Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Wissen Frühe Musiker

Frühe Musiker

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 01.07.2009 17:09

Die Grabungssaison 2008 im oberschwäbischen Achtal muss sehr ergiebig gewesen sein. Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen stellen Eiszeitarchäologen der Universität Tübingen ein Kunstwerk vor, das einen neuen Altersrekord setzt. Nach der „Venus vom Hohle Fels“ präsentierten die Wissenschaftler um Nicholas Conard jetzt aus derselben Grabung die Fragmente von drei Flöten, eine davon aus einem Gänsegeierknochen, die älter als 35.000 Jahre ist.

KnochenflöteZusammen mit den Flöten, die man in den beiden anderen Fundstellen Geissenklösterle und Vogelherd im Lonetal fand, sind die Hohle-Fels-Flöten die ältesten bisher bekannten Musikinstrumente. „Diese Funde zeigen eine gut etablierte Musiktradition bereits zu der Zeit, in der anatomisch moderne Menschen Europa besiedelten“, schreiben die Autoren in einer Online-Veröffentlichung des Fachblatts „Nature“. Dass die Instrumente und auch die zahlreichen auf der Schwäbischen Alb gefundenen Kunstwerke von unseren Vorfahren und nicht den Letzten der Neandertaler stammen, halten die Tübinger Eiszeitforscher für mehr als wahrscheinlich. Denn noch nie seien Neandertalerknochen zusammen mit solchen Kunstwerken gefunden worden, Überreste des anatomisch modernen Menschen dagegen schon. Bei den Funden aus der Zeit, in der beide Menschenarten nebeneinander in Europa vorkamen, ist dieses Argument allerdings nicht ganz stichhaltig, denn bei keinem der Funde von der Schwäbischen Alb wurden bislang Menschenknochen gefunden. Dennoch spricht die Wahrscheinlichkeit für anatomische moderne Menschen als Erzeuger.

Knochenflöte in situDie Forscher gehen inzwischen davon aus, dass die Flöten nicht nur in religiösen Zeremonien verwendet wurden, sondern dass Musik eine große Rolle im Alltag der Jungsteinzeitmenschen spielte. Dafür spricht die Zahl der inzwischen gefundenen Instrumente und die Tatsache, dass sie häufig zusammen mit Abfall gefunden wurden, also keine herausgehobene Bedeutung für die damaligen Menschen gehabt haben können. Neben der Flöte aus einem Armknochen des Gänsegeiers fanden die Archäologen auch Instrumente aus Elfenbein, die wesentlich schwieriger anzufertigen waren. Anders als der Vogelknochen ist Elfenbein nicht hohl, so dass der massive zunächst einmal durchbohrt werden musste, damit man auf ihm musizieren konnte.

Knochenflöte, restauriertDie Flöten und viele andere Funde von der Schwäbischen Alb werden vom 18. September bis zum 10. Januar in der Landesausstellung „Eiszeit - Kunst und Kultur“ in Stuttgart zu sehen sein.

Verweise
Bild(er)