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Hitziges Duell um Dinosaurierende

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 06.03.2013 15:35

Das Ende der Dinosaurier und der Beginn der Erdneuzeit bleiben ein heftig umstrittenes Gebiet. Seit Alvarez Vater und Sohn die berühmte Iridium-Lage an der Sedimentgrenze von Kreide und Paläogen, früher Tertiär, entdeckten und damit den Asteroiden als Dinosaurierkiller ins Gespräch brachten, streiten sich die Lager. Und so kommt es, dass ein Aufsatz in Science nun heftige Reaktionen auslöst: Danach soll doch der Asteroid der Schuldige sein. Auf einer Tagung Ende März in London treffen die Kontrahenten aufeinander - ob das allerdings den Disput lösen wird, bleibt zweifelhaft.

Sedimentlagen in Nordost-Montana. Der Pfeil bezeichnet den Horizont des Organismenwechsels. (Bild: Science/Paul Renne)"Hoch präzise" Datierungen für die Ereignisse im Herzen der Kontroverse hat nach eigenen Angaben eine Arbeitsgruppe um Paul Renne, den Chef des Geochronologie-Zentrums an der Universität Berkeley in Kalifornien, in "Science" präsentiert. Renne ist ein anerkannter Spezialist für die Argon-Argon-Datierung, die für die K-P-Ereignisse angewendet wurde. Datiert haben die Forscher Schmelzkügelchen aus Haiti, die dem Einschlag im Chicxulub-Krater zugeordnet werden. Ebenso datiert wurden Tonschichten aus zwei Vorkommen in Montana, die eine Iridium-Anomalie aufweisen und den Kreidezeit-Paläogen-Wechsel von Fauna und Flora rings um diese iridiumreiche Lage konserviert haben. "Wir haben gezeigt, dass die beiden Ereignisse innerhalb unserer Fehlergrenzen gleichzeitig waren", erklärte Renne in einer Pressemitteilung der Universität Berkeley.

Asteroideneinschlag in Chicxulub. (Bild: NSF/Nasa)Nach Rennes Daten schlug der Asteroid vor 66,039 Millionen Jahren auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan ein, die Schichten aus Montana wurden auf 66,043 und 66,019 Millionen Jahre vor heute datiert. Alle Angaben sind gewogene Durchschnittsangaben für viele Dutzend Messungen und haben Fehlergrenzen von +/- 28.000 beziehungsweise 11.000 und 22.000 Jahre. Einschlag und Aussterben lägen also tatsächlich nahe beieinander. "Die Präzision wäre außerordentlich, wenn sie denn wahr wäre", schreiben dagegen Gerta Keller und Thierry Adatte in einer Stellungnahme für planeterde.de. Keller und Adatte, Geologie-Professoren in Princeton und Lausanne, sind die profiliertesten Asteroiden-Gegner. Sie vertreten die These, dass gewaltige Vulkanausbrüche im indischen Dekkan-Plateau die Zeit der Dinosaurier beendeten.

Die Dekkan-Trapps werden zunehmend für das Ende der Dinosaurier verantwortlich gemacht. (Bild: NSF/Zina Deretsky)"Jede dieser [i.e. Argon-Argon-]Messungen hat einen Fehlerbalken von mindestens einem Prozent, also 660.000 Jahre, weil Argon über die Zeit hinweg ausgast und verloren geht. Alle Altersangaben sind daher irreführend, was Präzision und Treffsicherheit angeht", heißt es in der schriftlichen Entgegnung. Neben diesen grundsätzlichen Datierungsfragen gehen die beiden Geologen auch die von Renne und seiner Arbeitsgruppe ausgewählten Bodenproben an: "Alle Kügelchen aus Haiti sind in die früheste Epoche des Paläogen eingearbeitet worden und auch ihre Datierung hat sehr große Fehlerbalken", schreiben sie. Zudem gäbe es verschiedenartige Kügelchen, die verschieden alt seien, Renne und Kollegen lieferten jedoch keine Informationen, welche sie analysiert haben. Noch härter ist Kellers und Adattes Urteil über die Vergleichsproben aus Montana: "Die Identifizierung der Kreide-Paläogen-Grenze in Montana aufgrund der Iridium-Anomalie ist höchst suspekt." Die Iridium-Lage befinde sich in einem Horizont, in dem sich die Sedimentation geändert habe, relativ kleine Iridium-Anomalien könnten daher nicht als Anzeichen für einen Fallout des Asteroideneinschlags angesehen werden.

Paul Renne sammelt Proben in Nordost-Montana. (Bild: Science/Courtney Sprain)Eine direkte Entgegnung auf Paul Rennes "Science"-Aufsatz wollen die beiden Geowissenschaftler nicht schreiben. "Geochronologen werden das in einer Reihe von kommenden Berichten besser tun, als wir es könnten", schreibt Keller. Allerdings werden alle drei Ende März an einer Tagung der Mineralogical Society über die fünf Massenaussterben im Lauf der Erdgeschichte in London teilnehmen und ihre jeweiligen Ergebnisse vortragen. Ob sich dort die Positionen annähern werden, bleibt abzuwarten. Schließlich sagen Paul Renne und seine Kollegen in ihrem Aufsatz deutlich, dass der Asteroideneinschlag nur der letzte Schlag für eine schon ums Überleben kämpfende Welt bedeutete. "Das ist ein Quantensprung im Vergleich zu ihren früheren Aussagen", schreiben Keller und Adatte. Ihrerseits beharren sie darauf, dass der Einschlag mindestens 100.000 Jahre vor der Kreide-Paläogen-Grenze erfolgt sei. Eine globale Wirkung sprechen sie ihm weiterhin ab.