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Glücklich auf der Nase gelandet

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 17.11.2014 14:00

Die erste Landung einer Raumsonde auf einem Kometenkern hat offenbar gut geklappt. Die ESA-Sonde Philae sendet regelmäßig von der Oberfläche von Tschurjumow-Gerasimenko. Allerdings gibt es Probleme mit der Lage der Sonde.

Erste Landeplatz von Philae auf dem Kometen 67P Tschurjumow-Gerasimenko aus der Umlaufbahn gesehen. (Bild: ESA/Rosetta/MPS)Die Landesonde Philae ist auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko angekommen. Allerdings ist sie noch zweimal weitergehüpft, weil die Harpunen, mit denen sie sich festkrallen sollte, nicht funktioniert haben. So blieb der etwa kühlschrankgroße Technikwürfel nicht in der Landezone Agilkia, die er offenbar genau traf. Stattdessen prallte er ab und flog zwei Stunden lang und einen ganzen Kilometer weit in einen Krater, den die ESA-Wissenschaftler im Sommer auch als Landepunkt erwogen, dann aber verworfen hatten. Von da aus ging es noch einen weiteren kurzen Satz zum endgültigen Landeort. Mit der Osiris-Kamera der Orbitersonde Rosetta haben die ESA-Ingenieure inzwischen den Ort der ersten Landung identifiziert, er lag ziemlich genau im Zentrum der Landezone. Wo der endgültige Landeplatz liegt, versuchen die Experten derzeit mit weiteren Rosetta-Bildern herauszufinden. Über die konkrete Umgebung weiß man dagegen gut Bescheid, denn die CIVA-Kamera an Bord von Philae hat hochaufgelöste Nahaufnahmen geschossen. "Der Lander ist etwa einen Meter von einer Wand entfernt", sagt Philae-Chefwissenschaftler Jean-Pierre Bibring von der Paris-Süd in Orsay.

Blick auf die nähere Umgebung der Landesonde Philae auf dem Kometen 67P Tschurjumow-Gerasimenko. (Bild: ESA/Rosetta/Philae/CIVA)Die Sonde hat die ungeplanten Bocksprünge offenbar unbeschadet überstanden. Bilder, die die Landesonde in der Nacht zum Donnerstag übermittelt hat, legen allerdings nahe, dass sie nicht horizontal auf der Kometenoberfläche sitzt, sondern ein Landebein in die Höhe streckt. Deshalb liegen jetzt die Solarmodule auf ihrer Oberseite in einem ungünstigen Winkel zum einfallenden Sonnenlicht. Statt sechs bis sieben Stunden empfangen sie nur für 1,5 bis zwei Stunden Energie. "Wir gewinnen so wesentlich weniger Strom für die Batterien als wir uns wünschen", erklärte Philae-Projektmanager Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Derzeit versorgt sich das Gerät aus seinen vorgeladenen Batterien. "Der morgige Arbeitstag ist problemlos, danach wird es kritisch", so Ulamec mit Blick auf die Energieversorgung. Zusammen mit der unklaren Position diktiert das auch den Wissenschaftsplan auf der Kometenoberfläche. Das Bohrvorhaben in den Kometenkörper wurde zurückgestellt, weil zunächst die Stabilität der Lage geklärt werden muss. Auch die Harpunen werden erst einmal nicht abgefeuert, weil "jede Bewegung", so Bibring, "dort oben eine Reaktion hervorruft". Stattdessen werden die Spektrometer und Kameras an Bord eingesetzt.

Bild der ersten Landezone auf dem Kometen 67P Tschurjumow-Gerasimenko. (Bild: ESA/Rosetta/Philae/ROLIS/DLR) Dennoch bleibt die Probennahme aus dem Untergrund hoch oben auf Jean-Pierre Bibrings Prioritätenliste. "Probennahme und Bohren sind der Kern dieser Mission", verkündete er sichtlich übernächtigt auf der ESA-Pressekonferenz, "wir werden es tun, wenn wir die Möglichkeit haben." Der Wunsch der Kometenwissenschaftler ist verständlich, haben doch schon die Landung und die Hopser gezeigt, dass Tschurjumow-Gerasimenko nicht gerade so aufgebaut ist, wie es sich die irdischen Wissenschaftler gedacht haben. Die Oberfläche ist offenbar nicht von einer dicken Staubschicht bedeckt, sondern aus festem Material. Auf einem Bild, das Philaes Rolis-Kamera 40 Meter über der Oberfläche schoss, ist ein fünf Meter großer Block zu sehen, der aus dem Boden emporragt. "Dennoch darf man sich das Material nicht wie Fels vorstellen", so Jean-Pierre Bibring, "die Dichte des Kometen beträgt nur 0,2 bis 05, Gramm pro Kubikzentimeter." Das entspricht eher der Dichte von trockener Erde als der von Gestein.

Derzeit arbeiten die ESA-Wissenschaftler das neue Arbeitsprogramm für Philae aus. Es wird zur Orbitersonde Rosetta geschickt, die es auf die Kometenoberfläche weiterleitet. Vermutlich wird man versuchen, seine Lage so zu verbessern, dass die Solarzellen mehr Sonnenlicht einfangen können. Doch auch mit der derzeitigen Ausbeute könnte Philae lange überdauern. "Die Sonde hat einen Überwinterungsmodus, in den sie bei Energiemangel fällt", so Missionsmanager Ulamec. Dann werden alle Instrumente abgeschaltet und der Würfel wartet auf den nächsten Sonnenstrahl, um seine Batterien aufzuladen. Genug Zeit hat er jedenfalls, Rosetta soll noch bis weit ins nächste Jahr den Kometen Tschurjumow-Gerasimenko auf seinem Weg in Richtung Sonne begleiten. Gut möglich, dass sich die Lichtverhältnisse an Philaes Standort im Lauf dieser Reise verbessern.

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