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Eisbeobachtung von oben

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 22.02.2010 11:12

Die Polargebiete gehören zu den Schlüsselregionen im Klimasystem der Erde. Doch gerade über die gewaltigen Eisflächen ist zu wenig bekannt, um ihr Verhalten wirklich zuverlässig vorhersehen zu können. Neben dem US-amerikanischen Icesat soll jetzt der europäische Cryosat-2 die Lücken verkleinern. Sein Start ist für den 25. Februar vorgesehen. Der Flugkörper ist der zweite seines Namens, nachdem der ursprüngliche Satellit Ende 2005 mitsamt seiner Rakete abstürzte. Sein für den 25. Februar vorgesehener Start wurde verschoben.

MeereisDie Motoren des weltumspannenden Systems von Meeresströmungen, das die Energie über die Planetenoberfläche verteilt, sitzen in den hohen Breiten; das Eis der Polkappen reguliert den Meeresspiegel; die blendend weiße Oberfläche des polaren Eises strahlt eine Menge der Sonnenenergie zurück in den Weltraum, die die Erdoberfläche trifft. Trotz ihrer Bedeutung gibt es jedoch nur unzureichende Informationen über die Polargebiete. Die meisten Erdbeobachtungssatelliten wie etwa das Multifunktionstalent Envisat sparen sie auf ihren Bahnen aus und können sie daher nur aus der Entfernung und einem verzerrten Blickwinkel vermessen.  Zurzeit überfliegt ausschließlich der US-amerikanische Icesat die hohen Breiten.

CryosatDoch demnächst soll der Nasa-Satellit europäische Gesellschaft bekommen. Dann soll eine umgebaute Interkontinentalrakete vom Typ SS-18 Cryosat-2 ins All befördern, wo er in rund 700 Kilometern Höhe seine Runden um den Planeten drehen wird. In der zweiten Jahreshälfte soll der Erderkundungssatellit dann Messdaten zur Erde funken, gerade rechtzeitig zum Höhepunkt der arktischen Meereisschmelze im August/September. Insbesondere über die Dicke der auf dem Polarozean treibenden Schollen soll Cryosat bessere Informationen liefern können, als alle bisherigen Instrumente. An Bord befindet sich ein Allwetter-Radaraltimeter. Dieses Instrument dringt mit seinen Mikrowellen durch das Eis bis hinab zur Kontaktschicht zum Wasser oder im Fall der Gletscher zum Gestein. Die Daten sollen zentimetergenau die Veränderungen protokollieren können.

Polare GletscherPolar- und Klimaforscher in Europa und anderswo warten schon lange auf diese Daten, denn mit ihnen steht und fällt die Zuverlässigkeit der Prognosen über die Entwicklung des Meereises auf dem Nordpolarmeer. Auch die Veränderungen der gigantischen Eisschilde, die auf Grönland oder der Antarktis lasten, sind viel weniger genau bekannt als den Wissenschaftlern lieb ist. Kein Wunder, dass die internationale Klimazunft eine bessere Erfassung der Polargebiete als die große Herausforderung der kommenden Jahre ansieht. Die regelmäßigen und flächendeckenden Satellitendaten werden hierfür eine wichtige Datenbasis liefern.

Cryosat in AktionAllerdings setzt das voraus, dass der Satellit seinen Orbit auch erreicht und ordnungsgemäß in Betrieb geht. Der erste Eisbeobachtungssatellit der Esa stürzte im Oktober 2005 mitsamt seiner Trägerrakete in den arktischen Ozean. Ein Fehler in der Steuerungssoftware der Rakete verhinderte, dass sich die zweite und die letzte Raketenstufe voneinander trennten. Wenn Cryosat-2 erfolgreich im Orbit abgesetzt werden kann, soll er dort mindestens drei Jahre lang die Erde umkreisen, eine Verlängerung auf fünf Jahre ist möglich, muss allerdings von den Esa-Mitgliedsstaaten finanziert werden. Der ursprünglich für den 25. Februar, 14:57 Uhr mitteleuropäischer Zeit, vorgesehene Start wurde verschoben.

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