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Katzenreptil vom Südkontinent

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 06.08.2010 10:44

Die Welt der Kreidezeit wurde beherrscht von den Dinosauriern. Doch neben dieser dominanten Tiergruppe gab es eine Vielzahl anderer, kleinerer und weniger auffälliger Gruppen, die zu bemerkenswerter Vielfalt gelangten. Eine dieser Gruppen waren die Notosuchia, kleine mit den heutigen Krokodilen verwandte Reptilien, die den Südkontinent Gondwana bewohnten und dort eine Vielzahl ökologischer Nischen besetzten. Ein besonders interessantes Exemplar stellen US-Forscher in der aktuellen "Nature" vor.

Pakasuchus kapilimai "Dieses Krokodil hat sich schon ziemlich angestrengt, um wie ein Säugetier auszusehen", meint Patrick O'Connor, Anatomieprofessor an der Universität von Ohio in Athens, zu seinem jüngsten Fund. Pakasuchus kapilimai, so heißt der Neuzugang vom Rukwa-See im Südwesten Tansanias, und sein Name setzt sich nicht zufällig aus dem Suaheli-Wort für Katze und dem griechischen Wort für Krokodil zusammen. Der dritte Namensbestandteil gedenkt des tansanischen Paläontologen Professor Saidi Kapilimai, der maßgeblichen Anteil am Rukwa-Rift-Basin-Projekt hatte. Pakasuchus war seinem Schädel und dem Schwanz zufolge eindeutig ein Reptil und gehörte zu den Notosuchia, einer Gruppe kleiner Verwandter der heutigen Krokodile, die in der Kreidezeit vor allem den Südkontinent Gondwana bewohnten. 


Allerdings hatte "Krokopussy", wie das Fossil inzwischen auch genannt wird, lange Gliedmaßen und einen biegsamen Rücken, vielleicht bewegte es sich also ähnlich geschmeidig wie ein moderner Stubentiger durch die Landschaft der Kreidezeit. Und so gepanzert wie die heutigen Krokodile war Pakasuchus auch nicht: Nur der Schwanz war mit den Hornplatten ausstaffiert, die bei Krokodilen den ganzen Körper bedecken.

Pakasuchus-Schädel"Wirklich außergewöhnlich an dem Fossil aber", meint O'Connor, "ist sein Gebiss." Denn das hat so überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem Rachen der heutigen Krokodile. Deren Kiefer sind mit mehr oder weniger dichten Reihen kegelförmiger Zähne ausgestattet, mit denen sie ihre Beute hervorragend packen und festhalten können. Pakasuchus hat stattdessen Eckzähne, eine Reihe von konischen Zähnen und dann Backenzähne, "also in vielerlei Hinsicht ein säugetierähnliches Gebiss", meint der Anatom. Ob es mit seinen Backenzähnen auch kauen konnte wie ein Säugetier, ist dagegen unsicher. "Das zu sagen wäre zu weit aus dem Fenster gelehnt", betont Patrick O'Connor, "aber er hat seine Nahrung doch anders verarbeitet als die Krokodile heutzutage."

Rukwa-BeckenZu seinen Lebzeiten bewohnte Pakasuchus offenbar eine offene Waldlandschaft mit Palmfarnen und Nadelbäumen, die von großen Flüssen durchzogen wurde. Das Klima scheint wie im heutigen Afrika auch Trocken- und Regenzeiten gekannt zu haben. Das mit 30 Zentimeter Körperlänge eher kleine Reptil lebte zusammen großen Pflanzenfressern und einigen gefährlichen Raubsauriern sowie größeren und konventioneller aussehenden Krokodilen. In den Flüssen und Seen gab es Fische, und auch einige eher seltene und winzige Säugetiere durchstreiften die Gondwana-Savanne. Von solchen kleinen Wirbeltieren, vor allem aber von Insekten dürfte sich das Krokodil ernährt haben.

Ausgrabung an SandsteinwandDer paläontologischen Überlieferung zufolge besetzten die Notosuchia wie Pakasuchus in den Ökosystemen der Südhemisphere Nischen, die auf der Nordhalbkugel von Säugetieren gehalten wurden. Denn deren Zahl und Vielfalt ist unter den Gondwana-Fossilien äußerst beschränkt. "Wir haben eine Art zweigeteiltes Bild", erklärt Patrick O'Connor, "auf den Kontinenten im Norden entwickelten sich die Säugetiere, die auf denen im Süden nur mit altertümlichen Formen vertreten waren. Im Süden hingegen schritt die Evolution der Reptilien voran." Die Notosuchia entwickelten einen ganzen Strauß Formen, der von Pflanzenfressern bis hin zu dem kauenden Pakasuchus reichte. Genützt hat ihnen das im Endeffekt nichts. Das Ende der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren bedeutete auch das Ende der Notosuchia.

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