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Gefährdeter als gedacht

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 19.06.2009 12:57

Der Ballungsraum New York mit seinen rund 20 Millionen Einwohnern ist doch erdbebengefährdet und das nächste größere Beben steht statistisch gesehen bevor. Das berichten Seismologen des Lamont-Doherty Erdobservatoriums an der renommierten Columbia Universität im Bulletin der Seismologischen Gesellschaft Amerikas. Die Wissenschaftler hatten sich die Aufzeichnungen seit 1677 erneut vorgenommen, die immerhin 383 Beben auflisten. Zusätzlich hatten sie die Daten des seismologischen Netzwerks herangezogen, das seit 34 Jahren den Untergrund im Nordosten der USA überwacht.

New York CityDanach ist die Erdbebengefahr zwar wesentlich geringer als auf der anderen Seite des Kontinents, doch rechnen die Experten im Bebenfall trotzdem mit Milliardenschäden, weil der größte Ballungsraum der USA empfindlich getroffen würde. In New York muss offenbar im Jahrhundertrhythmus mit  Beben der Magnitude 5 gerechnet werden. Solche Beben sind auch in Deutschland möglich. So hatte das stärkste Beben der vergangenen Jahre, das sich 1992 in der deutsch-niederländischen Grenzregion ereignete, eine Magnitude von 5,9. Es entstanden Schäden von insgesamt 150 Millionen Euro.


In der extrem dicht besiedelten Metropole New York erwarten die US-Forscher dagegen wesentlich höhere Schäden, allerdings weniger durch zusammenfallende Gebäude als durch die Störungen in Verkehr, Energieversorgung und Wirtschaft, die ein solches Ereignis nach sich zöge. Vorläufer gibt es durchaus, Magnitude-5-Beben haben die Forscher in den Jahren 1737, 1783 und 1884 identifiziert. Das jüngste davon hatte sein Epizentrum unter dem Meer zwischen New Jersey und Brooklyn. Folgt man dieser Zeitreihe, wäre demnächst wieder ein derartiges Ereignis zu erwarten.


Der Untergrund rings um die Metropole ist von überraschend vielen Störungen durchzogen, die offenbar aktiver sind als man bisher glaubte. Anders als in Kalifornien mit seiner dominierenden San-Andreas-Verwerfung gibt es unter dem Nordosten der USA ein dichtes Netzwerk von sehr kleinen Störungen. In diesem Netzwerk können sich beunruhigenderweise auch stärkere Beben mit Magnituden 6 und 7 aufbauen. Bei solchen Ereignissen rechnen Experten mit Schäden von 40 beziehungsweise 200 Milliarden Dollar.


Allerdings schätzen die Seismologen, dass sich Magnitude-6-Beben alle 670 Jahre und solche mit Magnitude 7 alle 3400 Jahre ereignen. Spuren solcher Beben haben die Forscher bislang nicht gefunden, daher kann niemand voraussagen, ob und wann sie sich ereignen. Gleichwohl sind Staat und Stadt derzeit dabei, die Infrastruktur der Region auf ihre Bebenfestigkeit zu überprüfen.

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