. Es kehrt zurück ins Wasser, aus dem es einst vor Hunderten von Millionen Jahren an Land gestiegen ist. Fischschulen glitzern im warmen, sonnendurchfluteten Wasser, Seeanenomen wiegen sich in der Strömung, Seesterne jagen nach Muscheln. Aber durch die Lüfte zieht kein Seevogel mehr. Ihre Schreie sind längst verstummt.