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Gang in die Unterwelt

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 19.06.2009 12:11

„Die eigentlichen Höhlenmenschen leben heutzutage“, bringt es Wilfried Rosendahl, Kurator an den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim auf den Punkt. Rosendahl ist Höhlenforscher aus Leidenschaft und dazu einer der wenigen, die sich auch aus Profession um die Kavernen und Hohlräume im Untergrund kümmert. Höhlen erfreuen sich wachsender Beliebtheit und der Mannheimer Wissenschaftler kann von mancher Höhle berichten, die am Wochenende von Tagestouristen geradezu überschwemmt wird. „Die Höhlenforschung hat eine ästhetische Qualität, das ist eine Mischung aus Bildhauerei und Architektur“, schwärmt Stefan Kempe, Geologieprofessor an der Technischen Universität Darmstadt, „es gibt nichts Schöneres als da einfach noch einmal in der Unterwelt zu sitzen und irgendwo hinten leuchtet ein Licht.“

EisriesenweltDabei bieten Höhlen nicht nur ästhetischen Genuss und Nervenkitzel, sondern sind eine wahre Fundgrube für wissenschaftliche Informationen. „Wir hören sehr viel von Klimaarchiven in Eis- und Tiefseebohrkernen“, so Kempe, „aber Höhlen können vielleicht ein bedeutenderes Archiv sein, weil es sie ja fast weltweit gibt.“  Und in vielen sammeln sich über Jahrtausende und Jahrmillionen Zeugen der Vergangenheit an. Da sind zum Beispiel die Tropfsteine, die in feinen Schichten aus dem Wasser entstehen, das von der Oberfläche in die Höhlen sickert. Während diese Klimaforschung an Tropfsteinen erst am Anfang steht, sind die Höhlen als Sammelstellen für Fossilien, Knochen oder andere Zeugen der Vergangenheit schon seit Jahrhunderten bekannt. Auch die ältesten Kunstwerke der Menschheit verdanken wir den Höhlen.

Rund 12.000 Höhlen sind in der Bundesrepublik erfasst. Ganz kleine unscheinbare Löcher sind darunter, aber eben auch imposante Kathedralen, die mit weiten Hallen kolossalen Säulen und funkelnden Decken beeindrucken.  „Atlantis ist als achter Kontinent bezeichnet worden, die Welt unter unseren Füßen ist sicherlich auch so ein Kontinent“, meint Wilfried Rosendahl. Rund 2000 Deutsche teilen seine Leidenschaft und sind Mitglied im Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher: „Unsere Vorfahren“, meint der Enthusiast, „ haben die Unterwelt nie so besucht wie Höhlenforscher es heute tun.“

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