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Fluss im Klimawandel

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 27.02.2012 16:46

Die Maas gehört zu den eher unspektakulären Flüssen Europas. Für Aufsehen sorgt sie eigentlich nur, wenn sie im Frühjahr über die Ufer tritt und Namur, Lüttich, Maastricht oder Roermond überflutet. Man könnte daher meinen, der 925 Kilometer lange Fluss sollte vom Klimawandel nur wenig betroffen sein. Doch das dürfte ein Trugschluss sein. Das groß angelegte Amice-Projekt, an dem Institutionen der Wasserwirtschaft aus allen vier Staaten des Maasbeckens teilnehmen, soll die Konsequenzen des Klimawandels für das 36.000 Quadratkilometer große Einzugsgebiet untersuchen. Die Experten planen - so stellten sie auf dem Internationalen Wasserbau-Symposium in Aachen dar - für zwei Klimaextreme.

 Die Maas mit Hochwasser bei Roermond im Januar 2011 (Bild: Wikimedia/Grundig).

"Wir können entweder stärkere Trockenheit im Sommer bekommen oder stärkere Fluten im Winter", erklärt Amice-Koordinatorin Maité Fournier vom französischen Maas-Zweckverband EPAMA in Charleville, "das Problem mit dem Klimawandel ist eben, dass wir nicht ein mögliches Szenario haben, sondern viele." Klar ist, dass die Temperatur steigen wird, doch schon beim Blick auf die Niederschläge kommt selbst die eingeschränkte Zahl von Klimamodellen, die der Zwischenstaatliche Rat für Klimawandelforschung IPCC einsetzt, zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. "Wir müssen daher mit zwei gegensätzlichen Szenarien kalkulieren", erklärt die französische Wasserbau-Ingenieurin, "und Sommerdürre ist dabei ein ganz neues Problem." Einen Vorgeschmack auf Trockenheitsprobleme hat das Maasbecken allerdings schon erhalten. "Anfang letzten Jahres haben die Anrainer vom Unterlauf der Maas uns schon gefragt, ob wir aus unseren Talsperren einen Mindestabgabe von fünf Kubikmetern pro Sekunde garantieren könnten", berichtet Gerd Demny vom Wasserverband Eifel-Rur. 

Karte des Maas-Beckens aus dem Anhang zum internationalen Maas-Abkommen von 1995.Der Verband kontrolliert ein System von sechs Talsperren entlang der Rur und ihrer Quellflüsse, und die Rur ihrerseits ist wiederum ein wichtiger Nebenfluss der Maas. Das gilt besonders für Dürrezeiten, wenn die Talsperren das mit 300 Litern pro Sekunde spärliche Rurwasser auf 5000 Liter pro Sekunde bringen, und so maßgeblich dazu beitragen, dass zum Beispiel die Schadstofffracht der Maas ausreichend verdünnt bleibt. Für die Eifelgemeinden selbst spielt dagegen neben der Trinkwassergewinnung die Hochwasserregulierung die wichtigste Rolle. "Wir können zum Beispiel bei einem hundertjährlichen Regenereignis die Wassermenge an der unteren Rur von 300 Kubikmeter pro Sekunde auf 60 drosseln", so Demny.

Die Maas bei Namur (Bild: Wikimedia/Jean-Pol Grandmont).Unterschiedliche Anforderungen und dann auch noch Zukunftsszenarien, wie sie verschiedener nicht sein können. Die Wasserwirtschaftler im Maasbecken stehen vor einer großen Herausforderung, denn Investitionen in Wasserspeicher oder Schutzbauten sind teuer. Daher setzt man zunächst auf besseres Management. So können die Eifel-Talsperren flexibler gefahren werden, so dass man etwa entsprechend der aktuellen Wetterprognosen besonders viel Stauraum freimacht, um eine Hochwasserspitze abfangen zu können. "Die andere Möglichkeit ist, dass man versucht, die Kopplung von den Talsperren noch ein bisschen intelligenter zu machen", so Gerhard Demny, "zum Beispiel indem man eine Talsperre verstärkt für den Hochwasserschutz einsetzt, dafür eine andere Talsperre verstärkt für die Niedrigwasserauffüllung." So könne man auch mit den bestehenden Becken sowohl größere Fluten als auch stärkeren Wassermangel ausgleichen. "Wir haben eine Mindestfüllung von 16 Millionen Kubikmeter", erklärt der Wasserwirtschaftler, "mit den trockenen Szenarien wird man in diese 16 Millionen hineinfahren müssen, aber das Minimum werden 10 Millionen Kubikmeter sein, da ist dann immer noch eine Reserve drin." In der Eifel sieht man sich daher für den Klimawandel gerüstet, mag er mit größeren Winterfluten oder mit stärkeren Sommerdürren einhergehen.

Lüttich liegt beiderseits der Maas (Bild: Wikimedia/Jrenier).An der Maas selbst werden die Vorbereitungen schwieriger sein, insbesondere die Dürren dürften Probleme bereiten. "Vor allem wird die Industrie ihre Kühlsysteme anders fahren und ihr Kühlwasser mehrfach nutzen müssen, um sich an den Klimawandel anzupassen", erklärt Maité Fournier. Auch bei den Hauptanrainern Frankreich, Belgien und Niederlande treten die Nebenflüsse in den Fokus, denn "die Maas selbst", sagt die Amice-Koordinatorin, "ist mit Deichen oder Schleusen sehr stark reguliert." Vor allem Feuchtgebiete sollen renaturiert werden. "Sie speichern Wasser und geben es langsam wieder ab", so Fournier, "deshalb spielen sie sowohl in den Hochwasser- als auch bei den Dürre-Konzepten eine Rolle." Diese Naturschutzgebiete dienten daneben auch der Arterhaltung und der Naherholung für Städter. Solche Mehrfachnutzungen seien wichtig, da sie von der Bevölkerung eher akzeptiert würden: Ebenso wie die flachen Polder, die nur bei Hochwasser geflutet werden und ansonsten der Landwirtschaft dienen.