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Europas schärfstes Wetterauge

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 30.08.2007 17:01

Eine akkurate Wettervorhersage gehört heute zu den Standardinformationen, die man von den abendlichen Nachrichtensendungen erwartet. Schließlich will man wissen, ob die morgige Grillparty tatsächlich auch draußen stattfinden kann. Allerdings werden auch Unwetterwarnungen immer wichtiger, und diese beruhen auf möglichst detaillierten Wetterdaten. Satelliten sind für solche Prognosen von hervorragender Bedeutung und seit Donnerstag hat Europa einen neuen davon im All. MetOP-A soll auf einer viel niedrigeren Umlaufbahn die bewährten Meteosat-Satelliten ergänzen.

Beim fünften Anlauf war es dann endlich so weit: Europas erster polarer Wettersatellit MetOP hob nach vier abgebrochenen Countdowns störungsfrei am 19. Oktober, kurz vor 18:30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, vom Raumfahrtbahnhof Baikonur ab. Eine gute Stunde später lieferte die Fregat-Oberstufe der russischen Sojus-Rakete den Flugkörper in seinem Orbit 837 Kilometer über der Erdoberfläche ab. Der Wettersatellit ist der erste von insgesamt drei Flugkörpern, mit denen die Europäer ihre Wettervorhersagen wesentlich verbessern wollen. Zusammen mit entsprechenden Satelliten des US-Wetterdienstes NOAA können sie das Geschehen in der Atmosphäre bis hinauf zu den Polen protokollieren und ergänzen so die Meteosat-Wettersatelliten von Eumetsat.

Europas neuer Wettersatellit MetOP. Abbildung: Esa

Von diesen fliegen zurzeit zwei Satelliten in Höhe des Äquators in einem geostationären Orbit rund 36.000 Kilometer über der Erdoberfläche. Da sie immer über einem Punkt der Erdoberfläche verharren, haben sie aus dieser Höhe einen hervorragenden Überblick über ihre jeweilige Erdhälfte. Doch gerade in Richtung der Pole bekommen sie Schwierigkeiten, weil sich die Erdoberfläche unter ihnen wegkrümmt. Europa aber ist ein Kontinent, der relativ nahe am Nordpol liegt und dessen Wetter dadurch auch stark vom Pol beeinflusst wird. Ein schärferer Blick in Richtung der Pole schadet also nicht. Bislang wurde der von den amerikanischen Satelliten geliefert, mit den Flugkörpern der MetOP-Reihe bekommt Europa seine eigenen Augen.

Der jetzt gestartete Flugkörper wird die nächsten fünf Jahre seinen Dienst tun, die Satelliten B und C sollen als Nachfolger in viereinhalb beziehungsweise in neun Jahren gestartet werden, damit die Versorgung mit Wetterdaten bis zum Jahr 2020 gesichert ist. Die Umlaufbahn der Satelliten wird von Pol zu Pol führen, nur leicht schräger als die Längengrade und damit nahezu senkrecht zu den Meteosat-Bahnen verlaufen. Alle 101 Minuten wird der Satellit eine Erdumrundung vollendet haben und somit immer um 9:30 morgens den Äquator überfliegen. Sein US-Pendant wird immer um 14:30 Uhr den Äquator überfliegen, so dass die beiden Satelliten die Oberfläche bestmöglich abdecken.

Die amerikanischen und die europäischen Satelliten haben jeweils eine Reihe von sieben baugleichen Instrumenten an Bord, mit denen sie dieselben für die Wettervorhersage nötigen Parameter der Atmosphäre messen, wie etwa Temperatur oder Feuchtigkeit. Zusätzlich hat MetOP allerdings auch fünf neuartige Sensoren europäischer Bauart geladen, die unsere Lufthülle aus ganz neuen Blickwinkeln vermessen. So können außerordentlich detailreiche Querschnitte durch alle Atmosphärenstockwerke hindurch gemacht werden, die der Satellit überfliegt. Davon profitiert nicht nur die Wettervorhersage, sondern auch die Klimamodellierung, die in Zeiten von Treibhauseffekt und globalem Temperaturanstieg immer wichtiger wird. Mit den MetOP-Daten werden die Veränderungen in der Atmosphäre bis hinunter auf die Erdoberfläche fassbar. Rund 2,4 Milliarden Euro lassen sich Eumetsat und die europäische Raumfahrtagentur Esa die Satellitendrillinge bis 2020 kosten.