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Gefiederter Riesenräuber

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 04.04.2012 16:04

In der chinesischen Nordprovinz Liaoning haben Paläontologen den bislang größten Federträger der Erdgeschichte entdeckt. Yutyrannus huali war ein primitives Mitglied der Familie der Tyrannosaurier und nahezu von Kopf bis Fuß in ein Kleid aus flaumigen Federn gehüllt. In der aktuellen "Nature" wird das jüngste Mitglied der gefiederten Saurier vorgestellt.

Der größte bekannte Federträger der Erdgeschichte: Yutyrannus huali (Bild: Nature/Brian Choo).
Es war vielleicht nicht die überzeugendste Kreation von Mutter Natur als Modeschöpferin: ein knapp 1,5 Tonnen schwerer, neun Meter langer Raubsaurier, der Rachen starrend von langen scharfen Zähnen, reißende Klauen selbst an den kurzen Armen - und das alles gehüllt in ein schütteres Federkleid aus mindestens 15 Zentimeter langen flaumartigen Federn. "Die Federn hatten möglicherweise auch Signalwirkung, vielleicht durch leuchtende Farben", sagt Corwin Sullivan, Professor am Institut für Wirbeltier-Anthropologie der chinesischen Akademie der Wissenschaften, "aber dass sie als Wärmeschutz gedacht waren, ist ziemlich sicher."

Sullivan gehört zu einer Arbeitsgruppe aus China, die Yutyrannus huali in "Nature" vorgestellt hat. Der Tyrannosaurier aus der frühen Kreidezeit ist der jüngste Fund aus der immer wieder für Überraschungen sorgenden chinesischen Nordprovinz Liaoning und ein entfernter Verwandter des berüchtigten Tyrannosaurus rex. Er hatte die Federisolierung offenbar nötig, denn obwohl die Kreidezeit im Allgemeinen eine ziemlich warme Periode war, gab es doch ausgeprägte Klimaschwankungen. "Geochemische Untersuchungen aus der jüngsten Zeit zeigen", so Sullivan, "dass die Zeit, in der Yutyrannus lebte, für die Verhältnisse in der Kreidezeit kalt war - eher so wie das heutige Klima." Für die nordchinesische Liaoning-Provinz der frühen Kreide hat man eine Jahresmitteltemperatur von nur zehn Grad ermittelt, heutzutage liegt sie je nach Standort bei sechs bis elf Grad.

Künstlerische Vorstellung einer Gruppe von Yutyrannosaurier zusammen mit zwei Beipiaosauriern in einer frühkreidezeitlichen Landschaft (Bild: Nature/Brian Choo).Das Fossil wurde bereits vor einem Jahr entdeckt und schlummerte zunächst in lokalen Museen. Erst in Zusammenarbeit mit den Spezialisten von der Akademie der Wissenschaften in Peking zeigte sich das ganze Potential des Fundes. "Wir haben ganze Hautstücke mit Federn von verschiedenen Stellen des Körpers gefunden", erläutert Sullivan, "das legt nahe, dass das Tier nahezu vollständig in ein Federkleid gehüllt war." Die Federn waren mindestens 15 Zentimeter lang, am Nacken mehr als 20 Zentimeter, an den Oberarmknochen nur rund 16 Zentimeter. "Die Federn selbst waren nur einfache haarförmige Strukturen", erklärt Xu Xing, Professor am Institut für Wirbeltierpaläontologie, "das Federkleid sah mehr aus wie der Flaum von Küken als die Federn von ausgewachsenen Vögeln."

Yutyrannus war ein relativ primitiver Vertreter der sogenannten Tyrannosauroiden, also der größeren Saurierfamilie, deren Namensgeber der berühmte Tyrannosaurus rex ist. Der neue Raubsaurier lebte in der unteren Kreidezeit, das Fossil wurde auf ein Alter zwischen 130 und 112 Millionen Jahre datiert. Es war weder so groß noch so spezialisiert wie der berühmte T. rex, "aber", sagt Corwin Sullivan, "er ist auch nicht der primitivste Tyrannosauroide, den wir kennen". Auf jeden Fall ist Yutyrannus huali der größte gefiederte Saurier, den man bislang gefunden hat. Er ist etwa 40 Mal größer als der bisherige Rekordhalter Beipiaosaurus, auch er ein Fossil aus Liaoning.

Yutyrannus-Fossil mit erhaltener Feder aus der unteren Kreidezeit. Fundstätte: Liaoning.Yutyrannus war wohl ein furchteinflößender Jäger, vor dem im damaligen Ökosystem kaum ein Lebewesen sicher war. "Kleinere Dinosaurier und Säugetiere, die damals hier vorkamen, standen sicher auf dem Speiseplan", erklärt der kanadische Anatomiespezialist, "wir finden viele mögliche Kandidaten in den Fundstätten, aber was genau nun zu seiner Beute gehörte, wissen wir nicht." Der Paläontologe Sullivan erwartet auch in Zukunft weiter Überraschungen aus der Provinz in der Nähe zur nordkoreanischen Grenze. "Damals hat es hier einen intensiven Vulkanismus gegeben und die großen Ascheablagerungen haben Weichgewebe wie Federn oder Haut hervorragend konserviert", erklärt er. Sehr wahrscheinlich war Yutyrannus nicht die letzte verrückte Kreation von Mutter Natur, die in Nordchina ans Tageslicht gelangt.