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Frühestes Schminkstudio gefunden

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 21.10.2011 16:30

"Ein bedeutender Schritt bei der Entwicklung komplexer menschlicher Denkmuster" werde durch den Fund illustriert. So wertet der südafrikanische Archäologe Christopher Henshilwood selbst seine Entdeckung in der südafrikanischen Blombos-Höhle. In der Fachzeitschrift "Science" berichten Henshilwood und Kollegen über 100.000 Jahre alte Ockerpaste, die von Bewohnern der Höhle angerührt und in Schneckenschalen aufbewahrt wurde. Es wäre die älteste bezeugte Schminke der Menschheitsgeschichte - wozu sie letztendlich diente, ist allerdings unbekannt.

Ausgrabung in der Blombos-Höhle

Im Sand, der den Boden der Höhle an der Südküste zum Indischen Ozean meterhoch bedeckt, fanden Henshilwood und seine Kollegen zwei Abaloneschalen, etliche Mahlsteine und die Rohmaterialien für eine ockerhaltige Paste, deren Spuren noch in den beiden Schneckenschalen klebte. All das befand sich in einer ungestörten Bodenschicht, ein Indiz dafür, dass es nicht berührt wurde, seitdem seine Besitzer es vor rund 100.000 Jahren dort abgelegt hatten.

 

Abalone in situOcker, also gelbe bis braunrote Farbe aus kleingemahlenem Eisenmineralen, wird in vielen ursprünglichen Kulturen für die Körperbemalung eingesetzt. Auch die frühen Menschen setzten auf das Pigment, das zeigen vereinzelte Funde mit einem Alter von rund 60.000 Jahren und natürlich die so genannte Eiszeit-Kunst von der Schwäbischen Alb oder aus den Höhlen im französischen Südwesten. Doch der Fund in der Blombos-Höhle ist mit seinem durch verschiedene Lumineszenz- und Isotopenverfahren bestimmten Alter von rund 100.000 Jahren der bei weitem älteste und er liegt an der äußersten Südspitze Afrikas. Davon, dass der Mensch die Kunst auf dem Weg aus Afrika heraus oder gar erst in Europa erfand, kann nach Henshilwoods Ansicht angesichts der Blombos-Funde nicht mehr die Rede sein. Denn die frühen modernen Menschen verließen vermutlich erst vor rund 70.000 Jahren den afrikanischen Kontinent und kannten da - wenn der Südafrikaner mit seiner Interpretation recht behält - schon lange die Verwendung von Ocker zur Körperbemalung. 

Ausblick aus der Blombos-HöhleAllerdings gibt es keinen Hinweis darauf, wofür die Farbe verwendet wurde. Eindeutig ist nur, dass die Bewohner der Blombos-Höhle die Ocker-Produktion schon vor 100.000 Jahren beherrschten. Sie sammelten sich die Rohstoffe für diese Paste in einem größeren Gebiet von etlichen Kilometern Ausdehnung, zerkleinerten die Minerale und verrührten sie in den Schneckenschalen mit Knochenmark, Holzkohle und einer unbekannten Flüssigkeit zu einer Paste. Die Abaloneschalen wurden ebenfalls für die Farbherstellung präpariert, denn die Kette von Löchern in den Schalen, durch die die lebende Schnecke atmet, wurde absichtlich verstopft. Henshilwood und seine Kollegen sehen in ihrem Fund Indizien dafür, dass der Homo sapiens, der damals die Höhle an der südafrikanischen Küste bewohnte, zu Langzeitplanung fähig war, eine der Fähigkeiten, die uns Menschen von allen anderen Tierarten unterscheiden.  

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