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Forschungsplattform von Weltrang

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 24.11.2014 13:14

Es sind die letzten Tage des jüngsten deutschen Forschungsschiffes in heimischen Gewässern. Nach ausgiebigen Testfahrten wurde die "Sonne" jetzt an die Wissenschaft übergeben. Derzeit besucht das Schiff fünf deutsche Küstenstädte, um der Öffentlichkeit zu zeigen, was der 124 Millionen Euro teure Neuzugang der deutschen Forschungsflotte leisten kann.

Das neue Forschungsschiff 'Sonne' am Tag der Übergabe (17.11.14) im Heimathafen Wilhelmshaven. (Bild: Holger Kroker)Am 2. Dezember wird sich die "Sonne" auf den Weg zum Panama-Kanal machen und von dort aus in den Ostpazifik. "Die Wissenschaftler haben sehr viel Expeditionserfahrung in den Bau dieses Schiffes eingebracht, so dass es das modernste Forschungsschiff seiner Art auf der Welt geworden ist", sagte Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung bei der Übergabe des Schiffes in Wilhelmshaven. Auf ausgiebigen Testfahrten in Nordsee und Nordatlantik hat das Schiff seine Leistungsfähigkeit bewiesen. Bis zu Windstärke 11 hatte geherrscht und trotzdem lag das Schiff nach Auskunft von Teilnehmern wie ein "Brett im Wasser". Damit setzt die neue "Sonne" eine gute Tradition fort, denn schon ihre Vorgängerin war für ihre ausgezeichnete Seegängigkeit bekannt. Bei der technischen Ausstattung und den wissenschaftlichen Möglichkeiten hat es dagegen einen Quantensprung gegeben. Die Echolote, mit denen das Schiff den Meeresboden vermessen kann, gehören beispielsweise zum Besten, was verfügbar ist. Die Tiefseewinde hat ein Kabel von 11.000 Meter Länge, kann theoretisch also Geräte in den Marianen-Graben hinunterlassen. Eine Hubkompensation sorgt dafür, dass die ausgefierten Instrumente ganz ruhig im Wasser schweben, auch wenn das Schiff an der Oberfläche mit Seegang zu kämpfen hat.

Die Öffentlichkeit konnte sich auf den Open-Ship-Tagen ein Bild von den Möglichkeiten der neuen "Sonne" machen. Eine Ausstellung an Bord zeigte die ganze Bandbreite: Von der Erforschung der Bodenschätze bis zu Klimafragen, von biologischen Bestandsaufnahmen zu permanenten ozeanographischen Messungen - das neue deutsche Mehrzweck-Schiff stellt für alle wissenschaftlichen Disziplinen eine Hightech-Plattform dar. "Die Sonne wird die deutsche Meeresforschung in ihrer bereits heute exzellenten internationalen Reputation weiter stärken", betonte Katharina Al-Shamery, Präsidentin der Universität Oldenburg. Das Oldenburger Institut für die Chemie und Biologie des Meeres ist das "Heimatinstitut" des neuen Schiffes und damit grundsätzlich für die wissenschaftliche Qualität der kontinuierlich an Bord erhobenen Daten, das Datenmanagement sowie die wissenschaftlichen Messsysteme verantwortlich. Dazu gehört das Ermitteln physikalischer und biologischer Standardmesswerte wie Salzgehalt, Temperatur und Algengehalt des Wassers, über eine eigene Wetterstation werden zudem meteorologische Größen aufgezeichnet.

Die erste eigene "Sonne"-Fahrt wird das ICBM 2016 von den südpazifischen Fidschiinseln bis Alaska führen. Im kommenden Jahr bleibt das Schiff im Ostpazifik vor der südamerikanischen Küste und wird dort von biologischen bis zu geophysikalischen Untersuchungen die ganze Bandbreite der Meeresforschung durchführen. "Schiffe wie die 'Sonne' sind sinnvolle und wichtige Zukunftsinvestitionen", bekräftigte Bundesministerin Wanka bei der Übergabe und signalisierte gleichzeitig, dass die Bundesregierung Großes vorhat: "Wir haben in den vergangenen drei Jahren etwa 270 Millionen Euro für Meeres-und Polarforschungsprojekte aufgewendet. In den nächsten Jahren wird es in den Milliardenbereich gehen, weil wir von den acht Forschungsschiffen vier erneuern." Neben der "Sonne" sind Nachfolger für den Forschungseisbrecher "Polarstern", die "Meteor" und die mittelgroße "Poseidon" geplant. Für "Polarstern" sind die Planungen bereits angelaufen.

Nach dem letzten Besuchstag für die Öffentlichkeit in Kiel wird die "Sonne" umgehend für die Abfahrt in Richtung Panamakanal vorbereitet. "Die Wissenschaftler scharren schon mit den Füßen, dieses Schiff zu bekommen", meinte Bernard Meyer schon bei der Übergabe. Er ist Chef der gleichnamigen Werft, auf der das Schiff gebaut wurde. Und tatsächlich ist die Schlange der Forschergruppen lang, die das neue Hightech-Schiff einsetzen wollen. Auf dem Weg ins künftige Einsatzgebiet im Pazifischen und Indischen Ozean steht noch eine letzte große Erprobungsfahrt auf dem Programm. Dazu wird das Helmholtzzentrum für Ozeanforschung Geomar sein "ROV Kiel 6000" an Bord bringen und und auf der Fahrt zu den Kanarischen Inseln den Einsatz des tonnenschweren Tieftauchroboters üben. Danach muss sich das neue Schiff im wissenschaftlichen Alltag bewähren. "Wir haben der Wissenschaft ein schönes Werkzeug gegeben", so Bernard Meyer, "machen Sie etwas damit!" Das werden sich die Forscher nicht zweimal sagen lassen.

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