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Karrieresprung

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 29.11.2010 14:53

Vor 65 Millionen Jahren verschwanden die Dinosaurier geradezu über Nacht. Die großen Profiteure der Katastrophe waren die Säugetiere, eine bis dato marginale Wirbeltierklasse, die während der langen Echsenherrschaft neben ein paar gerade einmal hundegroßen Räubern hauptsächlich verhuschte Unterholzbewohner hervorgebracht hatte. Nach dem Machtwechsel blühten die Säuger dagegen auf und erreichten fast die Körpergrößen der größten Dinosaurier. Eine Forschergruppe hat den Aufstieg der Säugetiere für alle Kontinente untersucht und eine verblüffend übereinstimmende Entwicklung gefunden. In der aktuellen "Science" berichten sie darüber.

Afrikanisches Paradies, großWahrlich gut nutzten die Säugetiere die Gelegenheit, als vor 65 Millionen Jahren wie mit einem Paukenschlag die lange Vorherrschaft der Dinosaurier endete.  Innerhalb von nicht einmal 25 Millionen Jahren explodierte die Artenvielfalt der bis heute das Bild bestimmenden Wirbeltierklasse. "Das ist für geologische Begriffe ein sehr kurzer Zeitraum und demonstriert eine wirklich rapide Evolution", erklärt Biologieprofessorin Jessica Theodore von der Universität Calgary.

Das zeigt sich vor allem bei der Masse. Die Säugetiere des Paläogens legten darin ungeheuer zu und brachten im Vergleich mit ihren bescheidenen Vorgängern aus der Dinosaurierzeit ein Mehrfaches auf die Waage. Das bislang größte Säugetier Indricotherium transouralicum, ein hornloser Verwandter des Rhinozeros' aus Eurasien wird auf rund 17.000 Kilogramm geschätzt, die größten Säuger des Erdmittelalters lagen dagegen bei rund 15 Kilo. Im Durchschnitt verdreifachte sich die Masse der Säugetiere vom Ausgang der Kreidezeit bis zum Ende des Eozäns. "Das geschah auf allen Kontinenten, über alle Entwicklungslinien hinweg und sowohl bei Pflanzen als auch bei Fleischfressern", betont Felisa Smith, Biologieprofessorin an der Universität von New Mexico und Leiterin der Arbeitsgruppe.

GrößenvergleichBislang hatte man solches nur für die Arten in Nordamerika gezeigt und stillschweigend angenommen, dass auf den anderen Kontinenten ähnliches vor sich gegangen war. Tatsächlich ist genau das auch der Fall gewesen. Überall dort, wo die Dinosaurier verschwanden, traten Säugetiere ihre Nachfolge an und besetzten die verfügbaren ökologischen Nischen. Da zu diesen auch die von den gigantischen Echsen gehörten, sind ihre Säugetier-Nachfolger gleichfalls ins Riesenhafte gewachsen. Das geschah in nur wenigen Millionen Jahren bis eine bestimmte Obergrenze erreicht war. Diese Entwicklung galt sowohl für Pflanzen- wie auch für Fleischfresser, wobei letztere allerdings wesentlich kleiner blieben. Die größten Fleischfresser erreichten nur rund eine Tonne Lebendgewicht, das Größenverhältnis zwischen beiden Gruppen war also in etwa so wie es heutzutage auch noch ist. 


Die weltweit gleiche und rapide Reaktion dürfte auf das radikale Massenaussterben der Dinosaurier zurückzuführen sein, die schlagartig alle Positionen räumten. "Dass so viele von einander unabhängige Linien überall auf der Welt die gleiche Entwicklung zeigten, ist ein Hinweis dafür, dass über all die gleichen ökologischen Nischen gefüllt werden mussten und die Säugetiere denselben ökologischen Anforderungen begegneten", erklärt John Gittleman von der Universität Georgia.

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